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Medizin

Gesünderer Lebensstil: Weniger Koronarsklerose bei jungen US-Soldaten

Donnerstag, 27. Dezember 2012

dapd

Bethesda – Bei der Obduktion von im Kampf gefallenen Soldaten finden Pathologen der US-Armee heute nur noch selten eine Koronarsklerose. Ihr Bericht im US-amerika­nischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 308: 2577-2583) zeichnet eine starke Wende seit den Kriegen in Korea und Vietnam.

Die Befunde, die William Enos vom Armed Forces Institute of Pathology in Washington 1953 publizierte, waren besorgniserregend: Nicht weniger als 77 Prozent der im Korea-Krieg gefallenen Soldaten wiesen trotz eines Durchschnittsalters von nur 22 Jahren bereits eine makroskopisch erkennbare Koronarsklerose auf. Bei den meisten Soldaten beschränkte sich die Atherosklerose auf fibrotische Veränderungen, doch 15 Prozent hatte mindestens eine höhergradige Stenosen, die das Lumen einer Koronararterie um mehr als 50 Prozent verengte (JAMA 1953; 152: 1090-1093).

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Zwei Jahrzehnte später hatte sich das Bild gewandelt. Von den 105 Opfern des Vietnam-Kriegs, die unter Leitung von Judson McNamara vom Walter Reed Army Institute of Research in Vietnam obduziert worden waren, hatten nur noch 45 Prozent eine nachweisbare Koronarsklerose und bei keinem der im Durchschnitt 22 Jahre alten Soldaten fanden die Pathologen eine schwere Verengung der Koronarien (JAMA 1971; 216: 1185-1187).

Inzwischen sind drei weitere Jahrzehnte vergangen. Die US-Armee war seit 2001 erneut in Kriegen am Golf und in Afghanistan verwickelt. Bryant Webber vom Uniformed Services University of the Health Sciences in Bethesda/Maryland hat jetzt die Ergebnisse von 3.832 Obduktionen ausgewertet. Sein Ergebnis zeigt, dass sich der Trend fortgesetzt hat.

Nur noch 8,5 Prozent der Gefallenen, die im Durchschnitt im Alter von 26 Jahren starben, hatten Zeichen einer Koronarsklerose. Eine Stenose von mehr als 50 Prozent wiesen dieses Mal nur noch 2,3 Prozent der Obduzierten auf. Erwartungsgemäß waren die bekannten kardialen Risikofaktoren bei den Soldaten mit Koronarsklerose deutlich häufiger: 50,0 versus 11,1 Prozent hatten eine Fettstoffwechselstörung, 43,6 versus 11,1 Prozent hatten eine arterielle Hypertonie, und auch die Adipositas war mit 22,3 Prozent versus 11,1 Prozent deutlich häufiger.

Für den Editorialisten Daniel Levy vom US-National Heart, Lung, and Blood Institute in Bethesda, der den Trend trotz methodischer Unterschiede der drei Studien, als valide bezeichnet, kommt ein veränderter Lebensstil des US-Amerikaners als Erklärung infrage.

Der Anteil der Raucher sei seit Mitte deutlich zurückgegangen, die arterielle Hypertonie werde konsequenter behandelt, und auch die Cholesterinwerte hätten sich gebessert. Auf der anderen Seite ist die Prävalenz von Übergewicht und Typ 2-Diabetes in der Bevölkerung gestiegen. Die US-Soldaten würden sich hier günstig vom sonstigen US-Bevölkerungsdurchschnitt abheben, meint Levy. Ein Blick auf Tabelle 1 der Studie zeigt jedoch, dass die Zahl der Übergewichtigen oder Adipösen fast so hoch war wie die Zahl der Normalgewichtigen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 2. Januar 2013, 13:01

Nein

Auf dem Foto sind ziemlich viele Übergewichtige zu sehen. Ich vermute, daß die Armee so schlecht zahlt, daß die Jungs sich einfach keine Zigaretten mehr leisten können.
Avatar #98372
Thelber
am Freitag, 28. Dezember 2012, 12:38

Könnte es an der Selektion der Soldaten liegen ?

Schließlich nehme ich einmal an, dass auch in den USA die Soldaten irgendwie "gemustert" werden. Wird diese "Filterung" zum healthy worker für die US-Armee heute vielleicht etwas stringenter durchgeführt als früher ?
LNS

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