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Politik

Trierer Kliniken klagen über Fachkräftemangel

Mittwoch, 6. Februar 2013

dpa

Trier – Die Pflegedirektoren der beiden größten Trierer Kliniken klagen über personelle Engpässe in ihren Belegschaften. Viele erfahrene Fachkräfte wechseln seit Jahren in das nahe Luxemburg. Das Phänomen ist nicht neu, doch es verschärft sich offenbar, berichtet Carola Lange, Pflegedirektorin des Mutterhauses der Borromäerinnen. Deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten seien das wesentliche Motiv, sagt sie und verweist auf merkliche Differenzen bei den Nettogehältern: Zwischen 1.000 und 1.500 Euro hätten Pflegekräfte am Ende des Monats mehr auf dem Konto, wenn sie in Luxemburg arbeiteten.

Gehalt ist ausschlaggebend
Im Hinblick auf den regionalen Pflegesektor habe die Grenzlage zu Luxemburg große Bedeutung, heißt es bei der Arbeitsagentur Trier. „Das Gehalt spielt hier die zentrale Rolle, denn in Deutschland verdienen examinierte Alten- und Pflegekräfte nach Tarif direkt nach der Ausbildung 2.060,40 Euro brutto, in Luxemburg nach dem allgemein verbindlich erklärten Kollektivvertrag 2.900 Euro netto“, heißt es bei der Agentur.

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Lange fürchtet nun, dass sich die Abwanderung verstärken könnte. Binnen eines Viertel­jahres wechselten aus dem Mutterhaus allein fünf Kinderkrankenschwestern ins Nach­barland – allesamt langjährige Mitarbeiterinnen. Das reiße Lücken, die schwer zu schließen seien, sagt Lange. „Sie können erfahrene Kräfte ja nicht von jetzt auf gleich durch gerade examinierte ersetzen“, gibt sie zu bedenken.

Unterdessen machen Gerüchte die Runde, sämtliche Kindertagesstätten Luxemburgs müssten künftig eine Kinderkrankenschwester beschäftigen. Das würde zu weiterer Nachfrage nach Personal aus Deutschland führen, denn aus eigener Kraft kann das kleine Land seinen Bedarf schon heute nicht mehr decken.

Kita in Luxemburg froh über Krankenschwester
In der Kindertagesstätte „Spatzennascht“ im luxemburgischen Grenzort Wasserbillig vertraut man schon seit sieben Jahren auf Verstärkung aus Deutschland: „Es ist einfach schön jemanden im Haus zu haben, der sich beispielsweise auch mit Medikamenten auskennt“, sagt Kita-Leiterin Conny Reuter. Ihre Einrichtung beschäftigt eine deutsche Vollzeitkraft, die sich ausschließlich um die Gesundheit der rund 60 Kinder kümmert. Eine gesetzliche Verpflichtung hierzu gebe es nicht, betont Reuter.

Die soll es auch nicht geben, versichert man im luxemburgischen Familienministerium. So sei auch in einem aktuellen Gesetzentwurf keine Regelung enthalten, die den Kitas im Land die Anstellung einer Pflegekraft vorschreibe. Die Entscheidung, ob jemanden eingestellt werden, liege nach wie vor bei den Trägern.

Krankenhaus verliert 15 Fachkräfte pro Jahr
Doch die Abwanderung betrifft auch andere Fachdisziplinen. Aloys Adler, Pflegedirektor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier (BKT), beobachtet die Entwicklung seit Jahrzehnten. Aktuell verliere sein Haus jährlich rund 15 Fachpfleger und -schwestern an Luxemburg. Obwohl die Krankenpflegeschule pro Jahr rund 50 bis 60 Schwestern und Pfleger ausbilde, komme es zu Engpässen. Denn in Luxemburg sind vor allem Kräfte gefragt, die sich nach ihrem Examen weiterbilden ließen, etwa zum Intensivpfleger oder in Bereichen wie Nierenheilkunde oder Anästhesie.

Rund 15.000 Euro kostet das BKT diese Ausbildung. Die Absolventen verpflichten sich im Gegenzug, dem BKT noch mindestens 36 Monate treu zu bleiben. Gehen sie früher, müssen sie die Weiterbildungskosten anteilig zurückzahlen. Doch weißt Adler auch: „Das hält heute aber niemanden mehr davon ab, doch nach Luxemburg zu wechseln.“ © dapd/aerzteblatt.de

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