Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Feinstaub führt zu kleineren Neugeborenen

Mittwoch, 6. Februar 2013

dpa

Barcelona – Eine erhöhte Feinstaub-Konzentration in der Luft hat möglicherweise nega­tive Auswirkungen auf die fetale Entwicklung. Eine internationale Studie in Environmental Health Perspectives (2013; doi: 10.1289/ehp.1205575) dokumentiert jetzt erstmals eine, wenn auch geringe Verminderung des Geburtsgewichts mit zunehmender Luftver­schmutzung.

Bei der Verbrennung fossiler Energieträger werden Staubpartikel an die Luft freigesetzt, die über die Atemwege in den Blutkreislauf gelangen. Bei Schwangeren überwinden sie auch die Plazentabarriere, so dass eine schädliche Wirkung auf Embryo und Feten möglich ist. Ein Gradmesser einer intrauterinen Entwicklungsstörung ist das Geburts­gewicht.

Um hier auch kleine Auswirkungen zu erkennen, haben Payam Dadvand vom For­schungs­zentrum für Umweltepidemiologie (CREAL, Centre de Recerca en Epidemiologia Ambiental) in Barcelona und Mitarbeiter die Daten von mehr als 3 Millionen Geburten aus 14 Regionen in 9 Ländern ausgewertet. Darunter waren Städte mit einer sehr geringen Belastung wie Vancouver, wo die mittlere PM10-Konzentration 12,5 μg/m3 beträgt.

Am höchsten belastet war Seoul mit 66,5 μg/m3. Aber auch dort ist die Luft noch relativ sauber. In Peking, das nicht an der Studie beteiligt war, wurden jüngst PM10-Kon­zentration von mehr als 700 µg/m3 bestimmt, berichtet Mitautor Mark Nieuwenhuijsen. Der Grenzwert für PM10 beträgt in Europa 50 µg/m3, wobei aber 7 Überschreitungen pro Jahr erlaubt sind.

Laut den Berechnungen von Dadvand nimmt die Zahl der Neugeborenen mit einem niedrigen Geburtsgewicht (unter 2500 Gramm) mit jedem Anstieg der PM10-Kon­zentration um 10 μg/m3 jeweils um 3 Prozent zu (Odds Ratio OR 1,03; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,01-1,05). Für den Feinststaub (PM2,5) ermittelt das Team sogar einen Anstieg um 10 Prozent pro 10 μg/m3 (OR 1,10; 1,03-1,18). Die Assoziation war damit signifikant.

Die Auswirkung auf das absolute Geburtsgewicht ist allerdings gering. Dadvand gibt sie mit 8,9 Gramm pro 10 μg/m3 PM10 an. Dies liegt weit unterhalb der Schwelle, ab der beim einzelnen Kind mit einer Schädigung zu rechnen ist. Auf Bevölkerungsebene könnten die Luftbelastung jedoch für einen Teil der Frühgeburten verantwortlich sein. Wie groß das attributable Risiko ist, haben die Autoren allerdings nicht berechnet.

Es dürfte aber in den meisten Städten geringer sein als die Gefahren, die sich durch Alkohol, Rauchen oder Schwangerschaftskomplikationen etwa bei Diabetikerinnen ergeben. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.05.17
Abgasskandal: Stickoxide verursachen in Europa fast 30.000 vorzeitige Todesfälle
Höhere NO2-Konzentrationen führen durch chemische Reaktionen zu höheren Konzentrationen von Feinstaub und Ozon – beide wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. /WS-Design, stock.adobe.com Berlin –......
08.05.17
Kinderärzte mahnen Senkung der Feinstaubbelastungen an
Köln – Die Jahresgrenzwerte der Europäischen Union (EU) für Feinstaub und besonders Stickoxide müssen eingehalten werden. Das hat die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin......
04.05.17
Peking – Sandstürme haben in Nordchina die Schadstoffwerte in der Luft in die Höhe schnellen lassen. Die Behörden riefen ältere Menschen und Kinder heute dazu auf, am besten nicht vor die Tür zu......
28.04.17
Stickoxide: Verkehrsminister erhöhen Druck
Hamburg – Die Verkehrsminister der Bundesländer machen sich dafür stark, dass noch in diesem Jahr wirksame Maßnahmen gegen Stickoxide aus Dieselmotoren entwickelt werden. Dazu müssten die Kosten und......
28.04.17
Wie Feinstaub Herz und Blutgefäße schädigt
Edinburgh – Feinstaub dringt nach dem Einatmen innerhalb weniger Stunden ins Blut, wo er noch drei Monate später nachweisbar ist. Die Partikel werden von der Leber aufgenommen und sie haben offenbar......
26.04.17
Hohe Stickoxid-Werte vor Schulen: Streit um Diesel geht weiter
Berlin – Die Luft vor vielen Schulen und Kitas in Großstädten ist Greenpeace zufolge zu stark mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid belastet. An mehr als zwei Drittel von knapp 150 Messstellen......
25.04.17
Stickoxid-Belastung durch Dieselautos höher als gedacht
Berlin – Die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid durch Dieselautos ist laut Umweltbundesamt (UBA) noch höher als bislang angenommen. Auch neue Dieselautos der Norm Euro-6 stoßen im......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige