NewsMedizinRetinitis pigmentosa: Blinde Mäuse sehen nach Stammzell­transplantation
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Retinitis pigmentosa: Blinde Mäuse sehen nach Stammzell­transplantation

Montag, 7. Januar 2013

Oxford – Die Transplantation von embryonalen Vorläufern der Sinneszellen hat in einem Mäusemodell der Retinitis pigmentosa zu einer Regeneration der Netzhaut geführt. Nach dem Bericht in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2013; doi: 10.1073/pnas.1119416110) gibt es Hinweise, dass die Tiere wieder optische Signale wahrnehmen können.

Robert MacLaren vom Nuffield Laboratory of Ophthalmology an der Universität Oxford vergleicht die Behandlung mit dem Auswechseln eines Films in einer analogen Fotokamera. Ganz so einfach dürfte die augenärztliche Operation dann doch nicht gewesen sein, bei der die Forscher mit einer feinen Nadel durch die Sklera hindurch stachen, und eine Zellsuspension unter mikroskopischer Kontrolle in den subretinalen Raum injizierten.

Anzeige

Die Suspension enthielt etwa 500.000 embryonale Vorläuferzellen von Zapfen – den Sinneszellen für die Farbwahrnehmung. Die Spenderzellen hatten die Forscher zuvor aus der Retina von gesunden neugeborenen Mäusen gewonnen. Die Empfänger waren 10 bis 12 Wochen alte Mäuse. Sie litten an einer Variante der Retinitis pigmentosa, die im Alter von 3 Wochen zum kompletten Absterben der Photozellen führt.

Die Transplantation war nicht immer erfolgreich. Nur bei einem Drittel der Versuche überlebten die Vorläuferzellen. Bei diesen Tieren entwickelten sich die Zellen aber zu funktionsfähigen Sinneszellen mit Zapfen, in denen der Sehpurpur das Licht auffängt und in Nervensignale umwandelt. Diese Nervenimpulse werden bei gesunden Tieren (und beim Menschen) an die erste Station von kurzen Nervenzellen weiter gegeben, deren Zellkörper noch in der Retina die innere Körnerschicht bilden.

Damit diese Signalübertragung funktioniert, müssen sich allerdings die neuen Sinnes­zellen in die Architektur der Retina integrierten. Im gesunden Auge bilden ihre Zellkörper die äußere Körnerschicht. Eine solche Schicht hat das Team um MacLaren in der Retina der transplantierten Augen beobachtet.

Die Forscher konnten bei den zuvor total erblindeten Tieren auch Zeichen einer Sehleis­tung erkennen. Der Lichtreflex der Pupille, der bei völliger Erblindung fehlt, kehrte zurück. Auch in der Sehrinde des Großhirns wurde eine vermehrte Aktivität (gemessen durch eine regionale Zunahme des Blutflusses) registriert.

Schließlich zeigten die nachtaktiven Mäuse eine vermehrte Lichtscheu in einem beleuch­teten Käfig. Damit ist zwar offen, ob die Sehleistung der Tiere über die Wahrnehmung von Lichtreizen hinausgeht, doch der prinzipieller Beweis, dass die Transplantation von Stammzellen in der Lage ist, bei Patienten mit Retina pigmentosa die Netzhaut zu regenerieren, scheint erbracht zu sein.

Vor einigen Monaten war es einem Team um Robin Ali vom University College London gelungen, Vorläuferzellen der für das Nachtsehen zuständigen Stäbchen erfolgreich zu transplantieren (Nature 2012; 485: 99–103). Zukünftige Studien müssen zeigen, ob die Behandlung auch beim Menschen gelingt, vielleicht sogar mit induzierten pluripotenten Stammzellen, die leichter verfügbar wären als embryonale Stammzellen und die die Abstoßungsproblematik bei allogenen Transplantaten umgehen würden. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. Juni 2020
Cambridge und Utrecht − Britische und niederländische Forscher haben im Labor aus Stammzellen ein Embryo-artiges Gebilde geschaffen, mit dem sie laut ihrem Bericht in Nature (2020; DOI:
Gastruloide aus Stammzellen sollen die frühe Embryogenese nachstellen
12. Juni 2020
Tokio − Japanische Mediziner haben ein Neugeborenes mit Zitrullinämie Typ 1 erfolgreich mit Hepatozyten behandelt, die zuvor aus embryonalen Stammzellen gewonnen wurden. Laut einer Mitteilung
Zitrullinämie Typ 1: Angeborener Defekt im Harnstoffzyklus erfolgreich mit Stammzellen behandelt
11. Juni 2020
Tokio − In einer Weltpremiere sind einem Neugeborenen in Japan aus embryonalen Stammzellen gezüchtete Leberzellen transplantiert worden. Das Baby litt nach seiner Geburt im Oktober unter einem
Baby mit Stoffwechselerkrankung in Japan erfolgreich mit Stammzellen behandelt
8. Juni 2020
Boston − Stammzellen, die aus einer Hautprobe gewonnen und im Labor in Dopamin-produzierende Zellen „umprogrammiert“ wurden, haben anderthalb und 2 Jahre nach der Implantation in das Gehirn
Stammzelltherapie aus körpereigenen Zellen verbessert Motorik bei Parkinson-Patienten
2. Juni 2020
Cincinnati − Der monoklonale Antikörper Emapalumab, der das Zytokin Interferon Gamma neutralisiert, hat in einer Phase-2/3-Studie im New England Journal of Medicine (2020; 382: 1811-1822) bei
Emapalumab bei Kindern mit primärer hämophagozytischer Lymphohistiozytose wirksam
24. April 2020
Tübingen/Dresden – Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) plant eine Stammzellbank, in der überschüssige Blutstammzellen von unverwandten Spendern eingefroren und gelagert werden sollen. Die
Stammzellbank für überschüssige Blutstammzellen geplant
24. April 2020
Freiburg − Der Januskinase(JAK)-1/2-Inhibitor Ruxolitinib, der zur Behandlung von Myelofibrose und Polycythaemia vera zugelassen ist, ermöglicht eine effektive Behandlung einer akuten
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER