NewsPolitikDie Grünen kritisieren Blockade bei der Umsetzung des AMNOG
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Die Grünen kritisieren Blockade bei der Umsetzung des AMNOG

Mittwoch, 9. Januar 2013

dpa

Berlin – Von elf Erstattungsbeträgen für innovative Arzneimittel, die 2012 ausgehandelt worden sind, ist bisher noch keiner an die Datenbank der Informationsstelle für Arznei­spezialitäten (IFA) gemeldet worden. Dies hat heute Birgitt Bender (Die Grünen) kritisiert: „Aus taktischen Gründen verweigerten die Arzneimittelhersteller bislang die Weitergabe der ausgehandelten Erstattungspreise für neue patentgeschützte Arznei­mittel.“

In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Druck­sache 17/11917) verweist die Regierung darauf, dass bisher aus technischen Gründen die Erstattungsbeträge nicht in das IFA aufgenommen werden konnten. Nach Angaben von Pharmaherstellern, Apothekengroßhändlern und Apothekern sollen diese jedoch bald ausgeräumt sein und ab dem 1. Februar eine entsprechende Abrechnung erfolgen.

Anzeige

Hintergrund: Seit Inkrafttreten des Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetzes (AMNOG) müssen Pharmahersteller den Preis, den die Kassen für ein innovatives Arzneimittel mit einem durch den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss festgestellten Zusatznutzen bezahlen, mit dem GKV-Spitzenverband verhandeln. Doch erst wenn der Preis im Großhandels­system gelistet ist, zahlen die Kassen tatsächlich den ausgehandelten Preis.

Bis dahin kosten die Medikamente weiterhin den von den Pharmaherstellern selbst festgelegten, höheren Listenpreis. Auch wenn den Kassen die ausgehandelten Rabatte später von den Herstellern ausgeglichen werden: Großhändler und Apotheker rechnen solange mit dem für sie günstigeren Listenpreis, nach dem beispielsweise auch die Zuzahlungen der Versicherten berechnet werden.

Preis bleibt geheim
Für die Hersteller hat dies den Vorteil, dass die verhandelten Erstattungsbeträge zunächst geheim bleiben. Da Deutschland Leitmarkt für Arzneimittelpreise ist, drücken geringe Erstattungsbeträge auch die Preise in anderen Ländern. „Durch die Blockade­haltung zahlen Krankenkassen ungerechtfertigt hohe Arzneimittelpreise und die Patienten überhöhte Zuzahlungen“, stellt Bender fest. In der Antwort auf die Kleine Anfrage bleibe jedoch offen, wie beispielsweise Versicherte zu viel gezahlte Zuzahlungen zurückerstattet bekommen könnten.

Die Verbände der Pharmahersteller, Großhändler und Apotheker weisen in einer gemeinsamen Stellungnahme die Vorwürfe zurück, sie würden das AMNOG blockieren. Es gebe bisher einen Rahmenvertrag mit dem GKV-Spitzenverband, der regelt, dass für die Berechnung der Zuschläge des Großhandels und der Apotheken weiterhin der Listenpreis gelte und verhandelte Rabatte von den Herstellern bei den Kassen ausge­glichen würden. Inzwischen seien alle technischen und administrativen Hürden überwunden und ab dem 1. Februar könne die Abrechnung über IFA starten. © mei/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. Juni 2020
Foster City/Kalifornien – Der Hersteller Gilead hat den Preis für Remdesivir bekannt gegeben. Das erste Virustatikum, für das in klinischen Studien eine – wenn auch begrenzte – Wirksamkeit gezeigt
Hersteller nennt Preise für Remdesivir in den USA
17. Februar 2020
Berlin – Mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) haben heute weitere Ärzte auf das Vorgehen von Avexis (Novartis) im Rahmen eines globalen
Weitere Mediziner kritisieren Verlosung von lebensrettendem Medikament
12. Februar 2020
Berlin – Neuartige Arzneimitteltherapien mit Kosten von rund zwei Millionen Euro wie im Fall der Gentherapie Zolgensma beeinträchtigen zunehmend die Balance zwischen den Interessen der
Hochpreisige Arzneimittel befeuern Diskussion um Kosten-Nutzen-Bewertung
6. Februar 2020
Freiburg – In der Diskussion um das 1,9 Millionen Euro teure Gentherapeutikum Zolgensma sieht der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio die Politik am Zug. Es gelte, neue rechtliche Rahmenbedingung
Medizinethiker ruft Politik auf, Medikamentenpreise zu deckeln
27. Januar 2020
Berlin – Das im Koalitionsvertrag von Union und SPD angestrebte Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel wird nicht kommen. Das hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) heute in
Spahn hält am Versand verschreibungspflichtiger Arzneimittel fest
10. Januar 2020
Berlin – In der Debatte um Lieferengpässe bei Medikamenten macht sich der Apothekerverband ABDA erneut für eine verstärkte Arzneimittelproduktion in Europa stark. „Auf längere Sicht sollten
Apotheker für Produktion von Arzneimitteln in der EU
19. Dezember 2019
Frankfurt – Für das Zwei-Millionen-Euro teure Gentherapeutikum Zolgensma will Novartis/Avexis ein globales Härtefallprogramm anbieten, das alle Länder weltweit umfasst, in denen Onasemnogene
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER