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Acetylsalicylsäure könnte Augenleiden fördern

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Madison/Wisconsin – Die regelmäßige Einnahme von  Acetylsalicylsäure (ASS) wird bereits zum zweiten Mal in einer Kohortenstudie mit der Entstehung einer feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) in Verbindung gebracht. Die Autoren sehen allerdings keinen Grund auf eine indizierte ASS-Therapie zu verzichten.

Die AMD ist noch vor Glaukom und diabetischer Retinopathie die häufigste Ursache für eine Erblindung im Alter. Die Gefahr besteht vor allem bei der feuchten oder neovas­kulären AMD, da die Bildung pathologischer Blutgefäße in der Makula zu einem raschen Sehverlust im Bereich des schärfsten Sehens führt.

Im Januar hatte Paulus de Jong vom Niederländischen Institut für Neurowissenschaften in Amsterdam die Fachwelt mit einer Analyse der European Eye Study überrascht. Die Studie begleitet mehr als 4.600 Senioren, die zwischen 2000 und 2003 in sieben europäischen Ländern (keine deutsche Beteiligung) rekrutiert wurden.

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Bei jedem dritten wurde eine trockene Form der AMD und bei etwa jedem 30. eine feuchte AMD diagnostiziert. Patienten mit der feuchten Form, nicht aber solche mit der trockenen Form der AMD hatten mehr als doppelt so häufig als andere angegeben ASS einzunehmen.

Auch nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und anderen kardiovaskulären Risiken der AMD errechnete de Jong eine Odds Ratio von 2,22 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,61-3,05). Patienten, die ASS einnehmen, würden demnach doppelt so häufig erkrankten wie anderen Senioren (Ophthalmology 2012; 119: 112–118).

Ein Team von der Universität von Wisconsin in Madison hat den Zusammenhang jetzt in einer weiteren Kohorte geprüft. Die Beaver Dam Eye Study begleitet seit 1987 etwa 6.000 Einwohner der gleichnamigen Kleinstadt, die regelmäßig augenärztlich untersucht und nach ihren Lebensgewohnheiten befragt werden. Die Analyse umfasst 4.926 Teilnehmer, die bei der Anfangsuntersuchung noch keine Hinweise auf eine AMD hatten.

In den folgenden 14,8 Jahren sind 512 an einer frühen und 117 an einer späten Form der AMD erkrankt. Wie in der European Eye Study wurde nur für Patienten mit der späten AMD und hier nur im Subtyp der feuchten AMD (nicht aber bei der rein geographischen Atrophie, einer weiteren Spätform der trockenen AMD, eine Assoziation mit ASS gefunden.

Die Einnahme von ASS über 10 Jahre war mit einer Hazard Ratio von 2,20 (1,20-4,15) verbunden, wie Barbara Klein von der Universität von Wisconsin und Mitarbeiter jetzt im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 308: 2469-2478) berichten. Die Beweiskraft der Dam Eye Study ist höher als die der European Eye Study: Die Teilnehmer wurden über längere Zeit prospektiv beobachtet, während die Analyse der European Eye Study nur auf einer einmaligen Querschnittsuntersuchung beruht.

Beweisend ist sie allerdings ebenfalls nicht. Ein möglicher Einwand betrifft die Tatsache, dass die meisten Personen ASS einnahmen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Bei vielen dürfte es eine Sekundärprävention nach einem ersten Ereignis sein. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind aber ein etablierter Risikofaktor für die AMD.

Damit könnte ASS lediglich ein weiterer Marker für ein erhöhtes Risiko auf eine AMD, nicht aber die Ursache sein. Beide Studien versuchen, diese mögliche Verzerrung in ihren Berechnungen zu berücksichtigen, was aber erfahrungsgemäß nicht immer vollständig gelingt.

Auch die Hinweise aus eine Dosis-Wirkungsbeziehung, die eine Kausalität untermauern würden, fallen nicht überzeugend aus. In der European Eye Study war das Risiko bei einer täglichen Einnahme paradoxerweise niedriger als bei einer selteneren Einnahme. In der US-Studie war das Risiko am höchsten, wenn die letzte Einnahme von ASS schon einige Jahre zurück lag, was ebenfalls keinen Sinn ergibt.

Entsprechend vorsichtig fallen die Empfehlungen aus. Sowohl de Jong als auch Klein raten den Patienten derzeit nicht von der Einnahme von ASS ab, wenn diese indiziert  ist. In den USA nimmt allerdings jeder fünfte Erwachsene ASS ein, in den meisten Fällen ohne medizinischen Grund. Die beiden Studien sind deshalb eine Ermahnung, dass Medikamente neben Vorteilen immer auch Risiken bergen. © rme/aerzteblatt.de

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