NewsMedizinDiabetes: Wie Insulin am Rezeptor bindet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Diabetes: Wie Insulin am Rezeptor bindet

Freitag, 11. Januar 2013

Melbourne/Cleveland – Nach vielen vergeblichen Versuchen ist es einem internationalen Forscherteam gelungen, die Bindungsstelle von Insulin an seinem Rezeptor zu ent­schlüsseln. Die Publikation in Nature (2013; doi:10.1038/nature11781) weckt Hoffnung auf Alternativen zu den regelmäßigen Injektionen.

Das 1921 entdeckte Hormon Insulin regelt im Körper die Verteilung von Glukose und Fetten, die mit der Nahrung aufgenommen und in Leber und Fettgewebe gespeichert werden. Es bindet dabei an Rezeptoren auf der Membran der Zellen, die ohne Insulin von der Brennstoffversorgung abgeschnitten wären. Ein völliger Ausfall von Insulin beim Typ-1-Diabetes ist ohne Substitution des Hormons nicht lange mit dem Leben vereinbar. Ein Wirkungsverlust führt beim Typ 2-Diabetes zu gesundheitlichen Schäden, die das Leben verkürzen.

Seit mehr als drei Jahrzehnten versuchen Forscher herauszufinden, wie Insulin auf seinen Rezeptor wirkt. Die genaue Kenntnis der Bindungsstellen von Liganden mit ihrem Rezeptor ist für die Entwicklung von neuen Medikamenten von grundlegender Bedeu­tung. Die Pharmaforscher können dann auf dem Reißbrett (oder besser am Rechner) neue Moleküle entwerfen.

Anzeige

Beim Insulin war dies bisher nicht möglich. Die dreidimensionale Struktur des Liganden Insulin konnte zwar schon 1969 entschlüsselt werden, doch die genaue Bindungsstelle an seinem Rezeptor auf der Zellmembran blieb der Forschung verborgen – bis jetzt.

Ein internationalen Team um Michael Weiss von der Case Western Reserve University in Cleveland/Ohio und Michael Lawrence vom Walter and Eliza Hall Institute in Melbourne kann jetzt zeigen, wo genau die beiden Eiweißketten des Insulinhormons an den Anteilen des Rezeptors binden, die aus der Oberfläche der Zellmembran herausragen. Die Bin­dung hat dann beispielsweise die Öffnung von Transportermolekülen in der Membran zur Folge, über die der überlebenswichtige Brennstoff Glukose in die Zellen gelangt.

Da Insulin als Proteohormon nur parenteral verfügbar ist, müssen die Patienten das Hormon lebenslang injizieren, und um die bedarfsabhängige Produktion der Beta-Zellen zu imitieren, sind täglich mehrere Injektionen notwendig. Die Hoffnung der Diabetiker besteht deshalb in einem oral verfügbaren Kunstinsulin, das mit der Nahrung einge­nommen werden kann. Ob sich diese Erwartungen erfüllen werden, bleibt abzuwarten.

Das Problem besteht nicht nur darin, ein Molekül zu kreieren, dass über den Darm resorbiert wird. Erforderlich ist auch eine gute Bioverfügbarkeit, damit die Patienten auf die Schwankungen des Blutzuckers reagieren können und lebensbedrohliche Hypo­glykämien verhindert werden. Die Entdeckung der Insulin-Rezeptor-Interaktion schafft die Voraussetzung für die Entwicklung derartiger Medikamentes, sie liefert aber keine Garantie für ein effektives und sicheres Arzneimittel. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. Juli 2020
Köln – Auch neuere Studienergebnisse können nicht zeigen, dass eine Proteomanalyse des Urins und eine daraus resultierende Therapie für Patienten mit einer diabetische Nephropathie (DNP) einen Vorteil
IQWiG findet keinen Nutzen für Proteomanalyse bei diabetischer Nephropathie
3. Juli 2020
Berlin – Der Startschuss für eine nationale Diabetesstrategie ist gefallen. Der Bundestag hat den Antrag heute mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen aus Union und SPD beschlossen. Die übrigen
Enttäuschung über „Light“-Version der Diabetesstrategie
3. Juli 2020
Thessaloniki –Bei 21 verfügbaren Wirkstoffen mit 9 verschieden Wirkungsmechanismen fällt vielen Ärzten die Wahl des richtigen Medikaments für den individuellen Patienten mit Typ-2-Diabetes schwer.
Typ-2-Diabetes: Netzwerk-Analyse sieht Metformin-basierte Therapie weiterhin als Standard
2. Juli 2020
Palo Alto/Kalifornien – US-Forscher haben einen Hilfsstoff gefunden, der den Wirkungseintritt des schnell wirkenden Insulin lispo bei Schweinen deutlich beschleunigt hat. Möglich wurde dies laut dem
Typ-1-Diabetes: Neuer Hilfsstoff könnte die Wirkung von Insulin lispo deutlich beschleunigen
2. Juli 2020
Ulm – 29 internationale Partner aus Forschung und Industrie suchen in einem neuen Projekt der Europäischen Union (EU) nach Risikofaktoren für Übergewicht und nach Therapien für verschiedene
EU-Projekt sagt Übergewicht und Begleiterkrankungen den Kampf an
1. Juli 2020
Berlin – Zielgerichtete Ärzteausbildung, von der Krankenkasse getragene Versorgung von Adipositaspatienten auch in frühen Stadien, mehr Synergien bei Informationsanbietern – der von den
Antrag für Diabetesstrategie der Koalitionsfraktionen bleibt unverbindlich
1. Juli 2020
Heidelberg – Diabetiker haben ein vergleichbar hohes Darmkrebsrisiko wie Menschen, in deren Familien gehäuft Darmkrebs auftritt. Zudem haben Diabetiker ein höheres Risiko, bereits vor dem 50.
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER