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Medizin

Leukämie als Langzeitfolge der Chemotherapie

Freitag, 15. Februar 2013

Bethesda – Verschiedene in der Krebstherapie eingesetzte Zytostatika können als Nebenwirkung eine Leukämie auslösen. Die Inzidenz dieser therapiebedingten akuten myeloischen Leukämien (tAML) ist einer Studie in Blood (2013; doi: 10.1182/blood-2012-08-448068) zufolge im Allgemeinen zurückgegangen. Es gibt aber auch gegenläufige Trends.

Eine tAML ist insgesamt selten. Eine Analyse des US-Krebsregisters SEER identifizierte unter 426.068 Erwachsenen, die zwischen 1975 und 2008 eine Krebschemotherapie erhalten hatten, nur 801 tAML-Diagnosen. Dennoch wäre eine tAML unter Krebspatienten fast fünfmal häufiger als eine AML in der Allgemeinbevölkerung. Die tAML hat allerdings in der Regel eine ungünstige Prognose, wie Lindsay Morton vom National Cancer Institute berichtet.

Die Epidemiologin kann zeigen, dass die Inzidenz der tAML abnimmt. Dies traf vor allem auf das Mammakarzinom zu, auf das ein Drittel aller tAML entfiel. Der Wechsel auf eine Cyclophosphamid-basierte Chemotherapie in den 80er Jahren habe hier zu einem Rückgang geführt, schreibt Morton. Ähnlich sei die Situation beim Ovarialkarzinom, wo tAML seltener geworden sind, seit die Chemotherapie auf Melphalan verzichtet.

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Melphalan hat eine toxische Wirkung auf das Knochenmark, was das hohe tAML-Risiko erklärt. Es wird heute noch häufig zur Behandlung des Multiplen Myeloms eingesetzt. Bei diesem Krebs des Knochenmarks ist die Rate der tAML auch heute noch sehr hoch. Bei anderen Erkrankungen wie dem Non-Hodgkin-Lymphom ist es zu einem Anstieg gekommen, da die Prognose der Patienten sich verbessert hat: Mit der Überlebenszeit steigt die Gefahr, dass einzelne Patienten eine tAML entwickeln.

Eine Zunahme der tAML verzeichnet Morton seit 2000 auch für Ösophagus-, Anal-, Zervix- und Prostatakarzinome und seit 1990 für Knochen/Gelenk- und Endometriumkarzinome. Die Ursache ist in allen Fällen der erweiterte Einsatz der Chemotherapie bei diesen Tumoren.

Bei den meisten nicht-hämatologischen Tumoren ist das Risiko auf die ersten 10 Jahre nach der Chemotherapie beschränkt. Bei Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom und multiplem Myelom muss aber auch in einem späteren Zeitpunkt mit einem tAML gerechnet werden, wobei das Risiko mit der Dosis und der Dauer der Chemotherapie ansteigt. © rme/aerzteblatt.de

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