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Medizin

Gerinnungshemmer schützt Niere vor diabetischen Schäden

Freitag, 11. Januar 2013

Magdeburg/Heidelberg – Der Gerinnungshemmer aktiviertes Protein C (aPC) schützt vor schwerwiegenden diabetischen Nierenschäden und könnte einen therapeutischen Ansatz für die Nephropathie bieten. Das berichten Wissenschaftler der Universitäts­kliniken Magdeburg und Heidelberg nach vielversprechenden Ergebnissen im Mausmodell. Die Studie ist in den Proceedings of the National Academy of Sciences USA (PNAS) erschienen (10.1073/pnas.1218667110).

Der Verlust der Nierenfunktion infolge eines Diabetes mellitus ist in Deutschland die häufigste Ursache eines Nierenversagens. Oft kann das Voranschreiten dieser Nierenerkrankung verzögert werden. Therapien, die die diabetische Nephropathie verhindern oder sogar heilen, fehlen aber bisher.

Eine wichtige Rolle bei der Ausbildung einer diabetischen Nephropathie ist oxidativer Stress (ROS), der zu großen Teilen in den Mitochondrien entsteht. ROS kann die Podozyten in der Niere nachhaltig schädigen. Aktiviertes Protein C kann diese Schäden verhindern und rückgängig machen.

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Das Team um Berend Isermann, Direktor des Instituts für Klinische Chemie am Universi­täts­klinikum Magdeburg, konnte zeigen, dass aPC epigenetisch, also über DNA-Me­thylierung und Histon-Modifikationen, das Redox-Signalprotein p66shc in Podozyten herunterreguliert. aPC verhindert somit, dass p66shc vermehrt entsteht und in die Mitochondrien wandert, um dort die schädliche ROS-Produktion zu erhöhen.

Außerdem konnten die Wissenschaftler im Mausmodell zeigen, dass die unkomplizierte längerfristige therapeutische Anwendung von aPC unabhängig von seiner gerinnungs­hemmenden Funktion diabetische Nierenschäden über epigenetische Veränderungen an p66shc rückgängig machen kann.

Die Wissenschaftler haben damit eine Erklärung gefunden, wie aPC mit seiner kurzen Halbwertszeit von rund 25 Minuten nachhaltige Veränderungen in chronischen Krankheitsmodellen bewirkt.

„Die Studie zeigt nicht nur einen neuen Mechanismus der Entstehung von Nieren­schäden bei Diabetes, sondern auch, wie man diese rückgängig machen kann“, so Isermann. Die Arbeitsgruppe plant jetzt Studien, wie diese Erkenntnisse vom Mausmodell möglicherweise medizinisch nutzbar gemacht werden können. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #13396
mfreitag
am Sonntag, 13. Januar 2013, 20:56

Spekulativ und irreführend

ist die plakative Überschrift, die lediglich auf einem Tiermodell-Versuch basiert. Der Weg bis zur (sicheren) Anwendung am Patienten ist noch weit und sollte insbesondere bei aPC auch sehr gut überdacht werden. Nicht nur wegen des exorbitanten Preises, sondern auch wegen erheblicher Sicherheitsbedenken.

In diesem Fall gibt es einen ganz spezifischen unangenehmen Beigeschmack: aPC (Drotrecogin Alpha, Handelsname Xigris) wurde bereits zur Behandlung der Sepsis vom Hersteller und diversen Experten auf den Intensivstationen dieser Welt ungerechtfertigt gepusht. Einige Jahre konnten dadurch erhebliche Umsätze erzielt werden, bis die Nachteile offensichtlich wurden und die Strategie retrospektiv aufgedeckt wurde, u.a. im New England Journal ("Surviving Sepsis — Practice Guidelines, Marketing Campaigns, and Eli Lilly").
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp068197
https://secure.muhealth.org/~ed/students/articles/nejm_355_p1640.pdf

Auch das Ärzteblatt berichtete von der Marktrücknahme:
"...Es bestanden von Anfang an Zweifel am Design der Studie (NEJM 2002; 347: 1030-1034). Zudem wurde später dem Hersteller vorgeworfen, durch ein gezieltes Marketing, das eine Verknappung des gentechnisch hergestellten Medikamente suggeriert habe, den Verkauf in unlauterer Weise zu fördern (NEJM 2006; 355: 1640-1642).
Nach und nach trafen die Ergebnisse weiterer randomisierter Studien ein, die die Ergebnisse der PROWESS-Studie nicht reproduzieren konnten. Stattdessen gab es zunehmend Berichte über schwere Blutungen beim Einsatz von Xigris, was die FDA Anfang 2009 zu einer Sicherheitsprüfung veranlasste.
Eine Cochrane-Analyse bestätigte zuletzt Anfang 2011, dass die Behandlung mit dem rekombinanten aktivierten Protein C die 28-Tages-Sterblichkeit von erwachsenen Patienten mit schwerer Sepsis nicht verringert (relatives Risiko RR 0,97), dagegen aber das Risiko von schweren Blutungen (RR 1,47) signifikant erhöht. Auch bei pädiatrischen Patienten erwies sich das Medikamente als wirkungslos."
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47819/Sepsis-Medikament_Xigris_vom_Markt_genommen.htm

Nun gibt es also eine neue, ökonomisch vielversprechende Indikation: Nephroprotektion bei Diabetikern. Die Börsenkurse haben sicher schon reagiert.
Bleibt zu fragen, wie das Ärzteblatt sich zu dieser plakativen Überschrift hinreißen lässt. Orientierte man sich dabei an der unkritischen Pressemitteilung der Uni Magdeburg ("aPC, ein wahrer Alleskönner")?

MfG, Dr. med. Michael Freitag, MPH, Weimar/Thüringen
LNS

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