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Medizin

Nierensteine durch Vitamin C

Dienstag, 5. Februar 2013

dpa

Stockholm – Wer regelmäßig Vitamin C einnimmt, riskiert die Bildung von Nierensteinen. Eine prospektive Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2013; doi: 10.1001/jamainternmed.2013) ermittelt für Männer ein zweifach erhöhtes Risiko. Frauen nahmen an der Studie nicht teil.

Dass Vitamin C die Bildung von Nierensteinen fördern könnte, ist im Prinzip lange bekannt. Ascorbinsäure wird nämlich im Körper teilweise zu Oxalsäure abgebaut. Oxal­säure aber ist Bestandteil von Kalziumoxalat-Steinen, den mit Abstand häufigsten Kon­krementen in den ableitenden Harnwegen. Die Gefahr wurde jedoch bisher als gering eingeschätzt, wozu der gute Ruf von Vitamin C beigetragen haben mag, das auch in hohen Mengen als sicher eingestuft wird.

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Die rasche Elimination über die Nieren verhindert, dass es bei der Einnahme von einem Gramm, einer heute häufigen Tagesdosis, zu einem deutlichen Anstieg von Oxalsäure im Plasma kommt. Diese Unbedenklichkeitsbescheinigung aufgrund pharmakokinetischer Überlegungen wird jetzt durch die Ergebnisse einer bevölkerungsbasierte Kohorten­studie infrage gestellt.

Die Cohort of Swedish Men umfasst männliche Einwohner der Bezirke Västmanland und Örebro im Alter über 45 Jahre, die 1997, zu Beginn der Untersuchung, nicht an Nieren­steinen litten. In den folgenden 11 Jahren erkrankten dann 436 Männer erstmals. Aus den Angaben in den Fragebögen entnimmt Laura Thomas vom Karolinska Institut in Stockholm, dass die neuen Nierenstein-Patienten fast doppelt so häufig Vitamin C eingenommen hatten als Nichterkrankte, wobei auch in Schweden die übliche Dosis 1 Gramm beträgt (die allerdings nicht erfragt wurde).

Für einen kausalen Zusammenhang spricht, dass sich das relative Risiko von 1,90 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,32-2,73) kaum änderte, als die Epidemiologin in zwei Multivariat-Analysen andere mögliche Risikofaktoren wie Alter, Bildungsniveau, BMI, Alkoholkonsum, Rauchen, Blutdruck, Diabetes oder den Vitamingehalt der Nahrung in die Berechnung einfließen ließ.

Die Beweisführung ist zwar nicht abgeschlossen, da andere Risikofaktoren wie Dehydration, Immobilisierung, Schleifendiuretika, Kortikosteroide oder Vitamin D nicht berücksichtigt werden konnten. Ein wichtiges Argument ist allerdings die Dosis-Abhängigkeit. Männer, die mehr als 7 Tabletten pro Woche einnahmen, hatten ein 2,23-fach erhöhtes Nierensteinrisiko, bei weniger als 7 Tabletten in der Woche war es nur um den Faktor 1,66 erhöht.

Der Kommentator Robert Fletcher von der Harvard Medical School in Boston hält das Risiko deshalb für real, wenn auch das absolute Risiko gering ist. Bei einer Inzidenz von 147 zusätzlichen Nierensteinen auf 100.000 Personen und Jahr, kommt auf 680 Anwender pro Jahr ein Nierenstein. Das ist wenig, da die übliche Einnahme von Mega-Dosen von einem Gramm am Tag (die empfohlene tägliche Zufuhr mit der Nahrung, RDI, beträgt 75 Milligramm) jedoch keinen wissenschaftlich gesicherten Nutzen habe, fällt die Bilanz zwangsläufig negativ aus. © rme/aerzteblatt.de

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