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Videotelefonie: AOK und Telekom erproben Assistenzsystem für Ältere

Dienstag, 29. Januar 2013

All-in-one-PC mit Touchscreen und Kamera

Goch – Unter dem Namen „VITALIG Zuhause“ starten die AOK Rheinland/Hamburg und die Deutsche Telekom zum 1. Februar am Niederrhein ein Pilotprojekt zur Betreuung und Versorgung von pflegebedürftigen oder in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen. VITALIG steht dabei für das Angebot eines „versorgten, interaktiven, technikgestützten, altersgerechten Lebens in Goch“. Die Projektteilnehmer sollen per Videotelefonie darin unterstützt werden, ihre Versorgung zu organisieren,  Alltagsdinge zu erledigen und soziale Kontakte zu pflegen.

Ziel ist es, ihnen so ein längeres selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. „Die Menschen wollen lieber zu Hause gepflegt werden als in einer Pflege­einrichtung. Die Möglichkeiten, die wir mit neuer Technik haben, wollen wir ausprobieren, um zu sehen, wie reagiert die Bevölkerung? Wird das angenommen?“, erläuterte Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. Auch gehe es darum, der sozialen Vereinsamung der Menschen etwas entgegenzuhalten.

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„Für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen gibt es Internet, Skype und Amazon, und über die Hälfte der 65-Jährigen ist bereits im Internet. Aber für Menschen, die älter sind oder vor der Pflegebedürftigkeit stehen, gibt es noch kein passendes Angebot“, erläu­terte Axel Wehmeier, Leiter des Konzerngeschäftsfelds Gesundheit bei der Telekom. 

Im Umfeld von Pflege und Gesundheit sei allerdings ein höheres Maß an Sicherheit erforderlich, diesen Anforderungen genüge Skype nicht. Daher werde für die Verbindung zwischen Arzt beziehungsweise Apotheker und Patient eine getunnelte Verbindung ein­ge­richtet, so dass auch vertrauliche Daten ausgetauscht werden könnten.

Zentrale technische Komponenten sind ein All-in-one-PC mit Touchscreen und Kamera und ein Bildtelefon, über das die Versicherten mit ihren Angehörigen kommunizieren oder zu ihrem Arzt, ihrer Apotheke oder Pflegedienst Kontakt aufnehmen können. Die Grundlage hierfür ist ein assistives Serviceportal mit gut sichtbaren Schaltflächen, über die durch einfaches Berühren eine Verbindung zu den angeschlossenen Dienstleistern oder dem Familienangehörigen aufgebaut wird.

Mitte des Jahres folgen iPad- und iPhone-Lösung
Die Angehörigen und die teilnehmenden Ärzte werden ebenfalls mit einem Bildtelefon ausgestattet. Voraussetzung ist außerdem ein Breitbandanschluss (6 Mbit). Mitte des Jahres soll die Anwendung zudem als Software für das iPhone und das iPad zur Verfü­gung stehen, so dass keine extra Hardwareausrüstung für die Angehörigen mehr erforderlich ist.

Beim Projektstart sind zunächst zehn AOK-Versicherte und ihre Angehörigen, zwei nieder­gelassene Ärzte, 6 Apotheken, 3 ambulante Pflegedienste, ein Sanitätshaus sowie der Seniorenberater der Stadt Goch mit dabei. Geplant ist außerdem die Einbindung weiterer Dienste, wie etwa ein Lebensmittel- und Getränkeservice.

Die Zahl der Projektteilnehmer soll noch im Laufe des Jahres auf 100 Teilnehmer aus­gedehnt werden. Potenziell kämen dafür circa 900 AOK-Versicherte infrage, die älter als 65 Jahre sind, Pflegestufe 1 oder 2 haben, aber noch nicht in einem Pflegeheim unter­gebracht sind, berichtete Barbara Nickesen, Regionaldirektorin der Krankenkasse im Kreis Kleve. Geeignet wären ebenso Personen, die eventuell schon Erfahrung mit dem Hausnotruf oder mit der Kurzzeitpflege hatten. Als Ansprechpartner fungiert der Pflege­berater der Krankenkasse, der auch per Videokonferenzsystem direkt mit den Versicherten in Kontakt treten kann.

Das Projekt, das zur Forschung im Rahmen von Ambient Assisted Living (AAL;  etwa zu übersetzen als „Leben in unterstützender Umgebung“) zählt, läuft bis Ende 2014. Die Evaluation, die mit Unterstützung der AOK Rheinland/Hamburg durchgeführt wird, soll zeigen, ob durch den Aufbau eines solchen Versorgungsnetzes der Verbleib in der eigenen Häuslichkeit verlängert und der Einzug in ein Pflegeheim hinausgezögert werden kann. © KBr/aerzteblatt.de

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