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Medizin

WHO befürchtet Rückschritte in der Malariabekämpfung

Dienstag, 18. Dezember 2012

dpa

Genf – Die Bemühungen die Malaria einzudämmen drohen ins Stocken zu geraten. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) beklagt im jüngsten Welt-Malaria-Bericht, dass nach Jahren einer deutlichen Ausweitung die finanzielle Förderung stagniere, was aber nicht ganz zutrifft: Die Hilfsleistungen sind 2011 erneut leicht gestiegen. Es wurden deutlich mehr Patienten behandelt. Nur in der Vektorkontrolle reißen Lücken auf.

Im Jahr 2010 – so die jüngsten Zahlen aus dem World Malaria Report 2012 – waren vermutlich 219 Millionen Menschen an der Malaria erkrankt und 660.000 sind daran gestorben. Diese Zahl ist natürlich eine Schätzung, da die Malaria vor allem in den ärmeren Ländern Afrikas verbreitet ist, in denen es keine Instrumente zur Erfassung von Krankheitszahlen gibt. Dennoch scheint sicher, dass die Erkrankungen deutlich zurückgegangen sind.

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Im ersten Jahrzehnt nach 2000 wurden nach Schätzungen der WHO 274 Millionen Erkrankungen und 1,1 Millionen Todesfälle vermieden. Zu verdanken ist dies insbesondere der Versorgung der Bevölkerung mit langlebigen imprägnierten Netzen (long-lasting insecticidal nets, LLIN), von denen 2010 in Afrika 145 Millionen verteilt wurden. Laut WHO wurden diese zu 90 Prozent auch von der Bevölkerung angenommen. Doch die LLIN halten nicht ewig. Nach einigen Jahren müssen sie ersetzt werden. Der Nachschub stockt jedoch. Dieses Jahr werden laut WHO nur etwa 66 Millionen LLIN bereitgestellt. Benötigt würden 150 Millionen. Damit könnte es schon bald zu größeren Lücken in der Vektorkontrolle kommen, zumal es in den betroffenen Haushalten auch an Insektensprays fehlt.

Die Zahl der Schnelltests ist deutlich angestiegen: Von 88 Millionen in 2010 auf 155 Millionen in 2011. Auch die Qualität der Tests hat laut dem Report zugenommen, was eine wichtige Voraussetzung für den gezielten Einsatz der artemisinin-basierten Kombinationstherapie (ACT) ist, die die WHO heute als Standard empfiehlt. Die Behandlungszahlen sind deutlich gestiegen: Von 181 Millionen in 2010 auf 278 Millionen in 2012, wobei die Kosten zunehmend aus dem privaten Sektor übernommen werden.

Denn die Spendenbereitschaft der Industrieländer, die den Global Fund speisen, lässt nach – wohl auch infolge der globalen Finanzkrise. Im Jahr 2011 sind von internationalen Geldgebern 1,84 Milliarden US-Dollar zusammen gekommen. Das ist zwar ein Anstieg gegenüber 1,71 Milliarden US-Dollar im Vorjahr, doch die WHO schätzt den Gesamtbedarf auf 5,1 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Ein positives Zeichen ist, dass die betroffenen Länder selbst immer mehr Gelder für die Malariabekämpfung zur Verfügung stellen. Im Jahr 2011 waren es immerhin 625 Millionen US-Dollar. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass die Malaria gerade dort am häufigsten auftritt, wo den Staaten das nötige Geld nicht zur Verfügung steht: 80 Prozent der Todesfälle entfallen heute auf 14 Länder. In Afrika sind vor allem die Republik Kongo und Nigeria betroffen, in Südasien gibt es die meisten Erkrankungen in Indien.

Mittelfristig könnten Resistenzen erneut zum Problem werden. Die Malariamücken sind dem Bericht zufolge bereits in 64 Ländern resistent gegen die eingesetzten Insektizide. Resistenzen der Plasmodien gegen Artemisinin sind jüngst aus der „Greater Mekong“-Region (Kambodscha, Myanmar, Thailand und Vietnam) gemeldet worden. © rme/aerzteblatt.de

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