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Medizin

Krebs: Familiäre Häufung auch bei hohem Erkrankungsalter der Eltern

Freitag, 28. Dezember 2012

Heidelberg – Die familiäre Häufung von Krebserkrankungen betrifft nicht nur Kinder, deren Eltern ungewöhnlich früh an Krebs erkrankt sind. Eine Analyse der Schwedischen Familienkrebsregisters im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 345: e8076) zeigt, dass auch Krebserkrankungen im hohen Alter ein erhöhtes Risiko für die Nachfahren anzeigen.

Das in den 90er Jahren eingerichtete Schwedische Familienkrebsregister ist mit mehr als 12 Millionen Einträgen das weltweit größte seiner Art. Möglich wurde es, weil in Schwe­den alle Einwohner eine zentrale Identifikationsnummer haben, die in allen Registern verwendet wird. Elhamalsadat Kharazmi vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Mitarbeiter konnten deshalb untersuchen, ob Kinder von Krebspatienten häufiger als andere selber an Krebs erkranken. Für früh auftretende Tumoren war diese Häufung bekannt.

Die von Kharazmi vorgelegten Zahlen bestätigen es: Wenn Vater oder Mutter vor dem 40. Lebensjahr an Krebs Darmkrebs erkrankt waren, haben Sohn oder Tochter ein 9,9-fach erhöhtes Risiko vor dem 60. Lebensjahr zu erkranken: Für Brustkrebs (5,3-fach), Melanom (5,8-fach) und Non-Hodgkin-Lymphom (2,0) gibt es ebenfalls eine starke familiäre Häufung. Sie dürfte zumindest bei Darm- und Brustkrebs Folge der bekannten „Vererbung“ dieser Tumoren sein. Eine familiäre Häufung schließt allerdings nicht aus, dass gemeinsame Risikofaktoren in der Familie wie Rauchen oder Ernährungs­fehler die Ursache sind. Die Studie kann hier nicht zwischen Natur und Umwelt unterscheiden.

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Mit zunehmendem Erkrankungsalter der Eltern sinkt in der Regel das familiäre Krebs­risiko für die Kinder, es war in der Analyse aber auch noch bei Krebserkrankungen der Eltern im Alter von 80 bis 89 Jahren nachweisbar. Kharazmi ermittelt hier eine Hazard Ratio von 2,3 für das Maligne Melanom, von 2,0 für Spinaliome, von 1,9 für das Prostata­karzinom, von 1,7 für das Non-Hodgkin-Lymphom, von 1,9 für das Blasenkarzinom, von 1,8 für Lungenkrebs, von 1,6 für Brustkrebs und von 1,6 für Darmkrebs. Bei einigen Tumoren hatten die Kinder auch dann noch ein erhöhtes Risiko, wenn die Eltern erst nach dem 90. Lebensjahr erkranken.

Da die untersuchten Krebserkrankungen häufig auftreten, sind die Hazard Ratios durchaus bedeutend für die Kinder: In Schweden erkranken 3,4 Prozent der Bevölkerung bis zum 75. Lebensjahr an Darmkrebs. Bei einer Hazard Ratio von 1,9 bedeutet dies für Tochter oder Sohn ein Lebenszeitrisiko von 6,4 Prozent. Bei einer familiären Vorbe­lastung auf Lungenkrebs beträgt es 5,0 Prozent, beim Brustkrebs 8,8 Prozent und beim Prostatakrebs sogar 30,1 Prozent.

Eine familiäre Prädisposition auf Krebserkrankungen lässt sich zwar nicht ablegen. Viele Krebserkrankungen lassen sich allerdings durch Beachtung von Risikofaktoren (z. B. Rauchen beim Lungenkrebs) vermeiden, bei anderen wie Darm- oder Brustkrebs gibt es ein effektives Screening, das Personen mit erhöhtem familiären Risiko in Anspruch nehmen können. © rme/aerzteblatt.de

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