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Ausland

Eine Milliarde Euro für die Hirnforschung

Dienstag, 29. Januar 2013

Brüssel – Jeweils eine Milliarde Euro För­derung sollen zwei europäische Spitzen­forschungs-Projekte über die kommen­den Jahre erhalten. Die im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählten Pro­gramme erforschen das menschliche Gehirn und einen neuen Werkstoff. Das teilte die Kommission der Europäischen Union (EU) gestern in Brüssel mit. An beiden Projekten sind auch deutsche Forscher beteiligt. „Europas Position als Supermacht des Wissens hängt davon ab, wie es uns gelingt, das Undenkbare zu denken und die besten Ideen zu verwirk­lichen“, erklärte Kommissions-Vizechefin Neelie Kroes die Entschei­dung.

Bereits 2010 hatte die EU ein Förder­programm für „Future and Emerging Technologies“ ausgeschrieben – das sogenannte FET-Flagship-Programm. Sechs Projekte wurden in der ersten Runde im Jahr 2011 ausgewählt und erhielten eine einjährige Förderung über 1,5 Millionen Euro. Sie mussten ein internationales Partnernetzwerk aufbauen und ihre Vorhaben in einem umfassenden Forschungsplan konkretisieren.

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Die jetzt endgültig ausgewählten beiden Projekte sollen jeweils bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr bei einer Laufzeit von zehn Jahren erhalten. Sie sollen maßgeblich zum techno­logischen Fortschritt beitragen sowie wissenschaftliche Exzellenz und neue Koopera­tionen in Forschung und Entwicklung fördern.

Beim „Human Brain Project“ geht es um die detailgetreue Simulation des kompletten menschlichen Gehirns von der Genetik über die molekulare Ebene bis hin zur Interaktion ganzer Zellverbände auf einem Supercomputer der Zukunft. „Der strukturelle Aufbau der menschlichen Schaltzentrale und ihre Funktionsabläufe sind in vielen Bereichen noch nicht erforscht“, erläuterte Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Zoom in eine 3D-Rekonstruktion eines menschlichen Gehirns /Forschungszentrum Jülich

Im Rahmen des EU-Förderprogramms sei es nun möglich, die wissenschaftliche Exper­tise zu bündeln, um den Aufbau und die Abläufe im Gehirn auf den verschiedensten Ebenen zu erforschen und abzubilden. „Das virtuelle Modellgehirn wird es Medizinern künftig erleichtern, die Struktur und Arbeitsweise des gesunden, aber auch erkrankten Gehirns zu verstehen sowie neue Therapien zu entwickeln“, so Schneider

Laut der Technischen Universität München verknüpft das Human Brain Project mehr als 80 europäische und internationale Forschungseinrichtungen sowie einige Partner in Nordamerika und Japan. Seine Koordination übernimmt Henry Markram, Neurowissen­schaftler an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne. In den kommenden Mona­ten würden die Partner eine detaillierte Vereinbarung für die 30-monatige Startphase aushandeln. Noch in diesem Jahr soll das Projekt seine Arbeit aufnehmen.

Die „Graphene“-Gruppe erforscht einen gleichnamigen, auf Kohlenstoff basierenden Werkstoff. Graphene sei „revolutionär“ und weise eine „außergewöhnliche Kombination physikalischer und chemischer Eigenschaften auf“, heißt es von der EU-Kommission. Er leitet etwa elektrischen Strom besser als Kupfer und sei bis zu 300 Mal fester als Stahl. © hil/aerzteblatt.de

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