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Medizin

Drachenblut zähmt Diarrhö bei HIV-Patienten

Mittwoch, 2. Januar 2013

Rockville – Ein pflanzliches Arzneimittel, das aus dem roten Harz des südamerikanischen „Drachenbaums“ gewonnen wird, ist die erste evidenzbasierte Therapie der HIV-asso­ziierten Diarrhö, die eine lästige Nebenwirkung der antiretroviralen Therapie ist, und manche HIV-Patienten zur unzuverlässigen Einnahme der Medikamente veranlasst. Das Medikament wurde jetzt in den USA zugelassen. Die Einführung in Europa wird für dieses Jahr erwartet.

Zwischen 10 und 15 Prozent aller HIV-Infizierten leiden unter einer wässrigen Diarrhö, die die Lebensqualität der Patienten deutlich herabsetzen kann. In der Betreuung von HIV-Patienten ist sie ein häufiger Grund für einen Wechsel der Medikation. Sie kann die therapeutischen Möglichkeiten einschränken und im Fall einer Non-Adhärenz den Therapieerfolg gefährden. Bislang gab es kein anerkannt wirksames Medikament gegen die HIV-assoziierte Diarrhö, heißt es in der Pressemitteilung der FDA anlässliche der Zulassung von Fulyzaq®, dem ersten Medikament für die Indikation einer nicht-infektiösen HIV-assoziierten Diarrhö.

Fulyzaq ist gleichzeitig erst das zweite pflanzliche Arzneimittel, das die US-Arzneibehörde überhaupt zugelassen hat. Das erste war Veregen®, ein Extrakt aus grünem Tee, der zur Behandlung von Feigwarzen im Anogenitalbereich eingesetzt wird. Wie Veregen enthält Fulyzaq keinen einzelnen Wirkstoff: Crofelemer ist vielmehr eine komplexe Mischung verschiedener Proanthocyanidin-Oligomere, die aus dem Harz der südamerikanischen Pflanze Croton lechleri, einem Wolfsmilchsgewächs, gewonnen wird. Wegen der roten Farbe des Harzes wird die Pflanze unter Einheimischen als Sangre de Grado oder Sangre de Drago bezeichnet, was übersetzt Drachenblut bedeutet.

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Um Crofelemer als Arzneimittel vertreiben zu können, musste der Hersteller Salix Pharmaceuticals aus Raleigh in North Carolina, „rigorose Kontrollen“ (FDA) beim Anbau und der Latexgewinnung akzeptieren. Er wurde außerdem verpflichtet, die Zusammensetzung von Crofelemer regelmäßigen analytischen Prüfungen zu unterziehen. Voraussetzung für eine Zulassung war eine klinische Studie, an der 374 HIV-positive Patienten unter stabiler antiretroviraler Therapie teilnahmen.

Alle litten seit einem Monat oder länger an einer HIV-assoziierten Diarrhö, die nicht durch eine Infektion verursacht sein durfte. Darminfektionen waren vor Einführung wirksamer antiretroviraler Medikamente eine häufige Ursache von Diarrhöen bei Aids-Patienten. Die Patienten wurden in der Studie auf eine Therapie mit Crofelemer oder Placebo randomisiert. Dabei erzielten unter Crofelemer 17,6 Prozent der Patienten gegenüber 8 Prozent unter Placebo eine Remission, definiert als zwei oder weniger wässrige Durchfälle in der Woche. Bei einigen Patienten hielt die Wirkung über 20 Wochen an.

Sie beruht auf der Blockade von zwei Chloridkanälen (Cystic Fibrosis Transmembrane conductance Regulator oder CFTR und calciumaktivierter Chloridkanal, CaCC) auf der Mukosaschleimhaut. Über sie wird bei der Diarrhö vermehrt Flüssigkeit in das Darmlumen sezerniert.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Crofelemer waren obere Atemwegsinfektionen, Bronchitis und Husten. Das Phytomittel blockiert einen Chloridkanal, dessen Defekt Ursache der zystischen Fibrose ist. Weiterhin sind eine vermehrte Flatulenz und ein Anstieg von Bilirubin in den Studien aufgefallen. Dem Vernehmen nach will der Hersteller noch in diesem Jahr für Europa eine Zulassung beantragen. © rme/aerzteblatt.de

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