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Medizin

Schwere Hautreaktionen unter Tetrazepam

Dienstag, 15. Januar 2013

London – Das Muskelrelaxans Tetrazepam kann offenbar schwere Hautreaktionen auslösen. Dies zeigt eine Analyse von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) durch die französische Arzneimittelbehörde ANSM, die auf ein europaweites Verbot drängt. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA will demnächst eine Empfehlung abgeben.

Tetrazepam unterscheidet sich strukturell von anderen Benzodiazepinen. Es verfügt über eine geringere sedierende Wirkung bei Erhalt der muskelrelaxierenden und anxioly­tischen Eigenschaften. Tetrazepam wurde 1967 in Frankreich eingeführt und ist nur in wenigen weiteren europäischen Ländern, darunter Deutschland und Österreich, auf dem Markt (nicht aber in Großbritannien oder den USA).

In Frankreich war Tetrazepam das einzige Benzodiazepin, das zeitlich unbegrenzt verordnet werden durfte. Es war dort das am häufigsten eingesetzte Mittel aus dieser Wirkstoffgruppe. Der Einsatz ging allerdings stark zurück, nachdem die Erstattungs­fähigkeit in Frankreich im Dezember 2011 wegen Zweifel am Nutzen eingestellt worden war.

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Der Bericht über eine ungewöhnliche Ekzemerkrankungen am Arbeitsplatz - die Expo­sition erfolgte durch das Zerkleinern von Tabletten – löste Mitte 2011 in Frankreich eine Analyse der landesweiten Pharmakovigilanz-Datenbank aus. Die Ergebnisse, die im November letzten Jahres vorlagen, zeigen, dass es nach der Einnahme von Tetrazepam immer wieder zu schweren Hautreaktionen gekommen war.

Darunter waren Fälle eines Stevens-Johnson-Syndroms (SJS), einer Toxischen epider­malen Nekrolyse (TEN), eines Erythema multiformes sowie des DRESS-Syndroms (drug rash with eosinophilia and systemic symptoms). Die Pharmakovigilanz-Datenbank doku­mentierte 11 Todesfälle. Auch den Herstellern waren zahlreiche Zwischenfälle gemeldet worden, darunter zwei tödliche Fälle eines Lyell-Syndroms.

Bei vielen Patienten konnte eine allergische Ursache nachgewiesen werden, weshalb der Nationale Pharmakovigilanz-Ausschuss der ANSM nicht an der Kausalität der UAW zweifelt. Er hat bereits im Dezember 2012 zu einem Marktrücknahme geraten. Die ANSM hat die Akten dann der EMA übergeben, die eine Empfehlung für die restlichen euro­päischen Länder abgeben soll. In Deutschland ist Tetrazepam nach Botulinumtoxin das am zweithäufigsten verordnete Muskelrelaxans. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #694093
Falkensternchen
am Montag, 5. Januar 2015, 20:54

Tetrazepam

Wer in 5Wochen 2Packungen Tetra schluckt wie Lutschbonbons, darf sich nicht wundern, wenn er Ausschlag bekommt. Beipackzettel lesen hilft und die Höchstdosis beachten auch.Ich habe Tetra seid über 30 Jahren eingenommen und nie Probleme gehabt.Und ich bin sehr genervt und sauer das man es einfach ohne Ansage und Alternativen vom Markt verschwinden lässt.Komischerweise erst als das Patent auslief und die billigeren Generiker auf den Markt erschienen. Also muss was erfunden werden, warum es schnell vom Markt muss.Man verdient nicht mehr genug daran. Tetrazepam war das beste Mittel OHNE Nebenwirkungen für mich.Nun muss ich wieder diese Muskelschmerzen ertragen oder mich mit Schmerzmittel vollpumpen.Vielen Dank auch.
Avatar #666812
Sudesude11
am Samstag, 1. Juni 2013, 14:14

Lyell Syndrom

Hallo Jolanthe,ich hoffe du hast dich von deiner Krankheit erholt.
Ich hatte das gleiche:Bandscheibe Halswirbelsaule, die Ärztin hat mir auch tetrazepam verabreicht, ich kônnte sogar zweimal am Tag eine nehmen.Eine Woche danach :Blasen am Arm und Dekoltee, hab mir am ersten Tag nichts dabei gedacht. Am 2ten wurde es Stunde zu Stunde mehr und ich ging zum Arzt und hab mir Kortison Spritzen lassen. Zwei Tage danach konnte ich nicht mehr gehen und verwies mich selber ins Krankenhaus .
Da verbrühte ich ca. 6tage und wurde danach in ein anderes Krankenhaus gebracht-branntabteilung intensiv Station . Es stellte sich raus , dass ich das Lyell Syndrom habe. Es war die Hölle aber da meine inneren Organe nicht betroffen waren habe ich es überlebt . Nach drei einhalb Wochen kam ich dann raus. Falls es dir auch wieder gut geht , melde dich einfach mal wieder.
Avatar #663275
miss_jolanthe
am Mittwoch, 6. März 2013, 15:37

Tetrazepam und ich

Guten Tag,
ich habe seit fünf Wochen einen doppelten Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule und massive Schmerzen, sowie Probleme meinen linken Arm, sowie die Hand feinmotorisch bewegen zu können. Nebst diversen anderen Medikamenten, Spritzen und Infusionen erhielt ich nunmehr auch Tetrazepam. Inzwischen habe ich den Inhalt von 2 Packungen in mich hineingeschluckt und konnte wohl feststellen, dass ich nachts ein wenig mehr Ruhe hatte. Aber ich bin und das finde ich wenig witzig, weil der Vorfall allein mir in doppeltem Sinne mehr als auf den Nerv geht, übersät mit roten Flecken, besonders im Bauch - und Dekolletébereich. Mein Arzt zeigte sich ziemlich überrascht und erkundigte sich sogleich bei einem Kollegen, seines Zeichens Internist, der ihn auf die Studie und deren Ergebnisse hinwies. Ich wüsste nun gerne, ob Sie Erfahrungen mit diesen Ausschlägen haben und was diesen hilfreich entgegenwirken könnte! Ob Sie mir vielleicht helfen können?
Ich wäre Ihnen sehr dankbar!
LNS

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