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Politik

Medizinische Fachan­gestellte: Tarifgerechtigkeit fehlt

Freitag, 11. Januar 2013

Köln – Der aktuelle Gehaltstarif für Medizinische Fachangestellte gilt bis Ende März 2013. Die Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag zwischen der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen von Medizinischen Fachangestellten und dem Verband medizinischer Fachberufe e.V. (VMF) sind noch nicht aufgenommen worden. Doch im Vorfeld macht der VMF bereits deutlich, dass man grundlegende Verbesserungen erwartet.

Ein Anfangsgehalt von unter zehn Euro pro Stunde, derzeit seien es bei den Medizinischen Fachangestellten (MFA) 9,20 Euro, sei man nicht mehr bereit zu akzeptieren, betonte Gabriele Leybold, 1. stellvertretende Präsidentin des VMF, bei einem Pressegespräch am 10. Januar in Dortmund. „Junge Männer und Frauen wollen heute einen Beruf erlernen, in dem sie nicht nur selbstständig arbeiten können, sondern der ihnen auch eine eigenständige Existenzsicherung ermöglicht.“

Fünf Fragen an Margret Urban, 2. stellvertretende Präsidentin des Verbands medizinischer Fachberufe, zuständig für das Ressort Tarifpolitik.

DÄ: Frau Urban, was schätzen Sie: Wie viele Medizinische Fachangestellte werden nach Tarif bezahlt?
Urban: Ich gehe davon aus, dass mindestens 80 Prozent der Medizi­nischen Fachangestellten nach Tarif bezahlt werden. Aber sie werden oft nicht in die richtige Tätigkeitsgruppe, nach der sie eigentlich entlohnt werden müssten, eingestuft. Es gibt sehr viele MFA, die, egal welche Aufgaben sie übernehmen oder wie lange sie bereits gearbeitet haben, nicht über die Tätigkeitsgruppe 1 hinauskommen.

DÄ: Gibt es Regionen mit extremen Abweichungen bei den MFA-Gehältern?
Urban: In den neuen Bundesländern kann man auf jeden Fall davon ausgehen, dass überwiegend unter Tarif bezahlt wird. Ausnahmen sind die großen Städte, wo aber auch maximal nur nach den Tätigkeitsgruppen 1 und 2 bezahlt wird. Das Problem der unter­tariflichen Bezahlung gibt es aber etwa auch in Nordrhein-Westfalen oder in den länd­lichen Regionen Bayerns.

DÄ: Die Fortbildung zur arztentlastenden Praxisassistentin scheint ja recht gut angenommen zu werden. Wie sind da die Perspektiven?
Urban: Wenn die Arbeitgeber ihre Personalverantwortung vernachlässigen und diese Mitarbeiter nicht leistungsgerecht bezahlen, werden diese aus dem Beruf der Medizi­nischen Fachangestellten herausgehen, weil sie anderswo bessere Arbeitsbedingungen finden. Sie gehen zum Beispiel in die Pflege – dort ist die Bezahlung einfach besser. Dieser Trend ist bereits erkennbar. Die Frauen verdienen dort ja mindestens 25 Prozent mehr, das sind zwischen 300 und 500 Euro.

DÄ: Verschiedene Hausarztverträge sehen Zuschläge für die Tätigkeit der Praxisassistentin vor. Sind die ausreichend?
Urban: Nein. Die sind auf keinen Fall ausreichend, weil dies betriebswirtschaftlich zu niedrig angesetzt ist. Und es ist auch keinesfalls so, dass die MFA stets in den Genuss des zusätzlich gezahlten Honorars kommen.
Es gibt natürlich auch Ärzte, die bezahlen ihre Mitarbeiter gut oder sehr gut und sorgen grundsätzlich für angenehme Arbeitsverhältnisse. Aber solange es diese Verbindlichkeit eines Tarifvertrags für die meisten ärztlichen Arbeitgeber nicht gibt, haben diese eben einen Spielraum bei der Bezahlung.

DÄ: Sehen sich denn die Krankenkassen in der Pflicht, etwas zu unternehmen?
Urban: Überhaupt nicht. Es gibt ja im EBM nur sehr wenige diesbezügliche Positionen, die abgerechnet werden können. Wenn man die aktuelle Entwicklung betrachtet, dann ist es die Pflege, die einen hohen Stellenwert in Gesellschaft und Politik zugewiesen bekommt. Die Medizinischen Fachangestellten fallen hier durchs Raster. Dabei sind die anderen Gesundheitsberufe ebenso wichtig wie die Pflegeberufe. Die Arbeit am Menschen, damit er gesund und erwerbsfähig bleiben kann, ist doch genauso hoch einzuschätzen wie die Arbeit am Menschen, wenn er zum Pflegefall wird. Das dürfte doch keinesfalls schlechter bezahlt werden. © TG/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #98372
Thelber
am Samstag, 12. Januar 2013, 22:02

Sollte Frau Urban hier die Wahrheit gesagt haben ....

.... dann hätte ich schon seit Jahren meine 3 MFAen um mindestens 2 Stufen zu gut bezahlt ....
LNS
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