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Politik

Tiefstand bei Organspenden

Montag, 7. Januar 2013

dapd

Frankfurt/Berlin – Die Organspendeskandale in Göttingen, Regensburg, München und Leipzig haben offenbar konkrete Auswirkungen auf das Spendeverhalten der Bundes­bürger. Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Montag in Frankfurt mitteilte, sank die Zahl der Spenden im vergangenen Jahr dramatisch um 12,8 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 2002. Unterdessen geht die Debatte über mögliche Konsequenzen weiter, nachdem in der vergangenen Woche Unregelmäßig­keiten bei Transplantationen im Uniklinikum Leipzig bekannt geworden waren.

Laut DSO spendeten im Jahr 2012 lediglich 1.046 Menschen nach ihrem Tod 3.508 Organe. Im Jahr zuvor waren es noch 1.200 Spender und 3.917 Organe gewesen, die für lebensrettende Transplantationen bereitgestellt werden konnten. Die Stiftung sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung. Mit einem bundesweiten Durchschnitt von 12,8 Spendern pro eine Million Einwohner sei ein dramatischer Tiefstand erreicht; Deutschland lag schon in den vergangenen Jahren im europäischen Vergleich im hinteren Tabellendrittel.

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Der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste, forderte schnelle Maßnahmen, um das Vertrauen in die wieder herzustellen. „Ohne Zweifel sind die Manipulationsvorfälle in den Transplantationszentren durch nichts zu entschuldigen“, sagte er.

Bundesweit gibt es etwa 1.400 Krankenhäuser mit Intensivstation, in denen eine Organ­spende möglich ist. Die Übertragung der Organe erfolgt in den bundesweit etwa 50 Transplantationszentren. Laut Umfragen stehen rund 75 Prozent der Bundesbürger der Organspende positiv gegenüber. Angesichts der aktuellen Skandale scheint dieser Wert jedoch zu sinken.

Hinzu kommt, dass nur etwa 20 Prozent ihre Entscheidung nach eigenen Angaben in einem Organspendeausweis festgehalten haben. In den Krankenhäusern entscheiden in neun von zehn Fällen die Angehörigen über eine Organspende, weil der Verstorbene seine Entscheidung nicht mitgeteilt oder dokumentiert hat.

Derzeit werden laut DSO jeden Tag durchschnittlich 11 Organe übertragen; gleichzeitig sterben drei Menschen pro Tag, die auf der Warteliste für ein Organ stehen. Dort finden sich derzeit rund 12.000 potenzielle Organempfänger. © kna/aerzteblatt.de

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