NewsMedizinPrävention von Kopf-Hals-Karzinomen durch Kaffee
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Prävention von Kopf-Hals-Karzinomen durch Kaffee

Dienstag, 18. Dezember 2012

Atlanta – Können im Kaffee enthaltene Antioxidanzien Krebserkrankungen abwehren? Eine prospektive Beobachtungsstudie im American Journal of Epidemiology (2012; doi: 10.1093/aje/kws222) liefert hierfür ernsthafte Hinweise. Kaffeetrinker starben dort seltener an Kopf-Hals-Karzinomen, wobei die Schutzwirkung mit der Dosis zunahm.

Zum Lebensstil der meisten Erwachsenen gehört der regelmäßige Konsum von Kaffee, der vor allem wegen seiner anregenden Wirkung genossen wird, die durch das Koffein vermittelt wird. Das Heißgetränk enthält darüber hinaus aber noch eine Vielzahl von Substanzen, darunter das Polyphenol Kaffeesäure und zwei kaffeespezifische Diterpene, Cafestol und Kahweol, die in vitro und in Tierversuchen oxidative DNA-Schäden verhindern, die Apoptose fördern und antiproliferative Wirkungen entfalten. Dies weist auf eine protektive Wirkung gegen Krebserkrankungen hin, die am ehesten auf der Schleimhaut von Mund und Rachen zu erwarten ist, da diese täglich mit dem Getränk in Berührung kommen.

In der Vergangenheit sind bereits eine Reihe von Fall-Kontroll-Studien durchgeführt worden, in denen überwiegend eine protektive Wirkung gegen Kopf-Hals-Karzinome gefunden wurde. Der nächste Schritt besteht in der Auswertung von prospektiven Beobachtungsstudien wie der Cancer Prevention Study, in der die American Cancer Society US-Amerikaner regelmäßig nach ihren Lebensgewohnheiten befragt und diese mit den Todesursachen in Beziehung setzt. Janet Hildebrand von der American Cancer Society in Atlanta hat jetzt die Daten von 968.432 Erwachsenen ausgewertet, die zu Beginn der Studie im Jahr 1982 nicht an Krebs erkrankt waren. In den folgenden 26 Jahren starben 868 Teilnehmer an Kopf-Hals-Karzinomen.

Anzeige

Nach der Berücksichtigung von Rauchen und Alkohol ermittelt Hildebrand, dass starke Kaffeetrinker (mehr als 4 Becher à 240 ml pro Tag) zu 42 Prozent seltener am Kopf-Hals-Karzinom starben. Eine Beobachtungsstudie kann niemals ausschließen, dass andere nicht beachtete Faktoren (z.B. Ernährung), die mit dem Kaffeekonsum assoziiert sind, der wahre Grund für die protektive Wirkung waren. Für eine Kausalität spricht allerdings die von Hildebrand dokumentierte Dosis-Wirkung-Beziehung: Zwei Becher am Tag senken das Risiko um 26 Prozent, bei vier Bechern steigt die protektive Wirkung auf 31 Prozent und bei 6 Bechern sogar auf 58 Prozent an.

Beweisen kann eine prospektive Studie die protektive Wirkung, wie erwähnt, nicht. Hierzu müsste eine randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt werden. Eine solche ist indes nicht in Sicht. Damit bleibt es für die Kaffeetrinker bei dem guten Gefühl, etwas für die Gesundheit zu tun.

Wichtiger für die Prävention von Kopf-Hals-Karzinomen dürfte allerdings der Verzicht auf Zigaretten und einen exzessiven Alkoholkonsum sein, den beiden wichtigsten etablierten Risikofaktoren. Der dritte Risikofaktor ist eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus, dessen Prävalenz in den letzten Jahren durch veränderte Sexualgewohnheiten gestiegen ist. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. September 2019
Berlin – Bei einem Teil der Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren entwickelt sich zusätzlich ein Lungentumor. Ob es sich dabei um eine Metastase oder einen zweiten Tumor handelt, können Pathologen mittels
Maschinelles Lernen verbessert die Diagnose von Kopf-Hals-Tumor-Metastasen
3. September 2019
Hamburg – Fast jedes fünfte Schulkind nimmt regelmäßig Energydrinks zu sich. Bei den Mädchen und Jungen der fünften bis zehnten Klassen, die Energydrinks konsumieren, sind Übergewicht, Schlafstörungen
Jeder fünfte Schüler trinkt regelmäßig Energydrinks
7. August 2019
Hamburg – Forscher am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wollen schonendere Therapien für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren entwickeln, die durch eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV)
Hamburger Wissenschaftler forschen an schonenderen Therapien für Kopf-Hals-Tumore
3. Juni 2019
Stockton/Kalifornien – Der Konsum von Energydrinks hat in einer randomisierten Studie bei jungen Erwachsenen den Blutdruck erhöht und im EKG das QT-Intervall verlängert. Letzteres könnte laut einem
Energydrinks erhöhen Blutdruck und verlängern QT-Intervall
27. Mai 2019
Berlin – Der übermäßige Konsum von Energy Drinks kann Kindern und Jugendlichen gefährlich werden. Vor allem für das Herzkreislaufsystem erhöhen sich durch das enthaltene Koffein die gesundheitlichen
Übermäßiger Konsum von Energy Drinks gefährlich für Kinder und Jugendliche
19. März 2019
Bonn – Im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie ist eine interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Kehlkopfkrebs erschienen. Die Deutsche Gesellschaft für
Neue interdisziplinäre S3-Leitlinie zu Kehlkopfkrebs erschienen
29. Januar 2019
San Francisco – Patienten mit einer Mutation in einem bei Kopf-Hals-Tumoren häufigen Krebsgen hatten laut einer Studie im Journal of Experimental Medicine (2019; doi: 10.1084/jem.20181936) eine
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER