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Medizin

Im Halse stecken geblieben

Freitag, 14. Dezember 2012

Köln – Dass Kinder häufig etwas verschlucken, ist bekannt. Am meisten betroffen sind Kinder zwischen 6 Monaten und 6 Jahren. Aber auch Erwachsenen bleibt hin und wieder etwas nicht nur im Halse stecken. Über den Umgang mit diesem klinischen Problem berichten Peter Ambe, Universitätsklinikum Düsseldorf, und Koautoren im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2012; 109(50): 869–75).

Bei Erwachsenen erfolgt eine Ingestion von Fremdkörpern meist mit der Nahrungs­aufnahme. Dabei werden am häufigsten Fischgräten und Hühnerknochen verschluckt. Das klinische Vorgehen hängt von der Art des Ingestats (Größe, Länge, chemische Zusammensetzung etc.), den subjektiven Beschwerden sowie dem klinischen Befund ab.

Verschluckte Fremdkörper bei Erwachsenen

Die Behandlung von Patienten mit verschluckten Fremdkörpern (FK) kommt regelmäßig in Praxis und Klinik vor. Dabei unterscheidet man die versehentliche Fremdkörperingestion von der intentionalen FK-Ingestion mit sekundärem Krankheitsgewinn. Darüber hinaus kann bei der Nahrungsaufnahme ein Bolus stecken bleiben und zum klinischen Bild einer Fremdkörperimpaktion im Ösophagus führen.

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In circa 80 % der Fälle passiert das Ingestat problemlos den Magen-Darm-Trakt. Eine endoskopische Intervention erfolgt in circa 20 %, operiert werden muss in weniger als 1 % der Fälle. Eine Notfall-Ösophagogastroduodenoskopie wird empfohlen bei komplettem Verschluss der Speiseröhre, bei Ingestion von spitzen und scharfen Fremdkörpern sowie bei  Verschlucken von Batterien. Magneten und mehr als 6 cm lange Fremdkörper sollten innerhalb von 24 Stunden entfernt werden.

Eine Sondergruppe bilden die sogenannten Bodypacker. Hier gilt: Asymptomatische Personen sollten gegebenenfalls auf der Intensivstation beobachtet werden. Von jeglicher Art der Intervention sollte man Abstand nehmen.  Symptomatische Bodypacker die Zeichen einer Intoxikation aufweisen, sollten – da eine letale Dosis vermutet werden muss –, nach medizinischer Stabilisierung sofort laparotomiert werden. © Se/aerzteblatt.de

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Avatar #659934
doctorschneider@aol.com
am Sonntag, 16. Dezember 2012, 23:09

Ingestion von hölzerenen Fremdkörpern sind besonders beachtenswert

Der Artikel von Peter Ambe und Sebastian Weber ist sehr zu begrüßen und kann auf den wenigen Seiten nicht allumfassend sein.
Deshalb möchte ich ergänzend auf verschluckte Fremdkörper aus Holz hinweisen.
Hölzerne Fremdkörper haben eine Sonderstellung unter den verschluckten Gegenständen. Sie bleiben an den unterschiedlichsten Stellen stecken, perforieren und penetrieren in die Umgebung.
Sie sind im Röntgen nicht zu entdecken, haben eine große Neigung zur Penetration ins paraintestinale Gewebe, um dann dort eine Fremdkörperreaktion (Granulom, Abszess) auszulösen. Betroffen können die parenchymatösen Organe wie Leber und Pankreas aber auch weit distale das parakolische Gewebe sein.
Der Kassiker ist der Zahnstocher, der oft unbemerkt und aus Versehen mit einem Fleischstück zusammen verschluckt wird.
Erste Symptome sind unklare Beschwerden wie Bauchschmerzen, Fieberschübe oder gastrointestinale Blutung. Der darauf basierende Erstbefund ist meist eine unspezifische Umgebungsreaktion in der Bildgebung wie ein Abszeß, ein Granulom oder eine Fistelung. Hier ist der Ultraschall entscheidend und das „DranDenken“.
Die Folge ist ein subakutes klinisches Bild, das an eine chronisch-entzündliche Darm­er­krank­ung erinnert.
Hier als Beispiel ein verschluckter Zahnstocker im Sigma bei einem 15 Jahre alten teilbehinderten Knaben, der in einer Kindereinrichtung wohnt.
Er wird in der Praxis wegen seit ¼ Jahr bestehender Fieberschübe, rezidivierendem Erbrechen und Gewichtsverlust (-6 kg) vorgestellt. Der bislang mit dem Rollstuhl mobile Knabe war zunehmend müde, matt und abgeschlagen. Er hatte offensicht-lich Bauchschmerzen und setzte phasenweise dünne lehmfarbene (mikrobiologisch negativ) Stühle ab. Die Blutuntersuchungen ergaben immer wieder Hinweise auf eine bakterielle Infektion (ohne Fokus). Es wurde an eine Reaktion auf Valproat® angenommen.
Sonographisch terminales Ileum Wandverdickung von 8 mm mit massiver (20 mm) Fettgewebsvermehrung. Fokal im linken Mittel- Oberbauch verdickte Darmschlin-gen, Aspekt wie M. Crohn. Die endoskopische Diagnostik ergab im Sigma (25 cm ab ano) einen hölzernen Fremdkörper, der sich als Zahnstocker entpuppte. Dieser durchbohrte die Sigmawand. Die Perforationsstelle zeigte eine deutliche fokale Fibrose und Granulationsgewebe mit einem ein Ulkus. Entfernung des Zahn-stochers mit der Schlinge. Danach bot sich der Blick durch einen fibrösen Kanal in eine Abszeßhöhle. Die Endoskopie wurde hier beendet.
Anschließend kombinierte antibiotische Therapie wie bei intraabdominellem Abszess und völlige Normalisierung aller Beschwerden und Befunde.

Dr. Thomas Schneider , Praxis „gastroambulanz“, www.doctorschneider.de
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