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Medizin

Kaffee senkt Geburtsgewicht

Dienstag, 19. Februar 2013

dpa

Göteborg – Koffeinhaltige Getränke oder Nahrungsmittel können zu intrauterinen Wachstumsstörungen führen. Schwangere mit einem hohen Koffeinkonsum bekamen in einer Kohortenstudie in BMC Medicine (2013, 11: 42) zu einem Drittel häufiger Kinder, die bei der Geburt zu klein für ihr Gestationsalter (SGA) waren. Kaffee kann auch die Dauer der Schwangerschaft verlängern.

Koffein gehört zu den xenobiotischen Substanzen, die nach der Aufnahme über den Darm in der Leber enzymatisch abgebaut werden. Das für Koffein zuständige Cytochrom P450 1A2 wird allerdings erst nach der Geburt gebildet. Das Koffein, das vor der Geburt die Plazenta ungehindert passiert, könnte deshalb beim Feten eine stärkere und längere Wirkung erzielen als bei seiner Mutter.

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Die WHO rät Schwangeren, täglich nicht mehr als 300 mg Koffein zu sich zu nehmen. Das American College of Obstetricians and Gynecologists zieht die Grenze sogar bereits bei 200 mg/die, die bereits in zwei Tassen Bohnenkaffee enthalten sein können. Zu bedenken ist, dass auch Tee, Cola, Energy-Drinks und in geringeren Mengen auch kakaohaltige Nahrungsmittel Koffein enthalten.

Die Norwegian Mother and Child Cohort Study, die zwischen 1999 und 2009 mehr als 50.000 Schwangere nach ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten befragte, ermöglicht es Verena Sengpiel von der Sahlgrenska Universität in Göteborg/Schweden den Einfluss von koffeinhaltigen Getränken auf das Geburtsgewicht zu untersuchen. Tatsächlich ließ sich ein Einfluss nachweisen.

Pro 100 mg/die Koffein am Tag sank das Geburtsgewicht um 21 bis 28 mg. Das erscheint bei einem Durchschnittsgewicht der Neugeborenen von 3.600 Gramm nicht viel zu sein. Es hatte aber zur Folge, dass die Rate der SGA-Geburten bei Frauen mit einer täglichen Koffeinzufuhr von 200 bis 300 mg um fast ein Drittel anstieg. Als SGA gelten Kinder mit einem Geburtsgewicht unterhalb der zweiten Standardabweichung oder unterhalb der 10. Perzentile.

Eine SGA ist immer ein Hinweis auf eine intrauterine Wachstumsstörung. Die meisten Kinder holen den Rückstand zwar in den ersten Monaten nach. Epidemiologische Untersuchungen haben SGA jedoch mit gesundheitlichen Nachteilen in Verbindung gebracht, die bis ins Erwachsenenalter reichen. Diskutiert werden eine erhöhte Rate von Typ 2-Diabetes, Hypertonie und Dyslipidämien.

Im Kaffee könnte es neben dem Koffein noch weitere für den Feten schädliche Substanzen geben. Denn für nur Kaffee, aber nicht für andere koffeinhaltige Getränke, konnte Sengpiel in einer weiteren Analyse einen Einfluss auf die Gestationsdauer aufzeigen. Pro 100 mg Koffein im Kaffee verlängerte sich die Schwangerschaft um 8 Stunden. Eine Beobachtungsstudie kann keine Kausalität herstellen, den wichtigsten „Confounder“, die häufige Verbindung von Kaffee und Zigaretten, kann Sengpiel jedoch ausschließen.

© rme/aerzteblatt.de

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