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Medizin

Meningitis B Impfstoff zugelassen

Dienstag, 22. Januar 2013

Brüssel – Die EU-Kommission hat erstmals einen Impfstoff gegen die Meningitis B zugelassen. Die Vakzine 4CMenB (Bexsero) darf bei Kindern ab 2 Monaten und Erwachsenen eingesetzt werden. Die Zulassung basiert auf den kürzlich im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(12)61961-8) publizierten Studienergebnissen, die dem Impfstoff eine gute Wirkung bescheinigen. Eine Einschätzung durch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) steht noch aus.

Die Einführung von Impfstoffen gegen Haemophilus influenzae Typ B, Streptococcus pneumoniae und den Serotyp C von Neisseria meningitidis hat in den Industrieländern zu einem deutlichen Rückgang der Meningitis-Erkrankungen geführt. Eine Lücke besteht derzeit noch beim Serotyp B der Meningokokken. Er ist heute für die meisten invasiven Meningokokkenerkrankungen verantwortlich. Ihre Zahl ist seit 2001 von 781 auf 369 in 2011 zurückgegangen. Die Todesfälle gingen von 54 auf 30 zurück. Etwa 70 Prozent der Erkrankungen entfallen heute auf den Serotyp B, der von dem jetzt zugelassenen Impfstoff erfasst wird.

Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen den Serotyp B hatte sich als schwierig erwiesen, da die Oberflächenantigene, die sonst gerne ausgewählt werden, beim Serotyp B von Neisseria meningitidis große Ähnlichkeit mit einem Oberflächenantigen auf Nervenzellen hat. Ein Impfstoff gegen diese Oberflächenantigene hätte im besten Fall eine schwache Wirkung erzielt, da das Antigen als bekannt vom Immunsystem toleriert wird. Im ungünstigen Fall würde er Autoimmunerkrankungen provozieren, da die Antikörper auch Nervenzellen angreifen könnten. Für die jetzt zugelassene Vakzine musste das Genom des Erregers sequenziert werden, um mittels „reverser Vakzinologie“ Komponenten aufzuspüren, die für einen Impfstoff geeignet sind.

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Die jetzt zugelassene Vakzine 4CMenB enthält vier derartige Antigene. Sie wurde in Phase III-Studien an 70 Zentren erprobt. Die Kinder wurden im Alter von 2, 4 und 6 Monaten geimpft. Timo Vesikari von der Universität in Tampere/Finnland und Mitarbeiter geben die Effektivität mit 84 bis 100 Prozent an. Diese Zahl bezieht sich auf die Entwicklung von bakteriziden Antikörpern gegen verschiedene Erregerstämme. Eine Reduktion der Erkrankungsrate konnte wegen der Seltenheit der Erkrankung nicht untersucht werden.

Ob 4CMenB zu einem deutlichen Rückgang bei den restlichen Meningitis-Erkrankungen führt, wird davon abhängen, ob die Impfung von den STIKO empfohlen und fest in den Impfkalender integriert wird. Die Verträglichkeit wird als gut angegeben. Die häufigste Nebenwirkung ist ein Fieberanstieg am Tag der Impfung. Bei zwei Drittel der Säuglinge stieg die rektale Temperatur in den ersten sechs Stunden nach der Impfung auf 38,5° oder höher. Fieberkrämpfe waren allerdings selten. © rme/aerzteblatt.de

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