NewsAuslandStraßburg weist Einspruch gegen Sterbehilfeurteil ab
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Straßburg weist Einspruch gegen Sterbehilfeurteil ab

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Straßburg  – Das im Juli gefällte Kammerurteil zur Sterbehilfe des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs ist rechtskräftig. Die Straßburger Richter lehnten einen Einspruch dagegen ab, wie das Gericht am Mittwoch mitteilte.

In dem Fall geht es um einen Mann aus Braunschweig, der bei deutschen Behörden vergeblich um Erlaubnis für Beihilfe zum Suizid seiner querschnittsgelähmten Frau nachgesucht hatte. Er sah in der Ablehnung des Antrags unter anderem seine eigenen Rechte sowie die Rechte seiner Frau auf Achtung des Privatlebens und auf ein menschenwürdiges Sterben verletzt, da sie gezwungen gewesen seien, für die Selbsttötung in die Schweiz zu reisen.

Der Menschenrechtsgerichtshof hatte im Juli dem Kläger in Teilen Recht gegeben, aber kein Grundsatzurteil in der Frage um ein mögliches Recht auf Sterbehilfe gefällt. Daraufhin verlangte der Kläger eine erneute Prüfung durch die Große Kammer des Gerichtshofes; diese wurde nun abgelehnt.

Anzeige

Die Richter hatten sich in ihrem Urteil auf eine formale Kritik an deutschen Gerichten beschränkt, die den Fall nicht ausreichend geprüft hätten. Die Beschwerde des Klägers im Namen seiner Frau wiesen sie jedoch zurück, da ihre Rechte nicht auf ihn übertragbar seien. Zudem wäre die sachliche Prüfung primär die Pflicht der deutschen Behörden gewesen.

Die Weigerung der deutschen Justiz, die Beschwerde des Mannes auch nach dem Tod seiner Frau weiterzuverfolgen, wertete der Gerichtshof als Verstoß gegen das Recht auf Privat- und Familienleben des Klägers. Die Richter sprachen dem Mann 2.500 Euro Entschädigung sowie rund 27.000 Euro für die entstandenen Kosten zu.

Die Frau des Beschwerdeführers war nach einem Sturz 2002 querschnittsgelähmt und auf künstliche Beatmung angewiesen. Sie wollte daher nach Angaben des Gerichts ihrem Leben ein Ende setzen.

2004 beantragte sie beim Bundesinstitut für Arzneimittel die Erlaubnis zum Erwerb eines tödlichen Medikaments, das ihr die Selbsttötung zu Hause ermöglicht hätte. Das Bundesinstitut lehnte den Antrag ab. Im Februar 2005 nahm sich die Frau mit Hilfe des Suizidhilfe-Vereins „Dignitas“ in der Schweiz das Leben. © kna/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. November 2020
Kassel – Vor einer fehlgeleiteten Debatte über Selbsttötungen warnen derzeit 17 Suizidforscher und Palliativmediziner in Deutschland. In einem vorgestern veröffentlichten Schreiben an den Autor
Mediziner warnen vor fehlgeleiteter Debatte über Suizidhilfe
23. November 2020
Essen – Im Fall des Oberarztes der Universitätsklinik Essen, der zwei todkranke Patienten getötet haben soll, hat sich die Klinikleitung bestürzt über den Fall geäußert. „Wir alle sind zutiefst
Arzt unter Totschlagverdacht: Klinikvorstand „zutiefst erschüttert“
12. November 2020
Witten – Die Haltung zur Sterbehilfe bei Ärzten und Pflegenden und die Praxis in Gesundheitseinrichtungen in Deutschland beleuchtet eine neue Umfrage. „Die Hälfte der Ärzte und ein Drittel der
Wie Ärzte und Pflegende zur Sterbehilfe stehen
30. Oktober 2020
Wellington – Die Bürger Neuseelands haben sich in einem Referendum für die Legalisierung der Sterbehilfe in dem Pazifikstaat ausgesprochen. Wie die Wahlbehörde heute mitteilte, wurde die entsprechende
Neuseeländer stimmen für Legalisierung der Sterbehilfe
22. Oktober 2020
Berlin – Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020, mit dem das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung für verfassungswidrig erklärt wurde, sorgte in Fachkreisen und in
Debatte im Ethikrat zur Sterbehilfe zeigt Meinungsbandbreite
14. Oktober 2020
Den Haag – In den Niederlanden soll die Sterbehilfe bei sterbenskranken Kindern im Alter von unter zwölf Jahren legalisiert werden. Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hugo de Jonge kündigte gestern eine
Niederlande wollen Sterbehilfe bei Kindern unter zwölf Jahren legalisieren
28. September 2020
Berlin – In die Debatte um die Rolle von Ärzten am Lebensende kommt Bewegung. Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) denkt über eine Änderung des Berufsrechts bei der ärztlichen Beihilfe zu Selbsttötungen nach.
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER