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Medizin

USA: Erster rekombinanter Grippe-Impfstoff

Donnerstag, 17. Januar 2013

Rockville – Die US-Arzneibehörde FDA hat erstmals einen Grippe-Impfstoff zugelassen, der nicht aus inaktivierten Viren besteht. Die Vakzine Flublok enthält lediglich die Virusproteine Hämagglutinin, die die Bildung der Grippe-Antikörper auslösen. Die Vakzine kann nach Angaben des Herstellers kurzfristig an veränderte Virustypen angepasst werden.

Alle bisherigen Grippe-Impfstoffe enthalten inaktivierte Viren, die aufwändig gezüchtet werden müssen. Traditionell geschieht dies in Hühnerembryonen, bei Optaflu erfolgt die Vermehrung in Zellkulturen. Auch Flublok wird in Zellkulturen hergestellt. Der Hersteller Protein Sciences Corporation aus Meriden/Connecticut benutzt dazu eine Ziellinie des Insekts Spodoptera frugiperda, die sich in der biochemischen Forschung bei der Produktion von rekombinanten Proteinen bewehrt hat.

Die Gene werden dabei mithilfe von Viren in das Erbgut der Insektenzellen integriert, die dann die Produktion übernehmen. Auf ähnliche Weise werden heute Insulin, Biologika und eine Reihe weiterer Medikamente, aber auch einige Impfstoffe hergestellt.

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Die biotechnologische Impfstoffproduktion ist relativ schnell, da zwei zeitaufwendige Schritte entfallen. Die Biochemiker von Protein Sciences müssen nicht darauf warten, dass ihnen die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) Impfstoffviren zur Verfügung stellt. Und sie müssen diese dann nicht komplett in Zellkulturen vermehren.

Flublok besteht lediglich aus den drei Hämagglutinin-Varianten, die die WHO für den Impfstoff ausgewählt hat. Sollte sich die WHO irren oder neue Pandemie-Viren auftreten, könnte Protein Sciences vermutlich sehr viel schneller als die Konkurrenz mit der Produktion eines neuen Impfstoffs beginnen.

Der Hersteller verspricht zudem einen dreifach höheren Antigen-Gehalt seiner Vakzine, die auf Adjuvantien ebenso verzichtet wie auf Antibiotika oder Konservierungsmitteln. Der Hersteller hatte bereits vor 5 Jahren die Zulassung beantragt, musste allerdings zunächst in einer größeren Studie an 2.300 Personen nachweisen, dass der Impfstoff eine Schutzwirkung erzielt. Nach Angaben der FDA beträgt die Effektivität 44,6 Prozent gegen alle zirkulierenden Viren, einschließlich der Serotypen, die nicht von der WHO ausgewählt worden waren.

Die Nebenwirkungen waren die gleichen wie bei den konventionellen Grippe-Impfstoffen. Neben dem Schmerz am Injektionsort gehören dazu Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen, wie sie auch nach der nach der Impfung mit in Hühnereiern hergestellten konventionellen Impfstoffen auftreten können.

Der Verkauf in den USA soll erst im nächsten Jahr beginnen. Angesicht der dort herrschenden stärkeren Grippe-Welle will der Hersteller jedoch noch für diese Saison 150.000 Impfdosen produzieren, was angesichts von 135 Millionen Impfungen in den USA aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. © rme/aerzteblatt.de

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