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Medizin

Schwerhörigkeit könnte kognitive Leistungen im Alter mindern

Dienstag, 22. Januar 2013

dpa

Baltimore – Ein Hörverlust im Alter geht häufig mit einem Rückgang der kognitiven Leistungen einher. Dies zeigt eine prospektive Beobachtungsstudie in JAMA Internal Medicine (2013; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.1868) – freilich ohne klären zu können, was Ursache und was Wirkung ist.

Etwa zwei Drittel aller über 70-Jährigen leidet unter Hörstörungen, die zunehmend die Kommunikation und Teilnahme am Familien- und Gesellschaftsleben erschweren. Senio­ren geraten in eine soziale Isolation, die ihnen wichtige „kognitive Impulse“ entzieht. Um mögliche Auswirkungen zu untersuchen, hat Frank Lin vom Johns Hopkins Center on Aging and Health in Baltimore die Ergebnisse der Health ABC-Study (für Aging, and Body Composition) ausgewertet.

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Diese Studie verfolgt eigentlich ein anderes Ziel – den Vergleich von Alterungs­vor­gängen bei afroamerikanischen und weißen US-Amerikanern. Die Teilnehmer nahmen jedoch an einem Hörtest teil und sie werden regelmäßig auf kognitive Störungen hin untersucht. Dabei stieß Lin auf eine enge Verbindung zwischen den beiden Phäno­menen.

Die Studie umfasst 1.984 Senioren, die zum Zeitpunkt der Hörprüfung noch keine kogni­tiven Einschränkungen hatten (80 oder mehr Punkte im modifizierten Mini-Mental State Examination, 3MS). Bei 1.162 Senioren wurde im Tonaudiogramm eine Schwer­hörigkeit diagnostiziert mit einem Anstieg der Hörschwelle im Tonaudiogramm auf 25 dB oder höher.

Diese Senioren schnitten bei späteren kognitiven Tests signifikant schlechter ab als die hörgesunden Senioren. Nach sechs Jahren waren ihre Ergebnisse im 3MS (misst die Globalfunktion) um 41 Prozent schlechter als bei den Hörgesunden. Im Digit-Symbol-Substitution-Test (misst die exekutiven Funktionen) waren die Leistungen um 32 Prozent schwächer.

Eine klinisch relevante kognitive Einschränkung trat bei den Schwerhörigen zu 24 Prozent häufiger auf. Laut Lin verloren die Schwerhörigen im Durchschnitt nach 7,7 Jahren 5 Punkte im 3MS-Test. Bei den hörgesunden Senioren war dies erst nach 10,9 Jahren der Fall.

Interpretation der Ergebnisse schwierig
Die Interpretation der Ergebnisse ist nicht einfach. Wäre die Schwerhörigkeit tatsächlich die Ursache für einen rascheren kognitiven Abbau, dann sollte die Versorgung mit Hörgeräten ihn verhindern. Lin kann tatsächlich zeigen, dass die Träger von Hörgeräten etwas bessere Ergebnisse in den Tests erzielten. Der Unterschied war aber nicht signifikant.

Er würde in einer Beobachtungsstudie einen Kausalzusammenhang auch nicht bewei­sen. Es wäre vorstellbar, dass Senioren mit besseren kognitiven Leistungen eher an Hörgeräten interessiert sind als Senioren mit beginnender Demenz (reverse Kausa­lität). Nicht ganz auszuschließen ist ferner, dass eine Hirnerkrankung gleichzeitig zu Demenz und Schwerhörigkeit führt (auch wenn die Reintonaudiometrie primär die Leistung des Innenohrs prüft, also relativ unabhängig von der Hirnleistung ist).

Schließlich könnte es noch eine ganz banale Erklärung geben: Die schwerhörigen Teilnehmer könnten allein deshalb schlechter in den Tests abgeschnitten haben, weil sie die Untersucher akustisch nicht verstanden haben.

© rme/aerzteblatt.de

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