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Skandalarzt arbeitete offenbar in mehreren Bundesländern schwarz

Freitag, 11. Januar 2013

Worms/Mainz – Der niederländische Neurologe, der jahrelang Patienten durch falsche Behandlungen massiv geschadet haben soll, und in verschiedenen deutschen Kliniken arbeitete, war meist nicht bei der zuständigen Lan­des­ärz­te­kam­mer gemeldet. Eine ehemalige Patientin des Klinikums Worms erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den Skandalarzt. Er soll sie zum Pflegefall gemacht haben. Am Freitag teilte auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit, Strafanzeige gestellt zu haben.

Laut der Rechtsanwältin der Patientin, Michaela Bürgle, war ihre Mandantin Ende 2010 wegen einer Kreislaufschwäche in Worms behandelt worden. Kurz vor der Entlassung habe der umstrittene Arzt der damals 78-Jährigen das Rückenmark punktiert. Dabei seien Nerven massiv beschädigt worden. Die Frau sitze seither im Rollstuhl und sei von der Hüfte abwärts gelähmt, sagte die Frankfurter Juristin. Für den folgenschweren Eingriff habe sich der Arzt nicht einmal die Zustimmung der Frau eingeholt.

Die geschädigte Seniorin reichte beim Landgericht Mainz 2011 Zivilklage gegen das Wormser Klinikum ein. Die Patientin fordere Schmerzensgeld in Höhe von 200.000 Euro, sagte ein Gerichtssprecher. Die Ärztekammer prüfe derzeit, ob es Behandlungsfehler gegeben habe. Erst wenn das Gutachten vorliege, komme es zu einer Verhandlung.

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Klinikum Worms bestreitet Behandlungsfehler
Das Klinikum Worms weist die Vorwürfe zurück. Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten seien nicht bekannt oder ersichtlich. „Die Entscheidung zur Lumbalpunktion erfolgte hier entgegen der anwaltlichen Behauptung wohlkalkuliert und keineswegs grundlos“, hieß es in einem offiziellen Schreiben. Allerdings habe keine Einverständniserklärung der Patientin zu dem Eingriff vorgelegen.

Derweil warf die Deutsche Stiftung Patientenschutz dem Klinikum und der Vermittlungs­agentur für Ärzte vor, den Werdegang des Mediziners nicht ausreichend geprüft zu haben. „Es wäre ohne großen Aufwand möglich gewesen, durch Internetrecherche oder Erkundigungen beim letzten Arbeitgeber in den Niederlanden von den Vorwürfen zu erfahren“, argumentierte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Daher habe die Stiftung Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt.

Der Mediziner war von August 2010 bis Februar 2011 in Worms angestellt. Offenbar durfte der Neurologe in den Niederlanden bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr praktizieren. Gegen ihn soll ein Gerichtsverfahren wegen Dutzender Fehldiagnosen wie Alzheimer, multipler Sklerose und Parkinson sowie Untreue laufen.

„Laut Berufsordnung ist der Arzt verpflichtet, sich zu melden“
Seine Approbation für Deutschland erhielt der Skandalarzt bei der nordrhein-west­fälischen Bezirksregierung Arnsberg. 2006 legte er der Behörde alle erforderlichen Papiere vor, wie Sprecher Christoph Söbbeler sagte. Dass damals bereits in den Niederlanden gegen den Arzt ermittelt wurde, „hat sich unserer Kenntnis entzogen“, betonte Söbbeler. „Wir hatten schlicht keinerlei Ahnung davon.“

Von 2006 bis 2009 war der Neurologe dann im Klinikum Bad Laasphe in Westfalen-Lippe tätig. Dort war er bei der Ärztekammer gemeldet. Danach verwischen seine Spuren für die Behörden. „Ich weiß, dass er in Niedersachsen praktiziert hat und dort nicht gemeldet war, also schwarzgearbeitet hat“, sagte der Sprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Volker Heiliger.

Laut der Ärztekammer in Mainz war der Mann zu keiner Zeit als praktizierender Arzt im Land gemeldet. Dabei schreibe die Berufsordnung dies jedem Mediziner vor, erläuterte eine Sprecherin. Auch in Baden-Württemberg meldete sich der Mann nicht bei der Ärztekammer, wie ein Sprecher in Stuttgart sagte. Der Neurologe war bis vergangenen Freitag am Klinikum in Heilbronn beschäftigt.

Die dortige Klinikleitung teilte in einem Schreiben mit, der Mann habe lediglich als Assistenzarzt gearbeitet und ohne Zustimmung der Chefarztes keine relevanten Entscheidungen getroffen. „Das Klinikum schließt daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus, dass Patienten in Heilbronn geschädigt wurden“, hieß es. © dapd/aerzteblatt.de

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Avatar #89767
kosmo
am Samstag, 12. Januar 2013, 00:14

Unnütze Hierarchie

"Kurz vor der Entlassung habe der umstrittene Arzt der damals 78-Jährigen das Rückenmark punktiert. Dabei seien Nerven massiv beschädigt worden."
Die berühmte und hierzulande so beliebte Hierarchie (Aufsicht von Chefarzt oder Oberarzt) hatte in dem Fall offenbar kläglich versagt...
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