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Medizin

Palliativmedizin: Wann Patienten den ICD abstellen lassen

Mittwoch, 30. Januar 2013

New Haven – Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) kann einen Patienten auch dann reanimieren, wenn dieser das gar nicht wünscht. US-Forschern raten in JAMA Internal Medicine (2013; doi:10.1001/jamainternmed.2013.1883) den Willen der Patienten für eine etwaige palliative Situation rechtzeitig zu erkunden.

Die meisten Patienten, die einen ICD erhalten, haben noch eine Lebenserwartung von vielen Jahren. Früher oder später kann es jedoch zu einer palliativen Situation kommen, in denen der Tod inkauf gekommen wird. Ein lebensrettender Impuls eines ICD kann dann unter Umständen verhindern, dass der Patient eines friedlichen Todes stirbt.

Diese Situation wird in Hospizen immer häufiger erlebt. In einer US-Umfrage kannte jedes zweite Hospiz Patienten, bei denen es am Lebensende noch zu ICD-Impulsen kam. Nur jeder zehnte hatte das Gerät vorzeitig deaktivieren lassen (Annals of Internal Medicine 2010; 152: 296-299).

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Die Bereitschaft zur Deaktivierung könnte höher sein, als diese Zahl vermuten lässt. John Dodson von der Yale University School of Medicine in New Haven hat 95 ICD-Träger im Alter von durchschnittlich 71 Jahren nach ihren Wünschen in 5 Szenarien befragt: Dazu gehörte eine permanente Bettlägerigkeit, eine Demenz, eine Belastung für die Familie, eine Beatmung über 1 Monat oder länger sowie eine unheilbare Krankheit. 71 Prozent der Befragten würden für wenigstens eines der Szenarien eine Deaktivierung des ICD bevorzugen. Am seltensten war der Wunsch bei einer Bettlägerigkeit (24 Pro­zent), am häufigsten bei einer unheilbaren Erkrankung (61 Prozent).

Der Patientenwille wurden mit zunehmenden Alter häufiger, Männer äußerten ihn häufiger als Frauen, Verheiratete eher als ledige. Patienten, die noch keine ICD-Impuls erlebt hatten, wären eher bereit, das Gerät in palliativen Situationen deaktivieren zu lassen. © rme/aerzteblatt.de

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