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Internisten: Entwicklung neuer Antibiotika muss gestärkt werden

Donnerstag, 14. Februar 2013

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat heute in Berlin wirkungs­vollere Anreize für die Entwicklung neuer Antibiotika gefordert. „Die Entwicklung neuer Antibiotika lohnt sich für die meisten Pharmakonzerne nicht“, stellte Norbert Suttorp, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie an der Charité, fest. Die Zahl an neuen Antibiotika, die gerade entwickelt würden, sei gering und neue Antibiotikaklassen seine eine Rarität.

„Das Problem ist: Ein Antibiotikum braucht ein Patient vielleicht ein paar Wochen im Leben, ein Antiasthmatikum für den Rest seines Lebens“, erklärt Suttorp. Deshalb sei es für die Pharmakonzerne lohnender, Medikamente zu entwickeln, die langfristig einge­nommen werden müssen. Angesichts der zunehmenden Zahl multiresistenter Erreger hätte man bei einigen Patienten jedoch das Problem, dass man ihnen kein wirksames Antibiotikum verabreichen könnte.

Suttrop spricht sich für ein schnelleres Zulassungsverfahren für neue Antibiotika aus. „Wir wollen nicht in die präantibiotische Ära zurückfallen“, betont er. „Die Frage ist, ob es nicht auch eine staatliche Aufgabe ist, die Antibiotikaentwicklung zu fördern ­durch Anreize für die Pharmaindustrie oder indem der Staat die Entwicklung selbst in die Hand nimmt.“

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Um die Ausbildung neuer Resistenzen einzudämmen, fordert Suttorp einen gezielteren Umgang mit Antibiotika. „Wenn zehn Patienten mit Erkältungssymptomen in eine Praxis kommen, erhalten acht von ihnen Antibiotika, ­ aber nur bei einem wäre es notwendig“, erklärte er.

Schnelltest würde Kosten reduzieren
Die Abgrenzung von Erkrankungen wie Grippe, Lungenentzündung und eitriger Bronchitis sei auch für einen erfahrenen Arzt nicht immer leicht zu treffen. Durch einen Schnelltest, der virale von bakteriellen Infektionen unterscheiden kann, ließe sich die Indikation für eine Antibiotikaverordnung gezielter stellen. „So ein Schnelltest ist nicht sehr aufwendig und würde vielleicht 15 Euro kosten“, erläuterte Suttorp. Für Antibiotika würden die Kassen aber nur einen Bruchteil davon zahlen, sodass diese kein Interesse an einem solchen Test hätten.

Darüber hinaus wies die DGIM auf einen Mangel an Rheumatologen hin. „Es gibt nach wie vor einen erheblichen Bedarf an Rheumatologen“, stellte Thomas Dörner, Leiter des Teams Klinische Hämostaseologie, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Charité, fest. „Wenn man Deutschland beispielsweise mit Skandinavien vergleicht, haben wir nur halb so viele Rheumatologen pro 100.000 Einwohner.“

Aufgrund der geringen Zahl an Weiterbildungsstellen würde sich das Problem auch nicht bald lösen lassen, betonte Elisabeth Märker-Hermann, Vorsitzende der DGIM. „Wir müssen Internisten fortbilden, damit sie die Zeit überbrücken können, bis der Patient sich bei einem Rheumatologen vorstellen kann.“ Die Fortbildung der Ärzte sei dabei jedoch essenziell: „Man kann nicht denken, das bisschen Rheuma behandle ich mit.“

Zusätzlich hat die DGIM gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie als Reaktion auf die Transplantationsskandale eine „Task Force Transplantationsmedizin“ ins Leben gerufen. Sie soll Richtlinien und Standards für die Vergabe von Spender­organen erarbeiten. „Wir möchten nicht nur vom Gesetzgeber und der Bundesärzte­kammer kontrolliert werden“, erklärte Ulrich Fölsch, Generalsekretär der DGIM. „Die Fachgesellschaften wollen sich auch selbst den Problemen stellen.“ © mei/aerzteblatt.de

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