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Medizin

PhysioDirect: Physiotherapie via Telefon

Montag, 4. Februar 2013

Bristol – Die langen Wartezeiten der Patienten haben britische Physiotherapeuten veranlasst, ihre Dienste auch per Telefon anzubieten. Eine randomisierte klinische Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 346: f43) zeigt, dass eine Beratung viele Therapie­sitzungen ersetzen kann - mit vergleichbar guten Ergebnissen.

In England stellten die Hausärzte jedes Jahr 1,23 Millionen Rezepte für eine Physio­therapie aus. Wartezeiten von einem Monat oder länger sind keine Seltenheit. Am Ende nehmen viele Patienten ihre Termine gar nicht wahr. Dies hat einige Regionen veran­lasst, den Patienten ein telefonisches Vorgespräch mit dem Physiotherapeuten anzu­bieten. Diese Termine sind in der Regel kurzfristig möglich.

Sie sind auch eine Gelegenheit, den Patienten Ratschläge zur Selbsthilfe zu geben. Die Einrichtungen sind nach Auskunft von Chris Salisbury von der Universität Bristol bei Patienten und Physiotherapeuten beliebt. Ein günstiger Nebeneffekt besteht in der Verkürzung der Wartezeiten. Denn nicht selten führt das Telefonat zu dem Ergebnis, dass ein Termin in der Praxis gar nicht notwendig ist, weil die Patienten am Telefon und durch die Zusendung von Informationsmaterial erfolgreich zur Selbsthilfe angewiesen werden können.

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Die Ergebnisse einer randomisierten Studie, die Salisbury und Mitarbeiter an 2.256 erwachsenen Patienten mit verschiedenen Beschwerden des Bewegungsapparates durchgeführt haben, unterstreicht diesen Eindruck. Die Patienten waren im Verhältnis 2 zu 1 auf den PhysioDirect-Dienst oder die konventionelle Physiotherapie gelost worden. Im PhysioDirect-Arm hatten sie nach median 7 Tagen den ersten persönlichen Kontakt zum Physiotherapeuten. Im konventionellen Physiotherapie mussten sie median 34 Tage warten. Vielen war das zu lang.

Die Hälfte der Patienten nahm keinen einzigen Termin beim Physiotherapeuten war. Im PhysioDirect-Arm betrug diese Nicht-Teilnehmerrate nur 19 Prozent. Aber auch im PhysioDirect-Arm bekamen nur etwa die Hälfte der Patienten die Physiotherapeuten zu Gesicht. Bei den anderen beschränkte sich die Therapie allein durch eine telefonische Beratung. Und die Patienten, die im PhysioDirect-Arm einen direkten Kontakt zum Physiotherapeuten benötigten, konnten nach weniger Therapiesitzungen (1,91 versus 3,11) wieder entlassen werden.

Am Ende waren die Teilnehmer beider Gruppen in etwa gleich zufrieden mit den Ergeb­nissen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Nicht-Teilnehmer, die sich vielleicht aus Frustration über die Wartezeiten abgewendet hatten, nicht befragt werden konnten. Salisbury ist zuversichtlich, dass PhysioDirect auch langfristig gleich gute Ergebnisse erzielt.

Die Patienten gaben in den Befragungen nach 6 Wochen und 6 Monaten nicht mehr Krankheitstage an als im konventionellen Physiotherapie-Arm, und auch in den Antworten zum Short Form Gesundheitsfragebogen (SF36)  fand Salisbury keine Hinweise, dass die Lebensqualität gelitten hätte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #110206
kairoprax
am Dienstag, 5. Februar 2013, 11:55

PhysioDirect: ein weiteres Beispiel für die englische Krankheit ?!

Was zunächst vielleicht garnicht auffällt sind die 19%, die nicht zur Physiotherapie erschienen sind, obwohl sie einen Termin hatten. Was nicht wundert ist, daß die Hälfte das Telefonangebot nicht wahrgenommen hat.
Beides zeugt von erheblichem Mangel.

Natürlich würde ich mich nicht korrekt behandelt fühlen, wenn ich auf ein Telefonat statt auf Physiotherapie verwiesen würde. Daß trotzdem knapp 50% dieses Angebot wahrnehmen ist eher ein Zeichen dafür, wie schlecht es ihnen gehen mußte denn ein Zeichen der Akzeptanz.

Knapp 20 % Menschen, die ein Rezept u n d einen Termin bekommen, aber beides nicht wahrnehmen, zeigen möglicherweise in die Richtung, daß auch diese Patienten mehr oder weniger vertröstet wurden. Möglich, daß man ihnen statt eines Termins beim Orthopäden ein KG-Rezept gegeben hat (was bitte nicht als Ranking verstanden werden soll, ein Orthopädentermin sei wertvoller als ein Physiotgherapietermin! Es ist eine Aussage darüber, daß an den Bedürfnissen vorbei gehandelt wird. ).

Man könnte das ganze System ein System der gestaffelten Leistungsverweigerung nennen. Wollen wir hier in Deutschkand daraus Lehren ziehen? Gerne. Am szweckmäßigsten die, daß wir uns vor Augen führen, daß hierzulande weder 1/5 der Patienten ihr KG-Rezept nicht in Anspruch nehmen, noch daß Wartelisten-Patienten durch Call-Center abgespeist werden. Wieder ein Beleg dafür, wie gut die medizinische Versorgung hier offenbar doch ist.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
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