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Politik

„Meine Philosophie ist Transparenz“

Sonntag, 6. Januar 2013

Köln – Der Ruf der Transplantationsmedizin in Deutschland hat gelitten, unter anderem wegen systematischer Regelverstöße an einigen Transplantationszentren, die jüngsten sind am Neujahrstag aus Leipzig bekannt geworden. Auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die die postmortale Organspende koordiniert, steht seit einiger Zeit in der Kritik: zu wenig Transparenz und Kontrolle beim Umgang mit den Geldern der Krankenversicherten, aus denen sie sich finanziert, ist ein Vorwurf, fehlende Strategien gegen den Mangel an postmortalen Organen, unkooperativer Führungsstil, der in den einzelnen DSO-Regionen demotivierend wirke.

Für den Ende Januar ausscheidenden Medizinischen Vorstand gibt es noch keinen Nachfolger. Der Jurist und langjährige unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Rainer Hess, hat zum 1. Januar das Amt des Interimsvorstands bei der DSO für eine Jahr übernommen. Er soll innerhalb dieser Zeit die DSO umstruk­turieren und ihr einen stärker öffentlich-rechtlichen Charakter geben. Das Deutsche Ärzteblatt hat mit Hess über Aufgaben und Ziele gesprochen.

5 Fragen an Rainer Hess, Interimsvorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation

: Herr Hess, die DSO ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Von der Politik wird gefordert, dass der Staat mehr Einfluss bekommen soll. Verträgt sich diese Forderung noch mit dem Stiftungsgedanken?
Hess: Eine meiner wesentlichen Aufgaben ist, Vorschläge für eine Änderung der Satzung zu erarbeiten mit dem Ziel, dass Vertreter von Bund und Ländern Stimmrecht im Stiftungsrat der DSO erhalten. Bislang waren ein Vertreter des Bundes und zwei Vertreter der Länder ständige Gäste im Stiftungsrat. Nun sollen sie ordentliche Mitglieder werden.

DÄ: Das Prinzip der Selbstverwaltung der DSO in Form einer Stiftung soll also erhalten bleiben, aber mit mehr Staat. Gibt es für eine solche Konstruktion ein Vorbild?
Hess: Das gibt es meines Wissens nicht.  Aber ich stehe hinter dem Gedanken der Selbstverwaltung. Ich glaube, dass er nach einer Phase der Umstrukturierung auch für die DSO erhalten bleiben sollte und produktiv sein wird. Wie die Gewichte und Mitspracherechte von Bund und Ländern im Stiftungsrat genau verteilt werden sollen, beim Stimmrecht zum Beispiel, dies ist eine der Fragen, die wir gemeinsam mit dem Stifter, dem Kuratorium für Heimdialyse, und der Stiftungsaufsicht, erarbeiten.

Mein Ziel ist, die DSO so umzustrukturieren, dass sie mit ihrem Auftrag, die postmortale Organspende zu koordinieren und zu realisieren, gut in der Bevölkerung verankert ist und das Vertrauen aller am System Beteiligten genießt. An diesem Ziel werde ich gemeinsam mit dem neu gewählten kaufmännischen Vorstand, dem Medizinökonomen Thomas Biet, zusammenarbeiten. Ohne Organspende gibt es keine Organtrans­plantation. Und auf diesen lebensrettenden Eingriff warten in Deutschland Tausende von Patienten.

DÄ: Mehr Transparenz, wie sie jetzt gefordert wird, deckt auch negative Entwicklungen und Fehlverhalten auf. Die Befürchtung ist, dass ein Bekanntwerden der Organspende entgegenwirkt.
Hess: Meine Philosophie ist Transparenz, und die habe ich auch in meiner Zeit als Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses immer vertreten. Geheimhaltung ist der falsche Weg. Es geht darum,  Fehlentwicklungen entgegenwirken, sie aber auch zu benennen, wenn es sie gibt, und eine entsprechende Transparenz auch in der Außendarstellung deutlich zu machen.

DÄ: Mit der flächendeckenden Einführung von Transplantationsbeauftragten könnte die Arbeit in den DSO-Regionen vor Ort gestärkt werden. Möchten sie die Entscheidungs­spielräume der regionalen Einheiten innerhalb der DSO erweitern?
Hess: Ich bin erst wenige Tage im Amt und kann Ihnen dazu noch kein ausgearbeitetes Konzept präsentieren. Aber selbstverständlich wird es Teil meiner Aufgabe sein, gemeinsam mit allen Beteiligten auch zu dieser Frage ein Konzept zu entwickeln.

DÄ: Was wünschen Sie sich für das Jahr Ihrer Amtszeit?
Hess: Mein Wunsch ist, dass die DSO einen Medizinischen Vorstand erhält, der das Vertrauen aller Beteiligten genießt in guter Kooperation und dass die DSO mit neuen Strukturen als selbstverwaltetes Organ erhalten bleiben kann. © nsi/aerzteblatt.de

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