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Medizin

Folsäure schützt vor Autismus

Mittwoch, 13. Februar 2013

dpa

Oslo – Die perikonzeptionelle Einnahme von Folsäure wird derzeit zur Prävention von Neuralrohrfehlbildungen wie Spina bifida empfohlen. Nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 309: 570-577) könnte das B-Vitamin zusätzlich vor autistischen Erkrankungen schützen.

Während in den USA und Kanada ein Folsäurezusatz in Mehl gesetzlich vorgeschrieben ist, setzen die europäischen Länder auf die Eigeninitiative der Bevölkerung. In Norwegen wird allen Frauen mit Kinderwunsch geraten, einen Monat vor der geplanten Schwangerschaft mit der Einnahme zu beginnen, und diese bis zum Ende des ersten Trimenons fortzusetzen. Die Erfahrungen zeigen, dass dieser Ratschlag nicht immer umgesetzt wird.

In der Norwegian Mother and Child Cohort Study (MoBa), die mehr als 85.000 Kinder seit der Schwangerschaft der Mutter begleitet, hatte nur ein Drittel der Frauen in den vier Wochen vor der Konzeption mit der Substitution begonnen, der Anteil nahm nach Beginn der Schwangerschaft zu und stieg bis zur 8. Woche auf etwa 70 Prozent an.

Wie Pål Surén vom Folkehelseinstituttet, dem norwegischen Institut für öffentliche Gesundheit in Oslo berichtet, wurde bei 270 Kindern der Kohorte bis zum 7. Lebensjahr von Spezialisten eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert. Darunter waren 114 Kinder mit Autismus, 56 Kinder mit Asperger-Syndrom und 100 Kinder mit nicht näher spezifizierten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen.

Surén kann jetzt zeigen, dass die Rate der Autismus-Spektrum-Störungen bei den Kindern von Müttern, die (irgendwann) zwischen der vierten Woche vor der letzten Menstruation und der achten Schwangerschaftswoche Folsäure eingenommen hatten, nur halb so hoch war: 0,10 versus 0,21 Prozent. Nach Berücksichtigung des Geburtsjahres, dem Bildungsniveau der Mutter und der Anzahl früherer Schwangerschaften (alles mögliche Risikofaktoren von Autismus-Spektrum-Störungen) war die Folsäureeinnahme mit einer relativen Risikominderung um 39 Prozent (Odds Ratio 0,61; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,41-0,90) assoziiert.

Wie immer bei prospektiven Beobachtungsstudien lässt sich daraus nicht automatisch eine Kausalität ableiten. Die sorgfältige Diagnosenstellung durch Experten und die ausführliche Befragung zu den Lebensumständen lässt jedoch andere Ursachen als unwahrscheinlich erscheinen. Die Autoren können außerdem zeigen, dass die Einnahme von Fischölkapseln keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen hat. Dies macht es unwahrscheinlich, dass andere nicht in der Studie erkannte Kennzeichen eines erhöhten Gesundheitsbewusstseins, die Assoziation erklären.

Da Autismus-Spektrum-Störungen vermutlich Folge einer Entwicklungsstörung des Gehirns sind, ist eine präventive Wirkung von Folsäure, das ein wichtiger Kofaktor in der Synthese von DNA und anderen Zellbestandteilen ist, biologisch plausibel. Nebenbei bestätigt die Studie, dass die Empfehlung zur individuellen perikonzeptionellen Folsäuresubstitution (selbst in Norwegen) kein vollständiger Ersatz für die Anreicherung von Mehl ist, der in den USA und Kanada bereits nach wenigen Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Neuralrohrfehlbildungen geführt hat. © rme/aerzteblatt.de

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