Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Verdi kritisiert Personalmangel an Kliniken

Mittwoch, 20. Februar 2013

Berlin – In den deutschen Krankenhäusern fehlen nach Erhebungen der Dienstleis­tungsgewerkschaft Verdi 162.000 Vollzeitstellen. Dass der Krankenhausbetrieb überhaupt noch laufe, sei der hohen Verantwortung der Pflegekräfte geschuldet, sagte Vverdi-Vorstandsmitglied Ellen Paschke am Mittwoch in Berlin. Die Arbeitsbelastung habe vielerorts jegliches vertretbare Maß überschritten. Die Pflegekräfte in den Kliniken seien „am Ende angelangt, sie sind kaputt, sie sind ausgebrannt”, betonte sie. Der Perso­nalmangel gefährde sowohl die Genesung der Patienten als auch die Gesundheit der Beschäftigten.

Paschke forderte eine gesetzliche Personalbemessung für Krankenhäuser. Diese müsse das ganze Krankenhausgeschehen abbilden und alle Beschäftigungsgruppen bis hin zum Service einschließen. Notwendig sei dies, um zu verhindern, dass die Kranken­häuser immer mehr Personal abbauten, um Kosten zu sparen.

„Der Wettbewerb der Krankenhäuser um immer geringeren Personaleinsatz und die niedrigste Fachkräftequote muss beendet werden“, forderte Paschke. Gleichzeitig sei eine stabile Krankenhausfinanzierung bezogen sowohl auf die Krankenversorgung als auch auf erforderliche Investitionen notwendig. „Maßstab muss wieder das Wohlergehen der Patienten werden”, betonte Paschke. Dafür müsse die Politik aber auch mehr Geld in die Hand nehmen.

Vom Gesamtbedarf an zusätzlichen Vollzeitstellen entfallen laut Verdi rund 70.000 Stellen auf den Pflegesektor. 92.000 zusätzliche Stellen seien in den Bereichen ärztlicher Dienst, Funktionsdienste, medizinisch-technischer Dienst, Service und Verwaltung erforderlich. Die Gewerkschaft beruft sich auf die Hochrechnung einer Stichprobe unter bundesweit 200 Krankenhäusern.

Die Erhebung erfolgte laut Verdi am Dienstag. Dabei seien die Mitarbeiter von rund 3.900 Krankenhausabteilungen und -bereiche zu Auslastung und Arbeitsbedingungen befragt worden, hieß es. Paschke betonte, dass es sich dabei um eine Einschätzung der Beschäftigten handle und nicht um eine wissenschaftliche Erhebung: „Die Beschäftigten wurden als Experten ihrer eigenen Situation befragt“, erklärte sie. „Diese Perspektive ist einzigartig.“

Am Dienstag hatte bereits die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), unterstützt von den kommunalen Spitzenverbänden, in einer Petition die Bundesregierung aufgerufen, „den Krankenhäusern sofort noch im laufenden Jahr zu helfen”. DKG-Präsident Alfred Dänzer hatte erläutert, in 2013 werde "voraussichtlich jedes zweite Krankenhaus rote Zahlen schreiben".

Ein Sprecher des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums sagte, die Koalition schaue sich die Lage in den Krankenhäusern an. Dafür seien auch die Ergebnisse eines Gutachtens notwendig, die die Krankenhäuser und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bis 30. Juni vorlegen müssen.

„In der Koalition ist weder über Instrumente noch über konkrete Maßnahmen gesprochen worden. Die heute genannte Zahl ist falsch”, betonte der Sprecher. Er reagierte damit auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", wonach Schwarz-Gelb die Finanznöte der Krankenhäuser mit 500 Millionen Euro lindern will.

© dapd/mei/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 20. Februar 2013, 15:36

Dass der Krankenhausbetrieb überhaupt noch laufe, sei der hohen Verantwortung der Pflegekräfte geschuldet,

Kann es sein, daß hier "Verantwortung" mit "Dummheit" verwechselt wird?

Nachrichten zum Thema

16.05.17
Pflegepersonal: Deutschland auf den hinteren Plätzen
Berlin – In deutschen Krankenhäusern werden im internationalen Vergleich sehr wenig Pflegekräfte beschäftigt. Das geht aus einer Untersuchung des IGES-Instituts „Pflegepersonal im Krankenhaus“ im......
16.05.17
Mainz – Der Pflegekräftemangel in Rheinland-Pfalz ist deutlich kleiner ausgefallen als befürchtet: Im Jahr 2011 erwartete das Land für das Jahr 5.360 fehlende Pflegekräfte. Tatsächlich fehlten jedoch......
12.05.17
Krankenbett auf der Straße: Aktionstag für mehr Pflegepersonal
Greifswald – Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Altenheimen klagen über Personalmangel und schlechte Arbeitsbedingungen. Am Tag der Pflege fordern sie bundesweit mehr Stellen und mehr Geld. Die......
03.04.17
Berlin – In den Krankenhäusern muss eine bundesweit einheitliche und verbindliche Personalbemessung für die Pflege eingeführt werden. Der Pflegenotstand in den Krankenhäusern werde öffentlich immer......
20.03.17
Dresden – Sachsen will dem drohenden Pflegenotstand auch mit Altenpflegern aus Drittstaaten begegnen. Das bekräftigte Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) beim heutigen Besuch eines Pflegeheimes in......
08.03.17
Notfallversorgung: Krankenhaus­gesellschaft schlägt scharfe Töne an
Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat sich mit deutlichen Forderungen für den Bundestagswahlkampf positioniert. Auf dem Frühjahrsempfang der Gesellschaft forderte DKG-Präsident......
21.02.17
Berlin – Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, hat ein Sofortprogramm für neue Pflegestellen in Krankenhäusern gefordert. „Damit Pflegekräfte......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige