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Politik

Vernetzung und Mobilität als Treiber einer zukunftsgerichteten Medizin

Freitag, 18. Januar 2013

Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Kristin Alheit /dpa

Kiel – Rund 500 Teilnehmer diskutierten auf dem 4. Kongress „Vernetzte Gesundheit“ in Kiel, wie die Gesundheitsversorgung der Zukunft  aussehen kann. Dabei ging es nicht nur um Apps, Social Media, elektronische Patientenakten und Portale, sondern ebenso um neue Berufe, um mobile Ärzte und  Pflegekräfte und innovative Modellprojekte über Sektoren-, Berufs- und Ländergrenzen hinweg.

Das Motto „Mobile Gesundheit – Sektoren ade?!“ solle deutlich machen, in welche Richtung die Reise gehen sollte, sagte Kristin Alheit, seit  Juni 2012 Sozialministerin des Landes Schleswig-Holstein, in ihrer Eröffnungsrede. „Versorgung muss künftig anders aussehen, sie muss stärker vernetzt, kooperativ und sektorenübergreifend aufgestellt sein“, erklärte die Ministerin.

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Mobile Gesundheit sei heute schon aus der Versorgung nicht mehr wegzudenken, erst recht nicht in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein. Mehr Flexibilität umfasse dabei auch Telemedizin und Telematik, denn Telemedizin erspare lange Wege und Wartezeiten. Denkverbote bei der Erprobung neuer Versorgungsformen dürfe es dabei nicht geben, betonte Alheit.

Wie viel Mobilität ist möglich und notwendig, um eine qualitativ hochwertige Versorgung auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zu gewährleisten? Aus Sicht einiger Experten lautet eine mögliche Antwort auf diese Frage, dass sich nicht nur Patienten und Daten bewegen müssen, sondern auch die Ärzte selbst.

Im Projekt DocMobil  beispielsweise arbeiten derzeit mehrere Akteure daran, Patienten im dünn besiedelten Landkreis Dithmarschen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste künftig mit einem Diagnostik- und Therapiemobil  medizinisch zu versorgen. Angestellte Ärzte in wechselnder Besetzung könnten dabei  die Versorgung als „Driving Doctor Service“ übernehmen.

Der Vorstandssprecher der Ärztegenossenschaft Nord,  Klaus Bittmann, warb für das Konzept als ein Beispiel dafür, „wie man innovative Verbesserungen im Gesundheitswesen schaffen kann“. Das mit mobilen Geräten wie etwa Ultraschall, EKG, Haut-, HNO- oder Augenarztmodul etc. ausgestattete Fahrzeug könnte zu festen Zeiten an festen Standorten für die ländliche Bevölkerung zur Verfügung stehen ­ – für viele kleine Orte, die keinen Haus- oder Facharzt finden, eine Chance.

„Die neue Medizin passiert im Internet“, ist  der ehemalige Klinikvorstand  und Gründer des Bundesverbands Internetmedizin,  Markus Müschenich, überzeugt. Die Information habe das Skalpell als das klassische lebensrettende Instrument in der Medizin abgelöst. Den Ärzten erwachse hier eine deutliche Konkurrenz, denn 35 Prozent der Patienten informierten sich inzwischen vor ihrem Arztbesuch über das Internet, und viele verzichteten dadurch sogar darauf, den Arzt aufzusuchen.

Hinzu kommt: „Unser Gesundheitswesen ist fortschrittsfeindlich“, so Müschenich. Das werden sich die Patienten künftig nicht mehr bieten lassen: „Die Treiber im Gesundheitswesen sind die Patienten.“ Zunehmend seien es nicht Ärzte oder Akteure aus dem Gesundheitswesen, sondern kleine branchenfremde Startup-Unternehmen, die  an den Bedürfnissen der Patienten orientierte Innovationen schaffen. Ein Beleg  dafür ist die exponentielle Zunahme von Health-Apps.

© KBr/aerzteblatt.de

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