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Medizin

Erstaunliches zum Kochsalzhaushalt aus der Mars500-Studie

Donnerstag, 10. Januar 2013

Der Container, in dem das Team des Projekts Mars 500 105 Tage lebten /dpa

Erlangen/Nürnberg – Der Sammelurin eines Tages reicht nicht aus, um einzuschätzen, wie viel Speisesalz ein Mensch im selben Zeitraum zu sich genommen hat. Damit ist die Grundlage eines gebräuchlichen Diagnoseverfahrens erschüttert. Das berichten Wissenschaftler um Jens Titze vom Uni-Klinikum Erlangen in der Zeitschrift Cell Metabolism (doi 10.1016/j.cmet.2012.11.013).

Die russisch-europäische Mars500-Mission, eine simulierte Reise zum Nachbarplaneten in den Jahren 2009 und 2010, bot die Gelegenheit, Stoffwechseldaten von den Teilneh­mern zunächst an 105, dann an 205 aufeinanderfolgenden Tagen zu erheben. Nahrungs­aufnahme und Ausscheidungen in der geschlossenen Raumkapsel ließen sich strikt kontrollieren.

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Für jede Person war ein täglicher Vergleich der im Speiseplan vorgeschriebenen Salzdosis mit der Konzentration von Natrium im Urin möglich. Nach der gängigen Lehrmeinung hätte die im Salz enthaltene und mit dem Essen aufgenommene Natriummenge innerhalb von 24 Stunden den Körper wieder verlassen müssen – doch beide Messwerte hielten sich keineswegs die Waage. Es gab sogar recht starke Schwankungen in der täglichen Ausscheidung, obwohl die Zufuhr gleich blieb.

„Wo wir von Konstanz ausgegangen sind, produziert der Körper rhythmische Variabilität, und deren Ausmaß ist sehr, sehr überraschend“, kommentiert der Projektleiter. Am schwersten wiegt jedoch, dass der Hauptregulator im Kochsalz-Stoffwechsel, die Niere, ihre zuvor unangefochtene Position verlieren könnte. Das Blut passiert ihre reinigenden Filter und gibt die verbliebenen Stoffkonzentrationen an alle durchbluteten Körperregionen weiter. Doch offenbar vertraut der Organismus nicht allein darauf.

Haut und Muskeln speichern Natrium
Manche Gewebe haben zusätzlich eigene Methoden entwickelt, sich die bevorzugte Menge Kochsalz aktiv zu sichern. So speichern Haut und Muskeln Natrium offenbar über Monate hinweg, ganz unabhängig von der Kochsalzzufuhr und ohne Veränderung des Gewichts oder des Volumens.

Auch das Zusammenspiel von Kochsalz und bestimmten Hormonen in den Urinproben hielt für die Wissenschaftler Überraschungen bereit: Cortisol, bisher eher als Neben­darsteller betrachtet, spiegelt den Natriumgehalt direkt wider. Im umgekehrten Verhältnis dazu steht der bekannte Regulator Aldosteron, der Natriumsalze im Körper hält und Kaliumsalze aussondert.

Doch auch dies war für das Forscherteam nach eigenem Bekunden „ganz erstaunlich“: Cortisol wurde vorher als Unterstützer von Aldosteron angesehen. Der neue Befund kennzeichnet die zwei Hormone aber eindeutig als Gegenspieler. Titze spricht von einem „Cortisol-Geheimnis“, das dringend nach Aufklärung verlange.

„Was sind unsere Untersuchungen zur Abschätzung der Kochsalzaufnahme – im klinischen Alltag wie in Feldstudien – angesichts dieser neuen Informationen überhaupt wert?“ fragt Titze.

© hil/aerzteblatt.de

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