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Medizin

Hörverlust: Haarzellen im Innenohr ersetzbar

Donnerstag, 10. Januar 2013

Haarzellen im Innenohr /picture-alliance

Boston – Haarzellen der Cochlea, deren Verlust für die Innenohrschwerhörigkeit verantwortlich ist, können bei Säugetieren (anders als bei Vögeln) nicht nachwachsen. US-Forschern ist es aber bei Mäusen gelungen, Stammzellen des Innenohrs mit einem Wirkstoff in Haarzellen zu verwandeln, was nach ihrem Bericht in Neuron (2012; 10.1016/j.neuron.2012.10.032) den zuvor taub gewordenen Tieren ein begrenztes Hörvermögen ermöglichte.

Die Haarsinneszellen in der Cochlea des menschlichen Innenohres sind hochspezia­lisierte, aber fragile Mechanorezeptoren, die durch Lärmexposition, Alter, Infektionen oder auch durch bestimmte Antibiotika oder Zytostatika zerstört werden können. „Nachwachsen“ können diese Zellen nicht. In der Nachbarschaft gibt es aber Stützzellen, die sich einige Stammzelleigenschaften bewahrt haben.

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Das Team um Albert Edge vom Massachusetts Eye and Ear Infirmary in Boston hat zunächst in vitro untersucht, ob die Stützzellen chemisch zur Transdifferenzierung angeregt werden können. Dies gelang schließlich mit einem Wirkstoff, der das Enzym Gamma-Sekretase hemmt und in den Zellen den sogenannten Notch-Signalweg hemmt.

Die Substanz wurde dann zunächst an explantierten Hörschnecken von Mäusen und schließlich in vivo an lebenden Tieren mit induzierter Innenohrtaubheit getestet, wobei der Wirkstoff in die Cochlea-Flüssigkeit instilliert wurde. Dies führte zu einer Zunahme der Haarzellen, die sich aus den Stützzellen entwickelt hatten. Dass die Haarzellen tatsächlich Hörsignale empfangen und an den Hörnerven weiterleiten, konnten die Forscher durch eine Hirnstammaudiometrie belegen.

Über die Qualität der Hörempfindung kann Edge keine Aussage machen. Er vermutet aber, dass die Tiere zumindest laute Geräusche wahrnehmen. Ob die Therapie auch beim Menschen funktionieren würde, lässt sich nicht vorhersagen. Die Forschung befindet sich hier noch am Anfang. Vor dem Beginn klinischer Studien dürften weitere tierexperimentelle Studien notwendig sein.

An einer Innenohrschwerhörigkeit sollen weltweit 250 Millionen Menschen leiden. Die therapeutischen Möglichkeiten sind begrenzt. Hörgeräte sind nur sehr bedingt in der Lage die Störung zu beheben. Sie können zwar den Schalldruck im Innenohr verstärken. Dies erzielt aber nur eine Wirkung, solange noch intakte Haarzellen im Innenohr vorhanden sind. Ein Cochlea-Implant ist zwar nicht auf intakte Haarzellen angewiesen. Da die akustische Qualität begrenzt ist, kommt es nur bei vollständiger Taubheit zum Einsatz. © rme/aerzteblatt.de

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