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Medizin

Wie Folsäuremangel zur Spina bifida führt

Montag, 21. Januar 2013

Austin – Genfehler im Folsäure-Stoffwechsel ist für die Entstehung von Neuralrohr­defekten verantwortlich. Dies zeigen tierexperimentelle Untersuchungen in den Procee­dings of the National Academy of Sciences (2013; 110; 549-554), die damit eine biochemische Grundlage für die Folsäuresubstitution liefern.

Am Nutzen der Folsäuresubstitution besteht kein Zweifel. Umstritten ist nur, ob das Vita­min dem Mehl beigefügt werden sollte (wie in den USA oder Kanada), oder ob man die Einahme den Frauen überlässt (wie hierzulande). Fest steht, dass (nur) eine perikon­zeptionelle Substitution das Risiko von Neuralrohrdefekten wie Spina bifida oder Anenze­phalie um 70 Prozent senkt. Die genauere Pathogenese der Erkrankung war jedoch unbekannt.

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Eine zentrale Rolle spielt offenbar das Enzym MTHFD1L (für monofunktionale C1-Tetra­hydrofolat-Synthase), das am Transfer von Methyl-Gruppen von den Mitochondrien ins Zytoplasma beteiligt ist. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass MTHFD1L während der Embryogenese vermehrt entlang des Neuralrohrs gebildet wird. Es war auch aufgefallen, dass bestimmte Varianten von MTHFD1L beim Menschen das Risiko auf einen Neuralrohrdefekt steigern.

Den letzten Beweis liefern jetzt Studien, die Dean Appling von der Universität von Texas in Austin an Knockout-Mäusen durchgeführt hat. Diesen Tieren fehlt das Gen für MTHFD1L. Alle Tiere erkrankten und starben an schweren Neuralrohrdefekten. Teilweise konnte dies verhindert werden, wenn den Muttertieren vor und zu Beginn der Tragezeit hohe Dosen Folsäure ins Futter gemischt wurden.

Die Studie unterstreicht die medizinische Notwendigkeit der Folsäure-Substitution. Unklar bleibt noch, warum 30 Prozent der Neuralrohrdefekte nicht durch die Substitution verhin­dert werden können. Denkbar ist, dass genetische Merkmale einen Mangel auslösen, der auch durch eine Substitution nicht ausgeglichen werden kann. Die weitere For­schung könnte, so hofft Appling, zur Entwicklung eines Gentests führen, um betroffene Frauen rechtzeitig zu erkennen.

© rme/aerzteblatt.de

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