NewsMedizinDarmbakterien erklären „Dreimonatskoliken“ bei Säuglingen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Darmbakterien erklären „Dreimonatskoliken“ bei Säuglingen

Dienstag, 22. Januar 2013

dpa

Nijmegen – Die in den ersten Lebensmonaten häufigen Schreistörungen, auch Dreimonatskoliken genannt, könnten ihre Ursache in der Entwicklung der Darmflora haben. Darauf deuten Untersuchungen von Mikrobiologen in Pediatrics (2013; doi: 10.1542/peds.2012-1449) hin.

Mütter führen das exzessive Schreien, zu dem eines von sechs Säuglingen in den ersten Lebensmonaten neigt, instinktiv auf Blähungen im Darm zurück und sprechen von sogenannten Dreimonatskoliken. Viele Kinderärzte lehnen den Begriff ab, da die Pathogenese nicht bekannt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie spricht von Regulationsstörungen, was eine psycholologische Genese impliziert, die ebenso wenig gesichert ist wie die Darmhypothese.

Anzeige

Eine Untersuchung von Carolina de Weerth von der Radboud Universität in Nijmegen und Mitarbeiter geben jetzt den Müttern Recht. Mittels mikrobiellen DNA-Tests haben die Forscher die mikrobiologische Zusammensetzung von mehr als 200 Stuhlproben untersucht. Sie stammten von 12 Säuglingen, die im Durchschnitt mehr als 3 Stunden am Tag schrien, sowie von 12 unauffälligen Säuglingen.

Schon zu Beginn der Studie gab es Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Bei den symptomatischen Kindern war die Diversität der Darmflora insgesamt geringer als bei den gesunden Kindern, und diese Unterschiede bleiben auch im weiteren Verlauf der Untersuchung bestehen.

Die Darmflora der Schreikinder wurde dominiert von Proteobacteria. Darunter sind auch gasbildende Bakterien, was die Vermutung stützt, dass schmerzhafte Blähungen das Schreien auslösen. Bifidobacteria und Lactobacilli wurden bei den Schreikindern dagegen in geringerer Menge gefunden.

De Weerth regt deshalb Studien an, in denen die Wirkung und Sicherheit von Probiotika bei Schreikindern untersucht werden sollten. Vor dem Abschluss derartiger Studien dürfte es hierzu von der Fachgesellschaften keine Empfehlung geben, zumal der allgemeine Konsens ist, dass die Kinder in den ersten Monaten am besten ohne Zufütterung gestillt werden sollten. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #108046
Mathilda
am Samstag, 26. Januar 2013, 21:37

Vielleicht mal bei der Mutter schauen?

Die Darmflora eines Neugeborenen, noch dazu eines voll gestillten, ist mehr oder weniger identisch mit der der Mutter. Übernommen wird die Darmflora wohl teilweise bei der (natürlichen) Geburt, teilweise beim Stillen über die Haut. Sollte dann nicht die Darmflora der Mutter, noch besser, bereits die der Schwangeren untersucht und bei Problemen regeneriert werden, statt erst bei Darmkoliken des Neugeborenen damit anzufangen? Das wären sozusagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen...
LNS
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER