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Medizin

Prostatektomie und Radiotherapie mit ähnlichen Langzeitfolgen

Freitag, 1. Februar 2013

Nashville – Die unterschiedlichen Folgen von Prostatektomie und Radiotherapie auf Harnwegs- und Darmkontinenz sowie die Erektionsfähigkeit glichen sich in einer Langzeitstudie im New England Journal of Medicine (2013; 368: 436-445) nach 15 Jahren wieder an.

Für Patienten mit Prostatakarzinom bedeutet die Behandlung eine deutliche Einbuße an Lebensqualität. Hauptkomplikation der Operation ist eine Harnwegsinkontinenz. Die Teilnehmer der Prostate Cancer Outcomes Study (PCOS), die 1994 und 1995 operiert wurden, gaben sie in den ersten beiden Jahren 6 Mal häufiger und in den ersten 5 Jahren 5 Mal häufiger an als Patienten, die sich für eine Radiotherapie entschieden hatten.

Diese Unterschiede sind 15 Jahre nach der Behandlung zwar nicht verschwunden. Das Team um David Penson vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville stellt jetzt aber eine Angleichung fest. Die operierten Patienten leiden jetzt nur noch etwa 2 Mal so häufig unter einer Harninkontinenz, und die Differenz war statistisch nicht mehr signifi­kant. Es tragen allerdings deutlich mehr Patienten nach der Operation Inkontinenz­einlagen (38 versus 14 Prozent). Dass sich die beiden Gruppen nähern, lag vor allem daran, dass sich die Harninkontinenz bei den radiotherapierten Patienten schneller verschlechterte als bei den operierten Patienten.

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Ähnlich ist die Situation bei der erektilen Dysfunktion. Hier kommt es nach der Operation zu starken Einschränkungen. Die Patienten klagten in den ersten 2 Jahren 3,5-fach häufiger über eine Unfähigkeit zum Sexualakt als nach einer Strahlentherapie, nach 5 Jahren waren es nur noch doppelt so viele. Nach 15 Jahren sind die Unterschiede verschwunden, was allerdings daran lag, dass in beiden Gruppen neun von zehn Patienten keine Erektionen mehr haben, was auch mit dem Durchschnittsalter von etwa 80 Jahren zusammenhängen dürfte. Dennoch fühlen sich 44 Prozent der Prostatektomierten und 38 Prozent der Strahlentherapierten durch ihre erektile Dysfunktion beeinträchtigt.

Der wichtigste Nachteil der Radiotherapie sind Strahlenschäden des Rektums, die zur schmerzhaften Defäkationsstörungen führen können. Diese waren in den ersten 2 und 5 Jahren nach einer Radiotherapie häufiger. Auch hier kommt es mit der Zeit zu einer gewinnen Annäherung. Nach 15 Jahren klagten noch 36 versus 22 Prozent nach Operation über eine Drang- oder Urgeinkontinenz. © rme/aerzteblatt.de

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