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Medizin

Panikstörung: Wie die kognitive Verhaltenstherapie im Gehirn wirkt

Freitag, 4. Januar 2013

Marburg – Die kognitive Verhaltenstherapie erzielt in der Behandlung von Panikattacken häufig gute Ergebnisse. Eine Studie in Biological Psychiatry (2013; 73: 93-101) zeigt, was sich während der Therapie im Gehirns verändert.

Bei Panikattacken kommt es zu einer vermehrten Aktivierung in zwei Hirnbereichen. Der erste ist der linke Gyrus frontalis inferior im Frontallappen. Hier sind die „höheren“ Funktionen wie Aufmerksamkeit, Vernunft und Verstand beheimatet. Der zweite Bereich ist das „Furcht-Netzwerk“. Es besteht aus Amygdala, anteriorem cingulären Cortex und Insula. Hier werden emotionale Ereignisse aufgearbeitet und bewertet.

Bei der Pathogenese der Panikstörung gibt es zwei konkurrierende Vorstellungen: Für die eine steht die leichtere Erregbarkeit im Furcht-Netzwerk im Vordergrund, das auf normale Reize überreagiert. Die andere Hypothese vermutet kognitive Prozesse als Ursache der Angststörung. Danach sind negative Gedanken oder Ruminationen für die Panikattacken verantwortlich.

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Nach den Ergebnissen der Gruppe um Tilo Kircher von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Marburg dürfte die zweite Hypothese zutreffen: Der Auslöser der Panikattacke befindet sich im kognitiven Zentrum. Hier kam es nämlich nach einer erfolgreichen Psychotherapie zu einem Rückgang der Aktivierung. Sie wurde mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) gemessen, während die Probanden – 42 Patienten mit Panikstörungen und eine gleiche Anzahl Gesunder – einem künstlichen Angstreiz ausgesetzt wurden.

Wäre die Panikstörung primär auf eine Überaktivität im Furcht-Netzwerk zurückzuführen, hätte der Angstreiz in der fMRT im Gyrus frontalis inferior eine höhere Aktivität auslösen müssen. Denn dann hätte der Erfolg der kognitiven Verhaltenstherapie darin bestanden, das kognitive Zentrum zu stärken, damit es das „Furcht-Netzwerk“ in den Griff bekommt. Das war allerdings nicht der Fall.

Auch die Untersuchungen zur „Konnektivität“ bestätigen dies. Sie ist ein Maß für den Informationsaustausch zwischen den Zentren. Die Konnektivität zwischen Gyrus frontalis inferior und Furcht-Netzwerk war vor Beginn der Therapie stärker ausgeprägt als bei den Kontrollen.

Es gab hier auch einen Zusammenhang zur Symptomstärke. Nach der Therapie hätte es nach der Theorie zu einer abgeschwächten Konnektivität kommen sollen. Dies konnten die Forscher allerdings (noch) nicht nachweisen. Möglicherweise seien die Änderung zu gering oder sie würden erst zu einem späteren Zeitpunkt auftreten, vermuten sie.

Die Studie, an der sieben weitere Zentren in Deutschland beteiligt waren, ist laut Kircher die weltweit größte Studie, die den Effekt einer Psychotherapie auf das Gehirn mittels fMRT gemessen. Die Psychotherapeuten hoffen, dass die Erkenntnisse ihnen helfen kann, die Therapieverfahren weiter zu optimieren, um Patienten mit Panikstörung und deren Folgen noch effizienter behandeln zu können. © rme/aerzteblatt.de

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