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Medizin

Xyrem: Tödlich in Kombination mit Alkohol oder Schlafmitteln

Dienstag, 18. Dezember 2012

Rockville – Eine Reihe von Todesfällen veranlasst die FDA erneut davor zu warnen, das Medikament Xyrem® mit Alkohol oder Medikamenten zu kombinieren, die eine dämpfende Wirkung auf das Zentralnervensystem haben. Der Hinweis richtet sich offiziell an Patienten, denen Xyrem zur Behandlung der Narkolepsie verschrieben wird. Gemeint sind aber auch Personen, die Xyrem als Partydroge („Liquid Ecstasy“) missbrauchen.

Der Wirkstoff von Xyrem ist Natriumoxybat, eine Abkürzung für Gamma-Hydroxybuttersäure oder GHB. Es hat im Gehirn eine ähnliche Wirkung wie der Neurotransmitter GABA, mit dem es strukturell eng verwandt ist (GABA selbst kann nicht als Medikament gegeben werden, da es die Blut-Hirnschranke nicht überwindet). Die Wirkung von GHB ist komplex.

In niedriger Dosierung hat es eine stimulierende Wirkung (auch auf Kontakte und Sexualität, was GHB als Partydroge attraktiv macht). Bei höherer Dosierung ist GHB ein Muskelrelaxans. Xyrem ist seit 2005 zur Behandlung der Narkolepsie zugelassen, weil es in klinischen Studien die täglichen Schlafattacken (Kataplexie) vermindert hat. Strenge Regeln sollen einen Missbrauch verhindern. In Deutschland darf die Abgabe nur durch Ärzte erfolgen, die Erfahrungen in der Behandlung von Schlafstörungen haben. In den USA gilt ein „Xyrem Success Program“. Das Medikament wird dort nur über zentrale Apotheken an registrierte Patienten abgegeben.

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Der Missbrauch ist aber nicht das einzige Risiko. GHB hat wie der inhibitorische Neurotransmitter GABA eine dämpfende Wirkung auf das Zentralnervensystem. Auch in der deutschen Fachinformation gibt es einen umrahmten Warnhinweis (sonst eher ungewöhnlich) auf eine mögliche Atemdepression. Die Gefahr steigt bei gleichzeitiger Einnahme anderer zentral-dämpfender Medikamente.

Die FDA rät deshalb generell von der gleichzeitigen Behandlung mit Opioid-Analgetika, Benzodiazepinen, sedierenden Antidepressiva oder Antipsychotika ab. Auch Allgemeinanästhetika und Muskelrelaxantien sollten nicht bei Patienten angewendet werden, die mit Xyrem behandelt werden (Die Angaben in den deutschen Fachinformationen sind etwas abgeschwächter, gehen aber in die gleiche Richtung).

Die FDA fügt diesen relativen Kontraindikationen jetzt noch eine absolute Kontrain­dikation auf einen Alkoholkonsum hinzu. Der Unterschied in der Formulierung dürfte darauf beruhen, dass Alkohol im Gegensatz zu den genannten Medikamenten niemals zur Behandlung von Erkrankungen erforderlich ist. Die Patienten werden auf mögliche Frühsymptome einer Atemdepression hingewiesen, bei denen sie sich an ihren Arzt wenden sollen.

Die Ärzte werden gebeten, die Patienten eindrücklich vom Konsum von Alkohol oder von der Einnahme von Schlafmitteln abzuraten. Diese Warnung dürfte auch für die – in der FDA Drug Safety Communication nicht direkt angesprochenen – Drogenkonsumenten gelten, die ihr Leben riskieren: Todesfälle durch den Konsum der Party-Droge sind beschrieben (American Journal of Emergency Medicine 2011; 29: 319-332). © rme/aerzteblatt.de

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