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Medizin

QT-Intervall: Unterschiedliche Auswirkungen von Antidepressiva

Mittwoch, 30. Januar 2013

Boston – Nicht alle Antidepressiva führen zu einer Verlängerung des QT-Intervalls, die das Risiko lebensgefährlicher ventrikulärer Arrhythmien birgt. Eine Analyse von US-Versichertendaten im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 346: f288) zeigt, dass die meisten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) unbedenklich sind. Ein Wirkstoff hatte sogar prognostisch günstige Wirkungen auf das EKG.

Verlängerungen des QT-Intervalls bleiben asymptomatisch. Sie erhöhen aber das Risiko von Torsade de Pointes, einer ventrikulären Arrhythmie, die in ein Kammerflimmern übergehen kann. Berichte über derartige unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) hatten die US-Arzneibehörde FDA zu pharmakokinetischen Untersuchungen veranlasst, in denen eine dosis-abhängige Verlängerung des QT-Intervalls gefunden wurde.

Die FDA hat 2011 in einer Drug Safety Communication auf das Risiko hingewiesen und die Höchstdosis von Citalopram auf 40 mg/die begrenzt. Für Patienten mit weiteren Risiken wurde die Dosis später sogar auf 20 mg/die eingeschränkt.

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Da Escitalopram das aktive S-Isomer von Citalopram ist, wurde es auch damals ebenfalls von der FDA untersucht. Es wurde jedoch keine signifikante dosis-abhängige Verlängerung des QT-Intervalls gefunden (wenn auch ein Trend erkennbar war). Die FDA hat deshalb für Escitalopram keine Dosisbeschränkung verfügt, obwohl es laut den deutschen Fachinformationen zu Escitalopram durchaus Meldungen zu Torsade de Pointes gibt.

Auch das Team um Roy Perlis vom Massachusetts General Hospital in Boston fand jetzt für beide SSRI eine dosis-abhängige Verlängerung des QT-Intervall, wenn auch das Ergebnis für Citaprolam eindeutiger was als für Escitalopram. Die Forscher haben allerdings keine klinische Studie durchgeführt, sondern lediglich die Daten eines Klinikverbundes analysiert. Die Evidenz einer derartigen retrospektiven Datenbank-Analyse ist geringer als in einer klinischen Studie, da keine Randomisierung möglich ist und eine Verzerrung der Ergebnisse nicht ausgeschlossen werden kann.

Auf der anderen Seite ermöglicht eine Datenbank-Analyse die Auswertung von zehntausenden Patientendaten, die früher Wochen oder Monate gedauert hatte, quasi auf Tastendruck am Rechner. Die Forscher können sich schnell einen Eindruck über mögliche Probleme im klinischen Alltag verschaffen. Dabei werden manchmal noch nicht bekannte Risiken gesehen.

Tatsächlich waren Citaprolam und Escitalopram nicht die einzigen Antidepressiva, die das QT-Intervall verlängerten. Auch für das ältere trizyklische Antidepressivum Amitriptylin wurde eine dosis-abhängige Verlängerung des QT-Intervalls gefunden, während sein aktive Metabolit Nortriptylin, der ebenfalls als Antidepressivum angeboten wird, frei von diesem Risiko zu sein scheint.

Für andere SSRI wurde keine Verlängerung des QT-Intervalls gefunden, Bupropion scheint das QT-Intervall sogar dosis-abhängig zu verkürzen. Dies könnte den Wirkstoff interessant machen für Patienten mit einem erhöhten Risiko von Herzrhythmusstörungen. Die Arzneibehörden dürften sich hier allerdings nicht auf die unsicheren Ergebnisse einer Datenbank-Analyse verlassen, sondern auf der Durchführung klinischer Studien bestehen, sollten die Hersteller diesen Zusatznutzen für ihr Produkt reklamieren wollen. © rme/aerzteblatt.de

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