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Politik

Verbraucherschützer: Unisex-Tarife machen Versicherungen oft teurer

Freitag, 11. Januar 2013

Henstedt-Ulzburg – Der Abschluss einer neuen Versicherung ist seit Einführung der geschlechtsneutralen Tarife im Dezember nach Angaben von Verbraucherschützern in vielen Fällen teurer geworden. Es habe sich die Sorge bestätigt, dass die Versicherer mit der Umstellung auf die neuen Tarife die Beiträge in vielen Fällen nur angehoben und nicht gesenkt hätten, sagte Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied des Bundes der Versicherten heute in Henstedt-Ulzburg nahe Hamburg. Die Versicherer hätten die Beiträge häufig „dem höheren Niveau angepasst“.

Hintergrund sei, dass die Versicherer „übervorsichtig“ kalkuliert hätten, sagte Rudnik. Bislang sei aber nicht davon auszugehen, dass ein Missbrauch seitens der Unternehmen vorliege. Die Finanzaufsicht BaFin würde bei einer Untersuchung „sicher keinen Missstand feststellen, dass Versicherer Beiträge zu hoch kalkuliert haben“. Auch sei „nicht zu vermuten, dass es Preisabsprachen gegeben hat“.  

Für Verbraucher gebe es auch die Hoffnung, dass die Versicherer ihre Tarife wieder senkten, sagte Rudnik: „Da wird sich sicherlich noch einiges bewegen.“  In fast allen Versicherungssparten konkurrierten bis zu 50 Anbieter miteinander, die den Wettbewerb ständig beobachteten. „Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Versicherer entdecken, dass noch Spielraum besteht.“

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Rudnik bezog sich auf eine am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung des Finanz­analyseunternehmens Morgen & Morgen. Die Studie hatte ergeben, dass beispielsweise private Kran­ken­ver­siche­rungen für 30-jährige Frauen kaum günstiger wurden, während Männer bei Neuverträgen über 100 Euro Aufschlag zahlen müssen.

Bislang gab es bei vielen Versicherungen unterschiedliche Tarife für Frauen und Männer. Bei Risikolebensversicherungen etwa mussten Männer bislang höhere Beiträge als Frauen zahlen. Seit dem 21. Dezember 2012 bieten die Versicherer in Deutschland aber nur noch geschlechtsneutrale Tarife an. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Dieser hatte entschieden, dass unterschiedliche Tarife für Männer und Frauen diskriminierend seien.

Die Versicherungsbranche erklärte, sie habe bereits vor Einführung der Unisex-Tarife darauf hingewiesen, dass Versicherer ihre Sicherheitspuffer aufstocken müssten. „Grund hierfür ist die auch aufsichtsrechtlich gebotene vorsichtige Kalkulation der Unternehmen“ von Versicherungsleistungen, erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versich­erungs­wirtschaft (GDV). Da Versicherer nicht wüssten, wie viele Männer und Frauen neue Unisex-Verträge abschlössen, hätten diese schätzen müssen. Hierzu hätten keine Erfahrungswerte vorgelegen. Deshalb habe die Branche eine „Sicherheitsmarge“ einkalkuliert. 

Die Branche kündigte an, die Sicherheitspuffer künftig gegebenenfalls an die Kunden zurückfließen lassen zu wollen. Erweise sich die Kalkulation der Unisex-Tarife „als zu vorsichtig, bekommen die Versicherten die gebildeten Sicherheitsmargen über die Überschussbeteiligung zum weit überwiegenden Teil wieder gutgeschrieben“, erklärte der GDV. © hil/aerzteblatt.de

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