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Ärzteschaft

Kammer Westfalen-Lippe besteht auf Facharztniveau in der Notfallmedizin

Dienstag, 12. Februar 2013

Münster – Vor einem „notarztfreien Rettungssystem“ und damit vor einer Verschlech­terung der Versorgung in lebensbedrohlichen Notfällen warnt die Ärztekammer West­falen-Lippe (ÄKWL). „Auch Verletzte haben einen Anspruch auf eine Versorgung mit Facharztniveau“, kommentierte der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst, Pläne der Bundesregierung, notärztliche Aufgaben an Nicht-Ärzte zu delegieren. Dies sieht ein aktueller Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Beruf des Notfallsanitäters vor. „Die Qualität in der Rettungsmedizin darf nicht heruntergefahren werden, weil sich mit nicht-ärztlichem Personal vermeintlich Geld sparen lässt“, so Windhorst.

Laut dem „Entwurf eines Gesetzes zum Beruf des Notfallsanitäters“ sollen diese gegenüber den bisherigen sogenannten Rettungsassistenten eine neue Ausbildung erhalten. Sie soll statt bisher zwei dann drei Jahre dauern. Ebenfalls vorgesehen ist, die Befugnisse für Notfallsanitäter im Vergleich zu den bisherigen Rettungsassistenten zu erweitern. Auch die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) sieht eine „viel zu weitgehende Freigabe“ an ärztlichen Maßnahmen. Dies führe zu einer deutlichen Überforderung der Berufsgruppe.

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Windhorst warnte, eine demnächst dreijährige Berufsausbildung für Notfallsanitäter ersetze nicht die speziellen Kenntnisse und Qualifikationen in der Differenzialdiagnostik, die Ärzte für den Rettungsdienst über viele Jahre in Medizinstudium und Weiterbildung erwerben müssten. „Wer also beim Rettungsdienst Personalkosten kürzen will, muss sich sehr gut überlegen, ob er der Allgemeinheit lieber Folgekosten durch eine verzögerte und qualitativ schlechtere Versorgung aufbürden möchte“, so der Kammerpräsident.

Auf weitere Probleme im Rettungswesen aufgrund von Personalmangel wies der Beauftragte der Kammer für den Rettungsdienst, Hans-Peter Milz, hin. „Aber wenn die organisatorischen Rahmenbedingungen stimmen, ist eine gute und schnelle Notarztversorgung möglich. Man muss eben ein vernünftiges System organisieren, mit dem geeignete Ärzte notfalls auch auf Honorarbasis rekrutiert werden können“, so Milz. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #649618
campesino
am Mittwoch, 13. Februar 2013, 23:31

Akademisierung des Rettungsfachpersonals!

Eine Ausbildung der Notfallsanitäter ist nur übergangsweise durch Ärzte sinnvoll.
Mittelfristig brauchen wir eine Akademisierung des Rettungsfachpersonals.
Präklinische Notfallmedizin ist zu komplex, um sie nichtakademischem Personal zu überlassen - und zu verschieden von der klinischen Tätigkeit, um sie Ärzten zu überlassen! Andere Länder wie Finnland, Großbritannien und die Schweiz sind hier bereits deutlich weiter!
Avatar #101371
Pledge Of Secrecy
am Mittwoch, 13. Februar 2013, 14:43

Ausbildung durch wen?

Solange Ärzte bereit sind Notfallsanitäter an deren Ausbildungsstätten zu unterrichten, Prüfungen abzunehmen etc...! - Also bitte nicht beschweren, das Problem ist zum Teil hausgemacht!
Avatar #649618
campesino
am Mittwoch, 13. Februar 2013, 13:39

Notärzt_innen sind der Bremsklotz am Bein der modernen präklinischen Notfallmedizin.

Bereits die Überschrift entlarvt die Verlogenheit der Stellungnahme der ÄKWL. Ein Facharztstandard in der präklinischen Versorgung besteht nicht und hat nie bestanden. Im Gegenteil: zunehmend arbeiten junge, unerfahrene Assistenzärzt_innen im Notarztdienst, kaum dass sie die ohnehin schon geringen rechtlichen Voraussetzungen erfüllen.

Die Notfallmedizin ist ein eigenes Fach geworden, auch wenn das in Deutschland noch nicht erkannt wird. Dies gilt für die klinische Notfallmedizin, aber ebenso für die präklinische. Es ist eine Aufgabe, die nicht nebenbei erledigt werden kann, so wie es Jahrzehnte der Fall war.

Von einer guten Notärztin wird u.a. ausreichende Intubationserfahrung (auch bei Kindern) gefordert, theoretische und praktische fundierte Kenntnisse der präklinischen Schwerstverletztenversorgung nach internationalen Leitlinien ebenso wie Kenntnisse der aktuellen Reanimatologie sowie der leitliniengemäßen Versorgung von Schlaganfall und akutem Koronarsyndrom sowie SIRS/Sepsis, exazerbierter COPD, und vielem vielem mehr.

So selbstverständlich und einfach dies klingen mag - durchschnittliche Notärzt_innen scheitern bereits an der Intubationserfahrung, sofern sie nicht aus anästhesiologischer Fachrichtung kommen.
Dass Internist_innen oder Chirurg_innen sich neben ihrer Vollauslastung in der Klinik auch noch auf anästhesiologische Seite begeben, um Jahr für Jahr auf ihre Intubationszahlen zu kommen, ist theoretisch unwahrscheinlich und praktisch definitiv nicht der Fall. Schon aus Kostengründen lässt sich dies nicht verwirklichen.

Ebenso sieht es mit regelmäßigen intensiven Fortbildungen zu aktuellen Richtlinien der Patientenversorgung aus. Weder ist die Mehrzahl der Notärzt_innen dazu in der Lage, eine Reanimation in hoher Qualität zu führen, noch eine ruhige, schnelle "goal-directed" Polytraumaversorgung sicherzustellen. Elementare Versorgungsschritte, welche aus Sicht der evidence based medicine unverzichtbar sind, werden tagtäglich unterlassen.

Notärzt_innen sind der Bremsklotz am Bein der modernen präklinischen Notfallmedizin.

Diese These könnte ich nun mit Beispielen unterlagern, die ich praktisch innerhalb der letzten Monate erlebt habe.

Da wären zu nennen das schwere Schädel-Hirn-Trauma, welches vom internistischen Facharzt mit GCS 7 nicht intubiert unter der Diagnose "Mehrfachverletzung mit Schädel-Hirn-Beteiligung" ohne Voranmeldung in eine chirurgische Notaufnahme verbracht wird.
Da wäre zu nennen der septische Asthmapatient, der vom geriatrischen Notarzt (25 Jahre Notarzt-Erfahrung) vor Ort mit Metoprolol bedacht wird, um die "viel zu hohe" Frequenz zu senken (RR sys. 80, SpO2 86%) und in Ermangelung eines venösen Zuganges Prednisolon und Paracetamol rektal erhält.
Da wäre zu nennen der Patient nach ROSC, welcher nicht intubiert auf die nächste Intensivstation gekarrt wird, weil der Notarzt (20 Jahre Notarzt-Erfahrung) sich die endotracheale Intubation schon lange nicht mehr zutraut.
Da wäre zu nennen das Kind, welches eine Erwachsenen-Narkose erhält, weil der gynäkologische Notarzt in seinem Taschenatlas die falsche Seite aufgeschlagen hat und welches nur überlebt, weil der anwesende Rettungsassistent gegen den Willen des Notarztes, welcher es nicht schafft, das Kind zu intubieren, einen Larynxtubus einlegt und den Rettungshubschrauber nachalarmiert, welcher (Gott sei dank) durch eine erfahrene Anästhesistin besetzt ist.
Da wäre zu nennen ein Patient mit ST-Hebungsinfarkt, welcher durch den gynäkologischen Notarzt nicht versorgt wird - mit der Begründung "wer noch laufen und die Tür aufmachen kann, braucht auch keinen Notarzt!".
Da wäre zu nennen die internistische Notärztin, die sich Cetirizin aufziehen lassen will, weil ihr sonst kein Medikament einfällt, welches bei Anaphylaxie gegeben werden könnte und die erst nachdem Rettungsfachpersonal ihr erklärt, dass es nur zur intravenösen Gabe nur Fenistil gibt und außerdem noch Urbason, Ranitidin und vor allem Suprarenin gegeben werden muss, eine suffiziente Therapie einleitet.
Da wäre zu nennen der chirurgische Notarzt, welcher bei septischer Patientin Fenistil geben will und sich nachher damit herausredet, dass er es mit Urbason verwechselt habe - und dem nicht einmal bekannt ist, dass auch das falsch gewesen wäre. Der bei ebendieser septischen Patientin zur "Fiebersenkung" 2,5g Metamizol bei einem RR von 80 systolisch geben will, was nur der anwesende Rettungsassistent verhindern kann.

Tausende solcher Begebenheiten könnten berichtet werden, und sie alle führen zu einer Erkenntnis:

Das aktuelle Notarztsystem ist ineffizient und patientengefährdend.

Es muss dringend abgelöst werden durch ein System von gut ausgebildeten und nach strengen und engen Leitlinien arbeitende Notfallsanitäter_innen, welche nur noch bei ausgewählten Notfällen (Notwendigkeit der Narkose etc.) durch höchstqualifizierte, sich ständig fortbildende Notfallärzt_innen unterstützt werden.

Ein solches System ist möglich und nötig - man schaue nach Großbritannien!
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