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Medizin

Parodontose und Karies als Folge von Revolutionen

Montag, 18. Februar 2013

Adelaide – Die neolithische Revolution in der Jungsteinzeit und die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert haben die Ernährung der Menschen grundlegend verändert und mit ihr die Mundflora. Seit der ersten Zäsur leiden die Menschen an Parodontose, die zweite führte zur Ausbreitung der Karies, wie eine Studie in Nature Genetics (2013; doi: 10.1038/ng.2536) zeigt.

Zum Zahnstein kommt es, wenn Zahnbeläge – ein dichter Biofilm auf der Zahnoberfläche – mineralisiert. Die Kalziumphosphatablagerungen konservieren auch Bakterien, deren Gene gewissermaßen den „Zahn der Zeit“ überstehen. Christina Adler vom Centre for Ancient DNA der Universität Adelaide konnte deshalb untersuchen, wie sich die Mund­flora seit der Steinzeit verändert hat.

Bei den ältesten Skeletten aus der mittleren Steinzeit, als die Menschen noch als Sammler und Jäger lebten, fand sie den größten Reichtum an Bakterien. Zwei Erreger, die für die beiden wichtigsten zahnmedizinischen Erkrankungen verantwortlich sind, fehlten jedoch: Porphyromonas gingivalis und Streptococcus mutans wurden erst später zum häufigen Begleiter der Menschheit.

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Porphyromonas gingivalis gehört zu den Erregern der Parodontose, an der heute 5 bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden. Für die Menschen der Steinzeit war diese Erkrankung deshalb möglicherweise kein Problem. Was nicht bedeutet, dass die Menschen damals gesunde Zähne hatten, die pflanzliche Rohkost führt über die Zeit zu einem starken Abrieb der Zahnoberfläche. Die Parodontose breitete sich jedoch erst aus, als Zerealien wie Weizen und Gerste zu einem wichtigen Teil der Ernährung wurden.

Der zweite Problemkeim der Mundhöhle ist Streptococcus mutans. Er ist für die Zahnkaries wesentlich verantwortlich. S. mutans konnte das Team zwar bereits in der Bronzezeit und im Mittelalter nachweisen. Eine deutliche Zunahme fand sie alledings erst bei den heute lebenden Menschen. Den Grund vermutet die Forscherin in der Verfüg­barkeit von industriell hergestelltem Feinmehl und raffinierten Einfachzuckern. Sie könnte dafür verantwortlich sein, dass heute 60 bis 90 Prozent der Schulkinder bereits an Karies leiden.

Die Befunde könnten für das Verständnis internistischer Erkrankungen von Bedeutung sein. Die Parodontose wird heute als möglicher Auslöser von Diabetes und Herzkrank­heiten diskutiert. Der ständige entzündliche Reiz soll dabei die Insulinresistenz und die Atherosklerose vorantreiben. Wenn aber bereits die Menschen der Jungsteinzeit unter Parodontose gelitten haben, kann sie für die heutigen Zivilisationskrankheiten nicht die einzige Erklärung sein, findet Adler. © rme/aerzteblatt.de

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