Medizin

Wie Zink das Immunsystem im Zaum hält

Freitag, 8. Februar 2013

Columbus – Das Spurenelement Zink, das als Naturheilmittel die Abwehrkräfte gegen Erkältungen stärken soll, hat tatsächlich eine Wirkung auf das Immunsystem. Laut den Befunden in Cell Reports (10.1016/j.celrep.2013.01.009) wirkt es jedoch eher hemmend auf die Abwehrzellen – was bei der Sepsis von Nutzen sein könnte.

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In früheren Studien hatte Daren Knoell von der Ohio State University in Columbus beobachtet, dass ein Zinkmangel bei Mäusen mit einem schwereren Verlauf von Infek­tionen einhergeht. Jetzt kann das Team zeigen, wie es dazu kommt. Die Experimente an Monozyten ergaben, dass Zink regulierend auf das sogenannte angeborene Immun­system einwirkt, das eine erste Abwehrlinie gegen Krankheitserreger bildet (bevor die adaptive Immunabwehr gezielt Antikörper und T-Zellen einsetzt).

Dabei wird in den Monozyten der sogenannte NF-κB-Stoffwechselweg aktiviert, der eine wichtige Rolle in der Abwehr von Keimen spielt. Gleichzeitig kommt es zur vermehrten Bildung eines Zinktransporters, der in der Zellmembran die Aufnahme von Zink fördert. Zink agiert dabei als ein negativer Regulator, der die Aktivität der Zellen wieder bremst. Knoell vermutet, dass dadurch eine exzessive Entzündung verhindert wird, die dem Körper mehr schädigen als nutzen würde.

Bei Mäusen kam es nach mehrwöchiger zinkfreier Ernährung zu einer verstärkten Immunreaktion auf bakterielle Infektionen der Blutbahn. Ohne Zink setzte im Blut der Tiere ein „Zytokinsturm“ ein, der bei einer Sepsis für die Tiere gefährlicher sein kann als die Krankheitserreger.

Dass Zink auch beim Menschen in der Lage wäre, den Verlauf einer Sepsis abzu­schwächen, lässt sich aus einer tierexperimentellen Studie sicherlich nicht einfach ableiten. Die müsste zunächst in klinischen Studie belegt werden. Ein Zinkmangel der deutschen Bevölkerung besteht nach den Ergebnissen der Nationalen Verzehrstudie II übrigens nicht.

Aus den Experimenten könnte allerdings auf einen erhöhten Bedarf bei Infektionen geschlossen werden. Die Cochrane Collaboration kam in einer Meta-Analyse kürzlich zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Zink in den ersten 24 Stunden Dauer und Schweregrad einer Infektion reduzieren kann. Dies bezieht sich allerdings auf banale Erkältungskrankheiten und nicht auf lebensgefährliche Infektionen wie die Sepsis. © rme/aerzteblatt.de

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Alternativmed
am Montag, 11. Februar 2013, 13:05

Zink hat auf T-Lymphozyten eine aktivierende Wirkung

Ein meiner Meinung nach wesentlicher Effekt wird bei der Diskussion nicht berücksichtigt: Zink hat eine aktivierende Wirkung auf zytotoxische T-Lymphozyten, die bei der Bekämpfung viraler Infektionen eine wichtige Rolle spielen. Da banale Erkältungsinfekte oft auch mit Virusinfektionen beginnen, lassen sich positive Effekte bei deren Bekämpfung durch Zinkpräparate somit leicht erklären.
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