NewsMedizinHepatitis C: Lyell-Syndrom unter Telaprevir
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hepatitis C: Lyell-Syndrom unter Telaprevir

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rockville – Zwei Berichte aus Japan über eine toxische epidermale Nekrolyse (TEN), die in einem Fall tödlich endete, veranlasst die US-Arzneibehörde FDA zu einer Warnung. Sie rät dringend, den im letzten Jahr zugelassenen HCV-Proteaseinhibitor Telaprevir (Incivek®) beim Auftreten oder der Verschlimmerung eines Hautausschlags sofort abzusetzen.

Die TEN ist eine Variante des Lyell-Syndroms, bei der sich die oberste Schicht der Haut, die Epidermis, unter Blasenbildung großflächig ablöst. Da unmittelbare Lebensgefahr besteht, müssen die verdächtigen Medikamente sofort abgesetzt werden. Bei den beiden Patienten aus Japan wurde dies verpasst.

Die erste Patientin, eine 50-jährige Frau hatte am dritten Tag einer Kombinationstherapie mit Peginterferon plus Telaprevir einen Hautausschlag vom Grad 3 entwickelt. Sie wurde zunächst über einen Monate mit Steroiden und Antihistaminika behandelt. Erst dann entschieden die Ärzte zunächst Peginterferon und drei Tage später Telaprevir abzusetzen. Die Patientin erholte sich erst nach zwei Monaten von der TEN.

Anzeige

Der zweite Patient, ein 69 Jahre alter Mann, hatte bereits unter einer Therapie mit Peginterferon plus Ribavirin einen Hautausschlag entwickelt. Als Telaprevir hinzugefügt wurde, trat zusätzlich ein Pruritus auf, der jedoch als milde eingestuft wurde. Nach einem Monat hatte sich der Hautausschlag gebessert, in den folgenden Wochen kam es jedoch wieder zu einer Verschlechterung. Die Ärzte reduzierten darauf hin die Telaprevir-Dosis und setzten das Medikament eine Woche später ab, als sie eine TEN diagnostizierten.

Nachdem es in den folgenden 7 bis 10 Tagen zu einer weiteren Verschlechterung kam, setzten die Ärzte auch Ribavirin ab. Zu spät: Einen Tag später hatten sich die epidermalen Nekrosen über den gesamten Körper ausgebreitet. Die Ärzte setzen daraufhin auch Peginterferon ab, doch der Patient verstarb am darauf folgenden Tag an einem Multiorganversagen.

92 Fälle eines DRESS-Syndroms
Eine Analyse der Adverse Event Reporting System-Datenband (AERS) der FDA identifizierte dann für den Zeitraum vom 23. Mai 2011 bis zum 19. Juni 2012 insgesamt 92 Fälle eines DRESS-Syndroms (Drug Reaction or Rash with Eosinophilia and Systemic Symptoms) plus 20 Fälle eines Stevens-Johnson Syndroms (SJS), das eine abgeschwächte Variante der TEN ist.

Darunter war ein Todesfall: Eine 47-jährige Patientin hatte nach vier Wochen Triple-Therapie zunächst an den unteren Extremitäten einen Ausschlag entwickelt. Nachdem sie alle drei Medikamente über weitere 4 Wochen erhalten hatte, musste sie wegen einer Ausweitung des Hautausschlags hospitalisiert werden. Dort erlitt sie einen Blutdruckabfall, Myalgien und ein akutes Nierenversagen. Nach einem Kammerflimmern verstarb sie im kardiogenen Schock.

Die FDA dürfte die Fälle so ausführlich schildern, weil tödliche Ausgänge beim rechtzeitigen Absetzen der Medikamente häufig vermieden werden können. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

31. Januar 2019
London – Die Entwicklung von direkt wirkenden antiviralen Substanzen (DAA), die eine Hepatitis-C-Infektion innerhalb von wenigen Wochen kurieren können, machen die weltweite Elimination der Hepatitis
Weltweite Elimination von Hepatitis C erfordert stärkere Anstrengungen
2. Januar 2019
München – Eine Virushepatitis kann bekanntlich zum Zusammenbruch der Leberfunktion führen. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben jetzt den Pathomechanismus beim Leberversagen
Mechanismus des Leberversagens bei Hepatitis
27. Dezember 2018
Donauwörth – Ein Ende der Ermittlungen wegen der Serie von Hepatitis-Infektionen in der Donau-Ries-Klinik im bayerischen Donauwörth ist nicht in Sicht. Ein Anästhesist wird verdächtigt, bei
Komplizierte Ermittlungen zu Klinik-Skandal um Hepatitis-Infektionen
10. Dezember 2018
Frankfurt am Main – Die Kosten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) für Hepatitis-C-Präparate sind seit 2015 zurückgegangen. Darauf hat der Statistikdienstleister IQVIA heute hingewiesen. Anfang
Kosten für Hepatitis-C-Präparate seit 2015 rückläufig
5. Dezember 2018
Paris/Berlin – Ärzte ohne Grenzen und fünf weitere Organisationen haben Berufung gegen die Entscheidung des Europäischen Patentamts (EPA) eingelegt, ein Patent des Pharmaunternehmens Gilead Science
Hilfsorganisationen fechten Entscheidung zu Hepatitis-C-Medikament an
23. November 2018
Donauwörth – Von der Ausbreitung von Hepatitis C in der Donau-Ries Klinik Donauwörth sind inzwischen 60 Patienten betroffen. Ein Narkosearzt soll sie bei Operationen in der Klinik mit der gefährlichen
Hepatitis-Infektionen an Donau-Ries Klinik gestiegen
21. November 2018
Köln – Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut, der Deutschen Aids-Hilfe, medizinischen Fachgesellschaften und Patientenorganisationen ein
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER