Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mali-Konflikt gefährdet Eradikation des Medinawurms

Freitag, 18. Januar 2013

Entfernung eines Medinawurms mittels Streichholz /PHIL

Atlanta – Bis vor kurzem schien es, als könnte die Dracontiasis, eine in Nordafrika und Indien vormals häufige Parasitose, nach den Pocken die zweite Erkrankung sein, die mittels medizinischer Maßnahmen ausgerottet wird. Doch der Konflikt im Norden Malis hat die Initiative des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter vorerst gestoppt.

Anzeige

Noch 1986 waren in 21 Ländern südlich der Sahara und auf dem indischen Subkontinent 23,5 Millionen Menschen mit Dracunculus medinensis infiziert. Es handelt sich um einen Rundwurm, dessen Larven in winzigen Ruderfußkrebse leben, die in stagnierenden Gewässern gedeihen. Wenn der Menschen mit unsauberem Wasser die Ruderfußkrebse aufnimmt, entwickeln sich die Larven im Darm zu erwachsenen Fadenwürmern.

Nach der Begattung wandert das Weibchen, das eine Länge von einem Meter erreicht, in das Unterhautfettgewebe und dort langsam aber zielstrebig in den Fußbereich. Ungefähr ein Jahr nach der Infektion bildet sich am Fuß ein Geschwür, aus dem das Weibchen in großer Anzahl Larven für die nächste Generation von Medinawürmern in ein Gewässer abgibt.

Zwar gibt es weder Medikamente noch einen Impfstoff gegen Dracunculus medinensis. Die Infektionskette lässt sich jedoch durch Reinigung des Trinkwassers und die Auf­klärung der Bevölkerung durchbrechen. Infizierte müssen stehende Gewässer meiden. Die Erkrankung können sie kurieren, indem sie den Wurm langsam aus dem Ulkus ziehen und auf ein Streichholzstäbchen aufwickeln.

Die vom Ex-Präsidenten Jimmy Carter initiierte, von UNICEF und WHO unterstützte und zuletzt von der Bill and Melinda Gates Foundation finanzierte Eradikationsinitiave war recht erfolgreich. Im Jahr 2012 wurden nur noch 542 Erkrankungen bekannt, darunter 521 im Südsudan. Trotz des Bürgerkriegs konnte die Initiative dort zuletzt noch 9 Millionen Wasserfilter ausgeben, die die Ruderfußkrebse vom Trinkwasser fernhalten.

Doch in den Norden Malis trauen sich die Mitarbeiter der Stiftung nicht. Wie viele Infizierte es dort gibt, ist unklar. Zuletzt wurde der Medinawurm jedoch bei mehreren Personen entdeckt, die von Mali nach Niger geflüchtet waren. Die Stiftung befürchtet deshalb, dass sich die Erkrankung im Norden Malis wieder ausbreitet.

Dies würde die Eradikationsbemühungen zurückwerfen. Sie ist auch deshalb auf politische Stabilität in den betroffenen Ländern angewiesen, da die Inkubationszeit der Erkrankung ein Jahr beträgt, so dass die Maßnahmen noch über die letzte bekannte Erkrankung hinaus fortgesetzt werden müssen.

Die Situation erinnert an die jahrelangen Versuche der Polio Eradication Initiative. Sie erlebte in den letzten Jahren ebenfalls mehrere Rückschläge, weil die Bevölkerung im Norden Nigerias die Impfung verweigerte. In Nigeria ist es auch im letzten Jahr wieder zu einem Anstieg von 66 auf 122 Erkrankungen kommen. Insgesamt ist die Zahl der Erkrankungen jedoch rückläufig. Indien ist seit 2 Jahren ohne neue Polioerkrankungen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige