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Medizin

Parkinson: Verlust der Impulskontrolle nicht Folge der Grunderkrankung

Dienstag, 8. Januar 2013

Philadelphia – Die unter der Therapie mit Dopamin-Agonisten berichteten, oft bizarren Folgen einer verminderten Impulskontrolle, treten beim unbehandelten Morbus Parkinson nicht auf. Dies kam in einer Fall-Kontrollstudie in Neurology (2013; 80: 176-180) heraus.

Bei einigen Patienten mit Morbus Parkinson kommt es unter der Therapie zu einer eigenartigen Wesensveränderung, die Angehörige verschreckt und die Patienten in wirtschaftliche Not stürzen kann. Einige Patienten neigen plötzlich zum pathologischen Spielen und verlieren dabei häufig hohe Geldbeträge.

Andere werden kauf- oder esssüchtig. Einige entfremden sich durch neue und ungewöhnliche sexuelle Neigungen von ihren langjährigen Lebenspartnern. Auch ein „Hobbyismus“, etwa das zwanghafte Sammeln von Gegenständen, wird bei Parkinsonpatienten oft beobachtet. Häufig kommt es auch zu ziellosen Stereotypen, die die Patienten bis in die Nachtstunden beschäftigen und als „Punding“ bezeichnet werden.

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Der gemeinsame Nenner aller Handlungen ist ein Verlust der Impulskontrolle, den Psychiater mit der stimulierenden Wirkung der Medikamente auf das Belohnungssystem des Gehirns zurückführen, in dem Dopamin der zentrale Neurotransmitter ist. Es wundert deshalb nicht, dass die Nebenwirkungen vor allem unter der Behandlung von Dopaminagonisten auftreten, die eine gezielte und gegenüber L-DOPA verstärkte Wirkung auf dieses Neurotransmittersystem haben. Die bisherigen Untersuchungen konnten jedoch nicht ausschließen, dass die zwanghaften Handlungen Folge der Grunderkrankung sind.

Daniel Weintraub von der Perelman School of Medicine in Philadelphia hat deshalb 168 Patienten mit neu diagnostizierter Erkrankung untersucht, die bisher noch keine Medikament erhalten hatten. Zum Einsatz kam der „Questionnaire for Impulsive-Compulsive Disorders in Parkinson's Disease“ (QUIP), der speziell für die Erkrankung entwickelt wurde und Patienten sowie Informanten nach auffälligen Aktivitäten in den Bereichen Spielen, Sex, Kaufen oder Essen befragt.

Die Angaben der neu unbehandelten Patienten wurden mit denen von 143 gesunden Kontrollen verglichen. Weintraub kommt in der Studie zu dem Ergebnis, dass die Parkinson-Patienten zu Beginn der Erkrankung noch nicht unter einem Verlust der Impulskontrolle leiden.

Die Studie ergab aber auch, dass etwa 20 Prozent aller Teilnehmer, Parkinson-Patienten wie Gesunde, eine gewisse Anfälligkeit für eine verminderte Impulskontrolle haben. Unklar ist noch, ob diese Patienten unter der Therapie stärker als andere gefährdet sind, die genannten Psychopathologien zu entwickeln. © rme/aerzteblatt.de

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