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Medizin

Multiple Sklerose: Natalizumab auch im Jugendalter effektiv

Dienstag, 19. Februar 2013

Wien – Natalizumab, eines der wirksamsten, aber auch riskantesten Medikamente zur Behandlung der multiplen Sklerose, ist bei Kindern und Jugendlichen kontraindiziert. Mangels Alternative kommt es jedoch hin und wieder zum Einsatz. Die bisherigen Erfahrungen deutscher und österreichischer Behandlungszentren sind einem Bericht in JAMA Neurology (2013; doi: 10.1001/.jamaneurol.2013.923) zufolge überwiegend positiv.

Der humanisierte monoklonale Antikörper Natalizumab versperrt alarmierten Immunzellen den Weg in das Hirnparenchym. Dies kann autoimmune Attacken auf die Myelinscheiden, die Ursache der Schübe bei der multiplen Sklerose sind, verhindern, es macht das Gehirn jedoch verwundbar gegenüber Krankheitserregern. Gefürchtet sind JC-Viren, die eine lebensgefährliche progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) auslösen. Das JC-Virus ist ein opportunistischer Erreger, der im Verlauf des Lebens erworben wird, wobei die Therapie mit Natalizumab die Infektion zu begünstigen scheint.

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Die Fachinformation bezeichnet ein Lebensalter von unter 18 Jahren als klare Kontraindikation für den Einsatz von Natalizumab. Es gibt aber immer wieder Patienten, bei denen es trotz anderer immunmodulierender Medikamente zu Schüben kommt. Die 20 Patienten, über die Barbara Kornek von der Medizinischen Universität Wien berichtet, hatten im Jahr vor Beginn der Therapie im Durchschnitt 3,1 Schübe erlitten, was die Neurologen aus mehreren deutschen und österreichischen Zentren bewog, sich über die Kontraindikation hinwegzusetzen und eine Therapie mit Natalizumab zu beginnen.

Die Wirkung war gut: Die jährliche Schubrate konnte von 3,7 auf 0,4 gesenkt werden: 14 von 20 Patienten sind seit nunmehr 20 Monaten schubfrei. Auch die Bildung neuer Läsionen in der Kernspintomographie konnte häufig verhindert werden. Die Therapie hat sich bei den meisten Patienten bisher als sicher erwiesen, sie ist jedoch nicht ohne Risiken.

Zwei Patienten mussten die Therapie abbrechen, da es zur Bildung von Antikörpern gegen Natalizumab gekommen war, bei drei weiteren wurden Antikörper gegen das JC-Virus entdeckt, ein weiterer Patient brach die Therapie wegen schwerer körperlicher Schwäche ab, zwei entschieden sich entgegen der Empfehlung der Ärzte dazu. Bei den meisten Patienten kam es nach dem Absetzen schon bald zu einem erneuten Krankheitsschub.

  © rme/aerzteblatt.de

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