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Medizin

Morbus Kawasaki: Urinmarker für sichere Diagnose gefunden

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Boston – US Forscher haben im Harn von Kindern mit Morbus Kawasaki in einer Proteom-Analyse zwei Proteine entdeckt, die ihrer Studie in EMBO Molecular Medicine (2012; doi: 10.1002/emmm.201201494) zufolge eine sichere Diagnose ermöglichen könnten.

Eine Diagnose des mukokutanen Lymphknotensyndroms (Morbus Kawasaki), an dem vor allem Kinder im Alter unter 5 Jahren erkranken, ist heute nur klinisch möglich. Die Erkrankung beginnt mit einem antibiotikaresistenten Fieber, das von einem Hautaus­schlag sowie Veränderungen an den Extremitäten (Erythem und Ödem) und im Mundbereich (rissige Lippen, Erdbeerzunge, Pharyngitis) begleitet wird.

Hinzu kommen häufig eine Konjunktivitis und eine Vergrößerung der Halslymphknoten. Der Morbus Kawasaki kann leicht mit Kinderkrankheiten wie Masern oder Scharlach verwechselt werden, was gravierende Folgen haben kann. Es handelt sich nämlich um eine Entzündung der mittleren und kleinen Blutgefäße, darunter auch der Koronarien. Dort bilden sich unbehandelt bei jedem vierten Patienten kleine Aneurysmen, deren Thrombosierung zum Herzinfarkt führen kann.

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Eine frühzeitige Therapie kann dies verhindern, doch bisher gab es keinen Test, mit dem eine Verdachtsdiagnose bestätigt oder entkräftet werden kann. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe um Susan Kim vom Boston Children’s Hospital könnten dies ändern. Die Forscher haben bei Patienten mit Verdacht auf Morbus Kawasaki eine Proteom-Analyse durchgeführt. Dabei werden sämtliche (hier über 2000) Proteine im Harn bestimmt. Gefunden wurden zwei Proteine, die offenbar mit dem Krankheitsgeschehen in Verbindung stehen.

Es handelt sich einmal um das Protein Filamin C, einem Bestandteil von Herz- und Skelettmuskulatur, das, wie man vermuten kann, bei der Krankheit aus nekrotischen Zellen der Gefäßwand über das Blut mit dem Urin ausgeschieden wird. Der zweite Marker ist Meprin A, das als Enzym Teil der Entzündungsreaktion an der Vaskulitis beteiligt sein dürfte. Die Forscher konnten es in einem Mäusemodell der Erkrankung in höherer Konzentration in den erkrankten Koronarien nachweisen.

Die Forscher haben den diagnostischen Wert der beiden Marker an 107 Patienten mit Verdacht auf Morbus Kawasaki untersucht, der bei 53 Patienten klinisch bestätigt wurde. Die beiden Marker waren mit 98-prozentiger Genauigkeit in der Lage, erkrankte von nicht erkrankten Kindern zu unterscheiden.

Für einen diagnostischen Marker ist dies ein sehr gutes Ergebnis, das auf eine Bestätigung durch andere Forscher hoffen lässt. Sollte es zur klinischen Einführung eines Tests kommen, wird sich zeigen, ob der Morbus Kawasaki tatsächlich so selten ist, wie derzeit angenommen wird. In den USA wird die Erkrankung nur bei 2 von 10.000 Kindern diagnostiziert. In Japan ist der Morbus Kawasaki wesentlich häufiger. Dort erkrankt etwa eines von 100 Kindern im Alter unter 5 Jahren. © rme/aerzteblatt.de

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